Guten Tag, Mutter

Guten Tag, Mutter

Meiner bescheidenen Meinung nach wäre gleicher Lohn für gleiche Arbeit viel wichtiger als ein Strauß Blumen. Genauso wie die Anerkennung der Erziehungszeiten für die Berechnung der Rente relevanter sein sollte als die Frage, ob „Mutti“ vormittags oder lieber nachmittags besucht werden will.

werner22brigitte / Pixabay

Aber wer bin schon ich und was zählt schon meine Meinung. Auf der anderen Seite bin ich aber auch Sohn, irgendwie, und damit den an  mich gerichteten Erwartungen am heutigen Sonntag unterworfen. Erwartungen, die ich nicht erfülle. Die ich nicht erfüllen will, weil ich den Muttertag in seiner derzeitigen Form für überholt halte. Ein Tag, der zwar historische Wurzeln in der Frauenbewegung hat aber, wie es sehr deutlich bei Wikipedia heisst, in Deutschland kein offizieller Feiertag ist:

Der Muttertag ist nicht gesetzlich verankert, vielmehr basiert dessen Datum auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden. Die Floristenverbände haben den zweiten Sonntag im Mai als Muttertag festgelegt […]
Quelle: Wikipedia

Ein Tag ohne Sinn, ohne politische Stoßrichtung, anders als etwa der 1. Mai. Was soll man also anderes machen als über die Absurdität zu philosophieren. Über Menschen, die ihren Müttern Blumen schenken (oder aufs Grab legen) sich aber einen Dreck darum scheren, was die Rechte der Frauen angeht. Für mich läge darin die eigentliche Bedeutung des „Muttertags“.

Eigentlich muss man nur rund vier Wochen zurück blättern im Kalender, auf den 8. März. Das war nämlich der Internationaler Frauentag, der weltweit von Frauenorganisationen begangen wird. Als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau ist er wesentlich bedeutsamer als ein lächerlicher Sonntag, an dem man Blumen kauft um sie zu verschenken.

Vor allem ist er ein Tag der Frau und nicht der Mutter, er reduziert entsprechend nicht auf eine ganz bestimmte Rolle. Womit wir dann bei einem anderen, wesentlichem Aspekt des heutigen Tages wären. Nicht jedes Paar möchte oder kann Kinder kriegen, auf die Rollen als Mütter und Väter wird daher bewusst oder schmerzlich verzichtet. Was also empfindet man dann in dieser Lage an „Muttertag“?

Es wäre ehrlich, man würde diesen Muttertag einfach abschaffen. Blumen kaufen und verkaufen kann man auch an anderen Tagen. Abgesehen davon, wieder meine persönliche Meinung, gefallen mir Pflanzen mit Wurzeln besser als abgeschnittenes Zeug, was nach ein paar Tagen verwelkt. Über die Symbolik dahinter, wenn so ein Muttertagsblumenstrauss nach vier Tagen nur noch für die Biotonne taugt, kann man ja auch mal nachdenken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren