Abstellgleis der Ahnungslosigkeit

Abstellgleis der Ahnungslosigkeit

Durch den Streik der GDL werden mir derzeit nicht nur ein paar zusätzliche Homeoffice Tage beschert, sondern auch einige Lesestunden abgezogen. Was sich merkwürdig anhört, ist schnell erklärt. Wenn ich nach Essen in die Agentur fahre, benötige ich pro Strecke mindestens eine Stunde — bei Störungen im Betriebsablauf schon mal gerne etwas länger.

Die Zeit nutze ich auf der Hinfahrt zum lesen der Zeitung, auf der Rückfahrt stecke ich meine Nase in ein Buch. Letzteres ist etwas schräg formuliert, hängt aber weniger mit dem Lesestoff sondern mit der Form des Buches zusammen. Bei mir ist das nämlich in der Regel ein E-Book Reader. Daran sieht man mal, wie sich Redewendungen überholen können. So wird aus Treppenwitz, also dem, was einem erst am Ende einer Diskussion bei Hinausgehen einfällt, etwas ganz anderes.

jensjunge / Pixabay

Damit sind wir dann wieder bei der Bahn, dem Streik und dem Herrn Gewerkschaftsführer, der wie die Süddeutsche Zeitung heute so wundervoll formulierte, einst leer ausging:

…als Gott die Gabe der Deeskalation verteilte, war er sehr sicher nicht im Raum.
Quelle: SZ

Was zeigt, dass ich morgens beim Frühstück zumindest die ersten zweieinhalb Seiten der Süddeutsche Zeitung gelesen bekomme. Mehr wird das dann, gefesselt ans Heim, auch nicht. Da ich nicht im Zug sitze, lese ich entsprechend dort auch keine Zeitung. Meistens treibt es mich früher an den Schreibtisch, wo ich mich dann gerne in Probleme verbeiße und darüber die Zeit vergesse.

Abends gibt es dann bereits wieder die nächste Ausgabe der SZ, so dass ich theoretisch einen riesigen Stapel ungelesen Zeitungen zu Hause hätte, der dann irgendwann nur noch informationstechnisches Altpapier ist. Das ist nie so kommt, liegt an der elektronischen Ausgabe der SZ, die ich beziehe. Da sammelt sich zum Glück nichts an.

Einige Themen entgehen mir vollkommen, andere Schlagzeilen geraten in Kopf etwas durcheinander (oder meine Phantasie geht mit mir durch) so wie heute:  BND – die Kinopremiere,  Großrazzia gegen Weselsky und  Bahn hoffentlich klimaversichert.

Immerhin habe ich das neuste Kapitel aus der Wulf-Saga mitbekommen. Meldungen zu folge sollen der Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Ex-Irgendwas Bettina Wulff wieder zusammen sein.

Viel mehr ist nicht zu erfahren, da die Wulfs angeblich Angst vor Übergriffen durch Fotografen und Journalisten haben. Mittlerweile habe, so kursiert das Gerücht, jemand Christian Wulff sogar erklärt, wie ein Anrufbeantworter wirklich funktioniert. Was die Wulffs offensichtlich schon ganz Hilfe wissen ist, wie man sich wieder zum Gesprächsthema macht. Ohne die Meldung heute hätte sich wohl keiner mehr an sie erinnert. Was den Rückschluss zulässt, das die Buchverkäufe eher schleppen voran gehen.

Aber jeder hat eine zweite Chance verdient. Bei Familie Wulff gerne abseits der Öffentlichkeit. Wobei, die beste Meldung wäre noch, wenn das wiedervereinte Duo sich Bahn und GDL als Streikschlichter empfehlen würde. Erfahrung genug mit dem Schlichten haben sie ja in letzter Zeit offensichtlich gesammelt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren