Fernseherziehung mit Video on Demand

Fernseherziehung mit Video on Demand

Zwischen meinem Bruder und mir gab es während der Kindheit trotz unseres Altersunterschiedes etwas Verbindendes, selbst in den „schwierigen Jahren“. Wir mochten beide die gleichen Hörspiele (kein Wunder, denn mein Bruder hatte quasi meine gesamten alten Kassetten geerbt) und dieselben Serien im Fernsehen.

Regeln setzen und einhalten

In Bezug auf den Fernsehkonsum gab es bei uns zu Hause eine klare Regelung. Sendungen, die sich an ein erwachsenes Publikum richteten, waren tabu. Unsere Eltern achteten ziemlich genau auf die Altersfreigabe von Filmen und Serien. Diskutiert wurde grundsätzlich nicht über die Zeit. Nicht nur hatten wir ab einer bestimmten Uhrzeit im Bett zu sein, sondern pro Tag stand ein begrenzter Umfang an Zeit vor dem Fernseher zur Verfügung. Wenn das Tageskontingent ausgeschöpft war, halfen auch keine Tränen. Aber, so muss ich betonen, es ging immer fair zu. Mitten in einem Film musste keiner von uns beiden das Wohnzimmer verlassen. Wir hatten auch immer die Wahl, uns selber zwischen dem, was wir sehen sollten zu entscheiden.

Kind vor dem Fernseher
Fernseher als Fenster zur Welt

Gut erinnern kann ich mich noch, als ich mich dafür entschied eine meiner Lieblingsserien „Captain Future“, statt später am Abend „Buck Rogers“ zu sehen. Meine Hoffnung, meine Eltern würde mir beides erlauben, erwies sich als falsch. So schmollte ich dann, während mein Bruder die bessere Wahl getroffen hatte. Mangels Wiederholungen war meine Entscheidung auch endgültig, und es verging fast ein Jahrzehnt, bis ich den Film endlich selber sehen konnte.

Als mein Bruder und ich später einen gemeinsamen eigenen Fernseher hatten (der alte Schwarz-Weiß Fernseher unserer Großeltern), konnten sich unserer Eltern auf uns verlassen. Den Umgang mit dem Fernsehkonsum hatten wir eingeübt und sahen auch nur das und so viel, wie wir es unter Aufsicht auch getan hätten.

Veränderung des Fernsehkonsums

Der Fernsehkonsum hat sich in den letzten Jahren ziemlich verändert, an manchen Stellen sogar radikal. Die Möglichkeit, Sendungen, die im Fernsehen ausgestrahlt wurde aufzunehmen, Filme auf Videokassetten zu kaufen und später erhältlich in Form von DVDs und Blue-Rays — das alles waren nur Zwischenetappen hin zu einem riesigen Angebot, welches rund um die Uhr auf Knopfdruck verfügbar ist. Video on Demand (VoD), Filme und Serien, wann man will und wo man will. Für meine Frau und mich so was wie das Paradies. Für meinen Bruder und seine Frau ist VoD etwas, sagen wir „komplizierter“. Die beiden haben nämlich Kinder. Damit holt zumindest meinen Bruder das ganze Thema „Fernseherziehung“ wieder ein, diesmal in der Rolle als Erziehungsberechtigter.

Regeln zu vereinbaren und Grenzen zu setzen ist in der Fernseherziehung bei Kindern immer wichtiger geworden. Durch VoD sind auch für Kinder Filme und Serien jederzeit verfügbar. Der Fernseher ist dabei längst nicht mehr die einzige „Büchse der Pandora“ im Haushalt. Im Prinzip reicht ein internetfähiges Gerät mit einer entsprechenden Applikation aus, um einen Zugang zu einem unüberschaubaren Angebot zu erhalten. Eltern sollten hier in Bezug auf technische Möglichkeiten unbedingt ihren eigenen Horizont erweitern, ansonsten entgeht ihnen, was im Kinderzimmer hinter ihrem Rücken passiert.

Technische Entwicklung mitverfolgen

Mein Bruder jedenfalls kennt die unterschiedlichen Möglichkeiten. Die Kinder haben ein fest vereinbartes Kontingent von einer Stunde pro Tag. Das gilt, egal ob am Fernseher geschaut wird, auf dem Tablet oder sonst wo. Alle Geräte sind so eingestellt, dass sich die Altersbeschränkung nur mit dem richtigen Kennwort umgehen lässt. Genau wie es bei meinem Bruder und mir früher der Fall war, wird sich auch strikt an die eine Stunde gehalten, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Ist die Stunde vorbei, wird das Programm unterbrochen und am nächsten Tag fortgesetzt — die Technik macht es möglich. Auf diese Weise gibt es keine Tränen. Die Kinder verpassen keine Sendung und haben eine klare Orientierung, was sie pro Tag sehen dürfen.

Mindestens genauso entscheidend wie das „Wie“ ist auch das „Was“, in dem Fall das Angebot an Filmen und Serien, die für Kinder geeignet sind. Auf dem Markt der Möglichkeiten tummeln sich zahlreiche Anbieter von Video on Demand. Die Auswahl ist hier alles andere als einfach und trotz häufig angebotener Testmonate kann man hier unmöglich alles selber ausprobieren. In der Familie meines Bruders gab es ein paar Kriterien, die die Auswahl erleichterten, sodass er schließlich bei Maxdome und dem dortigen Angebot für Kinder landete. Die bereits im Haushalt vorhandene Technik (T-Home Entertain Media Receiver) sowie die Auswahl an geeigneten Kinderfilmen war ausschlaggebend dafür. Wie sollte es anders sein, neben neuen Produktionen ließ er sich auch von dem leiten, was er und auch ich aus unserer Kindheit kannten. Wenn seine Kinder sich Sendungen wie „Doctor Snuggles“ anschauen, sitzt er mit davor — nicht nur weil er als Erziehungsberechtigter sollte, sondern weil er es selber sehen möchte.

Fazit

VoD ist ein Thema, mit den sich Eltern auseinandersetzen sollten, auseinandersetzen müssen. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass die Angebote auch auf mobilen Geräten verfügbar sind. Hier in der autofreien Siedlung gibt es einige Haushalte, wo aufgrund bestimmter Ansichten der Eltern kein Fernseher im Wohnzimmer steht, aber die Kinder trotzdem über ein Smartphone verfügen. Wenn man seine Kinder nicht bewusst an den Medienkonsum heranführt, führt das im Endergebnis, zumindest meiner Meinung nach, zu Kontrollverlust. Die Kinder werden mit zunehmendem Alter die Möglichkeiten, angeleitet durch Freunde und Mitschüler, entdecken und nutzen. Ob es den Eltern passt oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Es wird einfach gemacht. Dann stehen die Erziehungsberechtigten vor einem viel größeren Problem, denn es werden garantiert Filme geschaut, die alles andere als altersgerecht sind — eben weil das Kind nicht anders gelernt hat und ein Stück weit auch aus Trotz.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren