Die AfD kauft nicht ein

Die AfD kauft nicht ein

Der Kölner hat eine große Klappe, manchmal ein großes Herz und es gibt auch Momente, da hat er beides. Am vergangene Wochenende sagten Fans des 1. FC Köln im Bord-Bistro eines ICE dem AfD Chef Bernd Lucke mit deutlichen Worten ihre Meinung. „Wir wollen keine Nazis hier!“

Sich ist das keine besondere gelungene Form der politischen Auseinandersetzung, aber es ist ein deutliches Zeichen. Genau so ein, wie man Anfang des Jahres in Köln setzte, als man den Pegida-Anhänger mit gelungenen Gegenprotesten im wahrsten Sinne des Wortes das Licht aus machte.

Als Politiker, der Herr Lucke ja gerne sein möchte, kann man auf so einen Vorfall unterschiedlich reagieren. Man kann sich darauf berufen, rein privat irgendwo zu sein (ist in diesem Jahr besonders in Mode), die zuständige Ordnungsmacht rufen oder aussteigen — was Herr Lucke zusammen mit seiner Frau getan schließlich auch tat. Endstation Wuppertal.

Wenn man klug ist oder gut beraten wird, lässt man so einen Vorfall auf sich beruhen. Niemand ist zu Schaden gekommen, nur vielleicht das persönliche Ehrgefühl etwas angekratzt — wobei, im rechten Lager das mit der Ehre immer etwas anders gesehen wird.

Lucke sei, so die AfD, in „faschistischer Art und Weise aus dem Zug geworfen worden, dass Ganze sei ein Angriff nicht nur auf die Person, sondern auch die Meinungsfreiheit. Und natürlich, seien auch die Medien schuld (man hört hier wieder das Lied von der „Lügenpresse“), da diese überhaupt erst die AfD in die rechte Ecke gerückt haben.

Beim AfD-Kreisverband Mecklenburg-Schwerin schaffte man es dann, an die Boykottaufrufe der Nationalsozialisten gegen jüdische Geschäfte anzuknüpfen, als man via Facebook dazu aufrief, den Kölner Lebensmittelkonzern REWE zu boykottieren. Dieser, so die verquere Logik der AfD, sei schließlich Hauptsponsor des 1. FC Köln. Was REWE mit dem Verhalten einzelner Fans des Fußballvereins dabei zu tun haben soll, lässt sich nur schwer nachvollziehen.

In etwa wäre das so, künftig in Deutschland kein Gyros mehr zu essen, denn schließlich leben alle Griechen nur auf Pump. Oder aber man boykottiert den Supermarkt real,- weil man als Fan eines gegnerischen Fußballvereins mit der Spielweise von Real Madrid nicht einverstanden ist.

Tja, was soll man sagen. Boykottaurufe, die auf tönernen Füßen stehen, in soziale Netzwerke zu posten, ist so eine Sache. Man sollte bei so was immer mit Gegenwind rechnen. Der kam dann auch recht schnell, und die Netz-Selbstjustiz ist häufig weder besonders feinfühlig noch zimperlich.

An dieser Stelle hätte man spätestens bei der AfD die Notbremse ziehen und sich entschuldigen sollen. So was ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Einsicht, etwas falsch gemacht zu haben. Bei der AfD aber war beleidigt und reagierte, wie es trotzige Kinder oder Parteien machen, die längst noch nicht reif sind für die politische Bühne.

Man löschte den Eintrag bei Facebook, samt kritischer Kommentare und versuchte wenig gelungen den Spieß herum zu drehen:

An all die Empörten und Distanzierer, die Scheinheiligen, die Schubladendenker, Moralapostel, Ignoranten, Gutmenschen und Mitläufer.

So was kann man als unorthodoxe Methode bezeichnen oder aber als was ganz anderes. Der REWE-Konzern tat im Übrigen wohl das einzig richtige in so einer Situation — er ignorierte den Boykottaufruf. Zumindest fast, denn wie der KSTA schrieb, gab es via Twitter den folgenden Hinweis:

Das von der AfD angeführte Zitat von Oscar Wilde,

„Moral ist weiter nichts als die Haltung, die wir Leuten gegenüber einnehmen, gegen die wir eine persönliche Abneigung haben“ in ihrem zweiten Posting bei Facebook ist, am Rande bemerkt, „etwas“ aus dem Zusammenhang gerissen. Wilde bezieht sich damit auf seine eigene Homosexualität. Darüber wird man dann wohl noch mal beim AfD-Kreisverband Mecklenburg-Schwerin diskutieren müssen — ist halt blöd, wenn man einfach irgendwo ein Zitat, was vermeintlich gerade passt, abgreift.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren