Zweite Chance für Düren

Zweite Chance für Düren

Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist der Start. Zumindest dann, wenn man sich Etappe für Etappe am Jakobsweg von Köln nach Aachen entlang hangelt. Dann bekomme auch Städte wie Düren unverhofft eine zweite Chance. Gestern klang ich ja eher weniger begeistert. Vielleicht, so mein Glaube heute morgen am Bahnhof in Köln, haben wir nur noch nicht die richtigen Ecken von Düren kennengelernt.

Vorbei an der Rur
Vorbei an der Rur

Nun, seit heute wissen wir zumindest, dass Düren eine Art Fußgängerzone hat. Falls jemand noch günstig eine Ladenfläche zum anmieten sucht, wäre Düren die Chance. Das Angebot an leerstehenden Geschäftsräumen in der Fußgängerzone ist wirklich beeindruckend. Man sucht förmlich nach dem schnellsten Weg, um Düren wieder verlassen zu können. Für meinen gestrigen Vergleich von Düren mit Bielefeld muss ich mich an dieser Stelle im Übrigen entschuldigen. Er war völlig unangemessen. Obwohl Bielefeld das dreifache an Einwohner hat, ist es wesentlich beschaulicher und deutlich hübscher als Düren.

Geholfen hat uns diese Erkenntnis heute weniger, denn wir liefen die erste Stunde unserer fast vierstündige Strecke heute komplett durch Düren. Begriffe wie „schäbig“ machen nur Sinn, wenn man angrenzend etwas schönes zum Vergleich hat. Aber gut, immerhin haben wie die Rur gesehen.

Kein Zug wird kommen
Kein Zug wird kommen

Erst Richtig Derichsweiler wurde es schöner und nach dem wir auch diesen Ort hinter uns hatten, konnte man zum ersten Mal von einer Wanderstrecke sprechen. Die ist dann allerdings ein kleines Stück anspruchsvoller als die 3. Etappe gestern. Statt freier Blick über flaches Land gibt es Wald und etwas Steigung.

Unterwegs kommt man vorbei an den Ruinen des Kloster Schwarzenbroich — es sind wirklich nur noch Ruinen. Es ist jedoch spannend zu sehen, wie dir Natur sich das Gebiet wieder zurück erobert hat. Nach einem kleinen Abstieg kommt man dann vorbei an der noch bestehenden Klosterkirche Wenau — im Sonnenlicht des Frühlings umgeben von saftigen Grün ein schöner Anblick. Die Klosterkirche war für uns auch ein Wendepunkt, denn von dort aus verließen wir den Jakobsweg, um Richtung Langerwehe zum Bahnhof zu kommen. Wir passierten Heistern, das auf einem Hügel über der Klosterkirche thront. Von dort aus hat man nicht nur einen imposanten Rundblick sondern auch das Gefühl, einen durchaus lebenswerten Flecken Erde gefunden zu haben — bis man dann den Landschaftsgarten Kammerbusch betritt. Der ist voller Denkmäler für Kaiser und Reichskanzler. Man meint, einen leicht braun-modrigen Geruch in der Nase zu haben.

Mauerreste vom Kloster Schwarzenbroich
Mauerreste vom Kloster Schwarzenbroich

Das letzte Stück zum Bahnhof in Langerwehe geht es kontinuierlich abwärts. Sowohl in Bezug auf Strecke als auch sonst. Bahnhöfe haben den bestechenden Charme, von dort aus weg zu kommen. Am Ende liegen 21,4 Kilometer bei 3 Stunden und 43 Minuten hinter uns. Und vor uns die Freude auf die fünfte Etappe, sobald es das Wetter und die Zeit zulassen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren