Ein letztes Trommeln

Ein letztes Trommeln

Bereits gestern ging die Meldung um vom Tod des deutschen Schriftstellers Günther Grass. Zuerst bekam ich es auf Twitter mit, dann las ich noch mal etwas ausführlicher bei Facebook. Auf den Wechsel zu einem richtigen Nachrichtenportal verzichtete Montag — mir war schon klar, dass ich am heutigen Morgen einiges zu Grass in der Süddeutsche Zeitung lesen würde. So kam es dann auch, aber die allerersten Sätze verschlug mir trotzdem noch für einen kurzen Moment die Sprache.

Günter Grass ist tot. Der Literaturnobelpreisträger starb am Montagmorgen im Alter von 87 Jahren in einer Lübecker Klinik an einer Infektion.
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 14.04.2015

Die Nachricht seines Todes verbunden mit einer Ursache. Kein Herzinfarkt, kein Krebs sondern eine Infektion. Man kann über die genauen Hintergründe die zum Tod geführt haben, lediglich spekulieren. Ich für meinen Teil musste sofort an multiresistenten Keime denke, die gerade in deutschen Krankenhäusern zu einem immer größeren Problem werden. Im Krankenhaus an einer Infektion zu sterben, ist auch in einer Industrienation wie Deutschland längst nicht ausgeschlossen. So stirbt ein großer Schriftsteller letzten Endes wie ein einfacher Kassenpatient. Das hört sich komisch an, so was ging mir aber beim Frühstück tatsächlich durch den Kopf.

Dann, wenn der erste Tee seine Wirkung zeigt, der Kopf wacher wird, macht man sich an die ernsthafteren Gedanken. Günter Grass. Ein Schriftsteller, der polarisierte. Niemand, der den einfachen, bequemen Weg gegangen ist, der alles tat um zu gefallen.

Gelesen habe ich von ihm einige seiner Bücher, natürlich die Blechtrommel, auch „Katz und Maus“ und ein paar andere. Seine spätere Werke nicht mehr. Die ersten auch nur, weil es zum bildungsbürgerlichen Kanon zugehört — weil man, wie es so schön heisst, so was gelesen haben muss. Zumal dann, wenn man Deutsch Leistungskurs hatte.

Gelesen habe ich auch über Günther Grass und das vornehmlich in den letzten Jahren. Einiges davon hat mir ganz und gar nicht gefallen, wie seine lange verschwiegen Mitgliedschaft in der Waffen-SS. Anderes wiederum fand ich beachtenswert, weil Grass es verstand, genau den Finger in die Wunde zu legen. So zum Beispiel, wenn er sich für Flüchtlinge einsetzte.

Nachrufe auf Günther Grass finde man heute und wohl auch in den nächsten Tagen haufenweise in den Medien, einen wie ich fand berührenden fand ich heute von Thomas Steinfeld auf Seite Drei der SZ. Steinfeld schafft es, noch mal die unterschiedlichen Facetten von Grass zu beleuchten, seine unbestrittenen Leistungen hervorzuheben. Ja, Grass hat sich um Deutschland verdient gemacht. Dieser Mann mit Schnurrbart und Pfeife wird uns fehlen, gehörte er doch zu einer Generation der großen Mahner, die leider aussterben.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren