World of Tanks Blitz

World of Tanks Blitz

Ich gehöre noch zu der Generation, in dessen Kindheit es als unbedenklich galt, Kriegsspielzeug Geschenk zu bekommen. Moralische Bedenken, mir ausgerechnet an Weihnachten einen Spielzeugpanzer zu schenken, hatte mein Großvater damals nicht. Ehrlich gesagt, ich habe ihn geliebt, diesen Panzer aus Blech. Mit einem Flügelschlüssel konnte man ihn aufziehen, er fuhr dann durchs Wohnzimmer und sprühte dank eines Feuersteins Funken aus der Waffenmündung. Die Behandlung von mir (aus welchen Gründen auch immer, als Kind kommt man ja auf merkwürdige Ideen) mit einer bekannte auch für die Zeit typischen Flüssigwürze überlebte der Panzer nicht.

Trotz Panzer und Holzschwerter und Spielzeugpistolen habe ich dann einige Jahre später den Wehdienst verweigert — soviel also zum erzieherischen Wert bestimmter Gegenstände, wobei möglicherweise war der Anschlag mit dem Würzmittel auf den Panzer bereits ein Hinweis auf meine pazifistische Neigung.

Wie dem auch sei, geblieben ist mir auf eine gewisse Faszination für Panzer. Weniger für echte als für die, mit denen man spielen kann. Aus diesem Grund erlag ich nach den Osterfeiertagen einem Spiel namens World of Tanks Blitz. Free-to-play, aber mit einem fairen Modell. Man kann auch ohne Geld Spaß haben (so ein Spruch für Poesiealben oder Grabsteine…). Was mir, neben den vielen Panzer, am Spiel besonders gefällt, ist die Zeit von maximal sieben Minuten, die eine Schlacht dauert. Mit vierzehn Spielern befindet man sich auf einer Karte und versucht als Team die Gegenseite, nun ja, vernichtend zu schlagen. Dafür gibt es Erfahrungspunkte und Geld, welches in die Erforschung neuer Panzer investiert werden kann. Oder in Aufrüstung seines Fuhrparks.

Auf ins Gefecht
Auf ins Gefecht

Die kurze Spielzeit passt zum gelegentlichen Spielen, auch wenn man dafür dann eine halbe Ewigkeit braucht, bis man den nächsten Panzer freigeschaltet hat. Maggi über das iPad zu kippen werde ich auf jeden Fall vermeiden. Es würde sich negativ auch auf andere Applikationen auswirken.

Eigene moralische Bedenke, dass Spiel zu spielen, habe ich eher nicht. Wohl aber ein gewisses Bauchgrummeln, wenn ich mir bewusst mache, aus welchem Land die Entwickler stammen. Weißrussland. Eine lupenreine Diktatur unter Aljaksandr Lukaschenka mitten in Europa. Ein Panzerspiel aus diesem Land hat einen gewissen Beigeschmack. Spaß macht es leider trotzdem

2 Replies to “World of Tanks Blitz”

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren