Regen und aufregen

Regen und aufregen

Regenschirme sind bei mir nichts von Dauer. Über die Jahre hinweg habe ich auch gelernt, wie wenig sich teurer Modelle für mich lohnen. Sie erleiden genau so früh oder spät wie Billigmodelle vom Discounter das Schicksal eines jeden Regenschirms. In der Bahn vergessen, vom Wind gebogen und vollends geknickt im nächsten Mülleimer. So ein Sturm wie heute reicht prinzipiell aus, um auf dem Weg ins Büro durchschnittlich drei Schirme zu verschleißen.

Ich für meinen Teil bin heute Morgen zur Abwechslung mal wieder auf die klassische Kapuze umgestiegen, obwohl ich damit sowohl ziemlich blöd aussehe als auch verdammt weniger da drunter sehe. Wie mit Scheuklappen fühle ich mich eingeengt, kann nur durch beständiges auf den Boden schauen verhindern, dass mir mein Kopfschmuck nach hinten fliegt. Für einen Schirm wäre das Wetter tödlich. Und gerade heute wollte ich nicht unnötig etwas riskieren, wo mein Schirm doch gerade erst neu ist. Sein Vorgänger hat allerdings ein seltsames Schicksal ereilt. Etwas, was bisher mit keinem meiner Schirme passiert ist. Er wurde schlicht und einfach geklaut – anders kann und mag ich es nicht nennen.

Am Sonntag Nachmittag stellten meine Frau und ich unsere nassen Schirme wie immer aufgeklappt im Hausflur ab, so vor unsere Tür das sie nicht im Weg stehen und niemand darüber fällt. Gestern Morgen waren sie dann verschwunden. Beide. Einfach nicht mehr da, ohne das einer von uns beiden sie zusammenklappt und in die Wohnung geholt hat. Zurück blieben nur die trockenen Hüllen der Schirme in unseren Taschen.

Wir wohnen in einem Haus mit insgesamt sechs Parteien, in einer, so könnte man sagen, doch gut situierten Wohngegend. Die Haustür unten ist verschlossen, es kommt normalerweise niemand ohne Schlüssel herein. Selbst wenn, würde er sich kaum die Mühe machen, in die erste Etage zu gehen um dort zwei Regenschirme zu klauen, wenn sich doch deutlich wertvolleres im Hausflur befindet. Vor allem, wenn im Erdgeschoss zwei deutlich wertigere Schirme griffbereit an der Wand lehnen, die man nicht erst wie unsere zusammen klappen muss.

Die Schirme selber sind finanziell kein Verlust. Sie haben gerade mal pro Stück 2,95 Euro gekostet. Für mich ist es jedoch der Vertrauensverlust, der schwer wiegt. Etwas ist seit gestern zerbrochen. Diesmal waren nur Schirme, aber was kommt als nächstes? Müssen wir davon ausgehen, dass wir keine Sachen mehr im Hausflur stehen lassen dürfen. Bekommt als nächstes die Waschmaschine im Keller Beine?

Zuallererst bin ich traurig. Dann wütend. Mit Verdächtigen sollte man vorsichtig sein, aber wie beschrieben, ich finde es merkwürdig, dass die Schirme aus der 1. Etage verschwinden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren