Voodoopuppen in leeren Zettelkästen

Voodoopuppen in leeren Zettelkästen

Nach wie vor bin ich mit Evernote zufrieden. Eigentlich. Ab und an gibt es jedoch Momente, wo ich etwas genervt bin. Zum Beispiel dann, wenn ich versuche, mir ein neues Themengebiet systematisch zu erschließen. Zumindest mir hilft es, die Fragestellungen und Antworten zu strukturieren, die einzelnen Abschnitte und Unterthemen dabei miteinander zu verbinden.

In Evernote geht so was nur leidlich. Entweder hat man eine Menge kleiner Notizen, die man mehr schlecht als recht mit Tag ausstatten, um zumindest den Anschein einer umfassenden Klammer zu erwecken. Oder aber man endet damit, eine ziemlich lange Notiz geschrieben zu haben, die in ihrer Unübersichtlichkeit eigentlich nur noch unbrauchbar ist. Richtig böse sind dabei die mangelnden Formatierungsmöglichkeiten in Evernote. Schnell hat man, gerade durch Copy & Paste ein Dokument erzeugt, was nur noch hässlich aussieht.

Auch wen hoch mich wiederhole, die Möglichkeit eine Notiz in Markdown zu schreiben fehlt mir bei Evernote wirklich. Am liebsten wäre mir ein Wiki. Nicht auf einem Webserver aufgesetzt, sondern als richtiges Programm. Und selbstverständlich auch mit einer passenden iOS-App. Mit Markdown könnte ich dann meine Texte schreiben und ohne die Finger von der Tastatur zu nehmen ganz einfach einen Link auf ein neues, leeres Dokument erstellen.

Wenn man sich auf die Suche nach so einer Applikation begibt, und ich habe das nicht nur einmal getan, dann landet man recht schnell mit leerer Wasserflasche in der Wüste. Es gibt kein Programm welches diese recht einfach Anforderungen erfüllt und auch noch regelmäßig aktualisiert wird. Das Einzige, was annähernd vielversprechend aussah, war VoodooPad. Zu dem Programm gibt es sogar eine iOS-Version. Allein, im Appstore steht bei der Mac OS X Version, dass das letzte Update vom 09.11.2013 stammt. So was weckt bei mir nicht gerade Vertrauen, zumal das Programm auch noch den Eigentümer gewechselt hat.

Sucht man nach dem Stichwort Wiki im iOS-App-Store, findet man vor allem Clients, mit dem eine Offlinenutzung von Wikipedia möglich ist. Daneben ziemlich viel Schrott und eine einzige Applikation, Trunk Notes für die es keine eigenständige Desktopversion gibt. Das Beste, auf das ich bei meiner Recherche noch gestoßen bin, war dann der Zettelkasten. Für das platformübergreifende Java-Programm gibt es leider kein iOS-Version. Ansonsten gähnende Leere — oder Anwendungen, die nicht die Mühe wert sich, sich mit ihnen näher zu beschäftigen. Entweder weil sie nicht alle Plattformen abdecken oder aber weil sie nicht gepflegt werden.

Eigentlich sollte man glauben, dass Wissenserwerb in unserer Gesellschaft ein wichtiges Thema ist. Für mich gehört dazu eine gewisse Systematik und auch die Möglichkeit, erworbenes Wissen verschriftlichen zu können — und zwar in solcher Weise, dass es auch wieder auffindbar ist. Ein kleines Bisschen glaube ich, es stecke eine gewisse Absicht dahinter, Menschen diesen Prozess leichter zu machen. Oder aber ich liege völlig falsch, habe ein absolut exotisches Bedürfnis und sehen die Cloud vor lauter Apps nicht — denn ein Einwand wäre an dieser Stelle, dass es doch genügend serverbasierte Systeme gibt. Ja genau, serverbasierte. Das ist genau das, was ich eigentlich nicht wollte. Die Daten sollen sich gerne über das Netzt synchronisieren, aber ich möchte jederzeit offline darauf zugreifen können.

Abgesehen davon bin ich auch im Hinblick auf ein schickes Wiki-System mit Markdown und einfach Bedienung (Dropdown von Dateien über das Browserfenster, zum Beispiel) nicht fündig geworden (sachdienliche Hinweise gerne in die Kommentare). Das Thema wird mich wohl auch künftig noch beschäftigen, heute morgen bin ich über so genannten Flat-File CMS-Systeme gestolpert. Möglich, das sich da eine Lösung findet, auch wenn sie dann eben doch auf einem Server liegen muss.

3 Replies to “Voodoopuppen in leeren Zettelkästen”

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren