Beratungsresistenz im Büro

Beratungsresistenz im Büro

Lernen ist keine Frage des Alters, sondern der Offenheit gegenüber Neuem. Dieser Satz ist so wahr wie er auch falsch ist. Unvoreingenommenheit wäre besser als lediglich Offenheit. Es muss auch nicht immer etwas Neues sein, sondern kann auf Veränderungen im allgemeinen Zielen.

Mit Unvoreingenommenheit sind nicht nur Themen oder Sachen zu fassen, sondern sie sollte sich auch auf Personen beziehen.

Beratungsresistenz kannte ich in meinen bisherigen Berufsjahren im Grunde genommen nur bei bestimmten Kunde – es scheint auch
Einen ganz besonderen Kundentypus zu geben, bei dem die Beratungsresistenz quasi genetisch bestimmt ist. Mit Geduld und den richtigen Argumenten ließ sich in den allermeisten Fällen jedoch immer eine gemeinsame Basis finden. Was vermutlich auch zu nicht unwesentlichen Teilen daran liegt, dass die Sache im Vordergrund steht. Persönliche Befindlichkeiten bleiben außen vor oder aber werden zu Gunsten des gemeinsamen Projektes zurück gestellt. Man rauft sich zusammen, weil allen Seiten klar ist, dass man gemeinsam an einem Strang ziehen muss um voran zu kommen. Letztendlich ist es die Einsicht von der Notwendigkeit Kompromisse zu machen bei allen Beteiligten, die hilft, über unterschiedliche Standpunkte hinweg eine Linie zu finden, mit der alle leben können.

Für mich neu dagegen ist die Erfahrung, dass Vorschläge meinerseits grundsätzlich abgelehnt oder sabotiert werden. Nicht etwa, weil der Vorschlag möglicherweise schlecht ist, sondern einfach nur deshalb, (so zumindest mein Eindruck) weil er von mir kommt. Meine Kollegen haben, so scheint es mir, eine merkwürdige Art von Beratungsresistenz entwickelt, die zugleich jeglichen Kompromiss unmöglich macht. Ein Kompromiss ist schließlich nur möglich, wenn beide Seiten nachgeben und aufeinander zugehen.

Projektverwaltung, Wissensdokumentation und auch interne Kommunikation sind Stiefkinder im Büro. Meine Versuche, in dieser Hinsicht etwas zu verbessern liefen bisher alle ins Leere. Kanban, Evernote Buisness, Wiki, ein ganz normales Projektbrett (Old School aber durchaus wirksam, wenn es denn genutzt wird) oder aber wie gestern ein firmeninterner Blog angereichert mit BuddyPress – vergebliche Liebesmühe. Kritische hinterfragen ist grundsätzlich positiv, passiert das aber dauern bei eigenen Vorschlägen, sollte, nein muss man sich Gedanken machen. Irgendwas passt dann nicht. Entweder liegt das Problem bei einem selber oder aber es gibt bei Kollegen ein Interesse, welches mehr Transparenz zu wieder läuft.

Meiner Meinung nach muss jeder im Unternehmen im Prinzip ersetzbar sein. Das funktioniert nur, wenn Projekte und Arbeitsschritte sauber dokumentiert sind. Wissen, welches während der Arbeitszeit für die eigene Tätigkeit erworben wird, gehört, so finde ich, der Firma. Wird der Wissenserwerb festgehalten, können auch andere im Unternehmen davon profitieren. So wird man gemeinsam besser. Möglicherweise ist das ein viel zu naive Sichtweise. Und vielleicht ist das, was mir wie eine Form der Beratungsresistenz vorkommt, in Wirklichkeit eine geschickt getarnte Besitzstandswahrung.

Mir ist mittlerweile klar geworden, dass ich künftig keine Energie mehr in aussichtslose Kämpfe stecken werden. Kämpfe sind es tatsächlich und eben deshalb demotivierend. Wenn denn der Status quo erhalten bleiben soll, meinetwegen. Ich für meinen Teil werde versuchen draus zu lernen, weiterhin dazulernen aber meine in dieser Richtung keine konstruktiven Vorschläge mehr unterbreiten. Vielleicht wieder in einem anderen Leben oder anderem Job.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren