Irrwege beim mobilen Schreiben

Irrwege beim mobilen Schreiben

Ehrlich gesagt schreibe ich die wenigsten Blogartikel direkt in und mit WordPress. Wenn es mal der Fall ist, dann handelt es sich eher um eine Notlösung. Ideen für Artikel entstehen bei mir in den unterschiedlichsten Situationen. Selten sitze ich am Schreibtisch und überlege mir gezielt, worüber ich denn heute schreibe.

Für mich ist es daher wichtig, ein Idee dann aufzuschreiben und mit Stichpunkten zu skizzieren, wenn ich sie habe. Der Falange Satz in diesem Zusammenhang ist „Das merke ich mir bis dahin“. Die Zeitspanne kann völlig unterschiedlich lange sein, bis zum nächsten Morgen, weil mir in der Nacht etwas eingefallen ist. Bis ich im Zig sitze, oder im Büro angekommen bin. Immer, wirklich immer hat sich die Idee bis dahin verflüchtigt. Oder, wie es meine Frau so treffen formuliert, es wurde überschrieben – weil einem wieder tausend andere Gedanken durch den Kopf gingen.

Wer schreibt, lernt daher, eine Idee dann festzuhalten, wenn sie erscheint. Ob sie wirklich brauchbar ist oder nicht, kann man hinterher immer noch entscheiden. Wegwerfen lässt sich nur aus der Situation heraus, auch etwas (am besten so gar genügen bis hin zum Überfluss) zu haben.

Zurück aber zum mobilen Schreiben und der Art, wie ich Ideen mittlerweile festhalte. Echte Notizbücher, so schön ich sie auch finde, habe ich mir abgewöhnt. Zwar kann man in ihnen spontan eine Idee festhalten, ist weder auf Strom noch auf irgendwelche Software angewiesen, aber sie passen zumindest bei mir nicht in den restlichen Workflow. Ideen in einem Notizbuch sind bei mir nicht in den restliche Schreibkontext eingebunden – was sie nur dann wären, wenn ich auch die Ausarbeitung handschriftlich machen würde. Würde ich wirklich zum Beispiel meine Artikel für den Blog vollständig handschriftlich verfassen, hätte ich die doppelte Arbeit, da ich den Text hinter abtippen müsste (Argumente, warum eine solche Entschleunigung auch sinnvoll sein kann, lasse ich an dieser Stelle unberücksichtigt).

Die Applikation meiner Wahl, wenn es darum geht etwas kurz festzuhalten, ist Drafts für iOS. Mindestens genau so schnell wie ein echtes Notizbuch habe sie (auf dem iPhone) zu Hand, tippe eine Idee oder was ganz anderes ein und entscheide dann unmittelbar, was mit dem Textschnippsel weiter passiert.

Entweder ist es etwas für die Einkaufsliste, eine Erinnerung, ein Termin oder aber eine Schreibidee, die dann in Evernote abgelegt wird. Daraus ergab sich in den letzten Monaten, dass ich zumindest die Texte für das Blog dran anschließen in Evernote weiter geschrieben habe – die Grundlagen für den Text waren ja bereits dort. Evernote ist dabei alles andere als ein ernstzunehmendes Schreibprogramm. Bei längerer Benutzung fallen einem die Momente deutlich auf, wenn Evernote entsetzlich träge wird und sich der Cursor nicht mehr weiter bewegt – wohl, weil sich im Hintergrund ein Synchronisierungsstau gebildet hat.

Evernote ist das nach wie vor mein Langzeitgedächtnis. Mit der Art und Weise der Synchronisierung bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Der automatische Abgleich ist auch leider genau der Grund, warum ich mich bisher immer noch auf einer Odyssee befinde, permanent auf der Suche nach der besten Schreibumgebung, dabei stets genau das eine Ziel vor Augen. Für umfangreiche Schreibprojekte verwende ich seit knapp fünf Jahren Scrivener, da dort Ideen, Texte und auch Recherchematerial gut aufgehoben sind. Gleichzeitig lässt in Scrivener der Plot eines Romans zumindest meiner Ansicht nach gut entwickeln.

Jedoch, für Scrivener gibt es nach wie vor keine iOS Applikation, auch wenn gerade diese Woche seitens des Entwicklers ein mögliches Erscheinungsdatum angedeutet wurde. Im Grunde warte ich seit meinem ersten eigenen iPad auf die mobile Version, deren Erscheinungstermin immer wieder verschoben wurde. Genau so lange bin ich auch der Suche nach einer Lösung, um unterwegs nicht nur Ideen zu erfassen, sondern auch an meinen Texten weiterarbeiten zu können. So charmant Drafts auch ist, zum kontinuierlichen Arbeiten an einem Projekt halte ich das Programm für nicht geeignet.

In meinem ersten NaNoWriMo-Jahr habe ich Scrivener zusammen mit Notebooks verwendet. Durch die Möglichkeit, Textdateien zu synchronisieren, war das kein Problem. Auch wenn der Workflow zuverlässig war, fehlte mir bei Noteboooks das gewisse Etwas — auch durch die Einführung einer Mac-Version bliebt dieses Gefühl bei mir vorhanden. Weitere Programme, die sich auch mit Scrivener synchronisieren ließen, folgten, Richtig zufrieden war ich nie, bis ich dann auf Editorial stieß. Ich halte es nach wie vor für ein phantastisches Programm, auch wenn es kein Gegenstück für Mac OS X gibt. Editorial ist so was wie das Schweizertaschenmesser und den Schreibwerkzeugen. Und genau das macht es für mich mitunter schwierig, denn im Grunde will ich vor allem ein, in Ruhe meine Texte schreiben. Unabhängig von Zeit und Ort, ohne das ich mir Gedanken machen muss, wie was synchronisiert wird.

Dieser Text hier entstand sowohl auf dem iPad als auch unter Mac OS X mit dem gleichen Programm. Für mich ein alter Bekannter, denn bevor ich nach Köln gezogen bin, nutzte ich in Bielefeld zum schreiben Ulysees, damals allerdings mit der mittlerweile als Legacy Version bezeichneten Ursprungsfassung des Programms. Diese Woche erschien Ulysses 2, sowohl als Mac OS X als auch als iPad-App. Eine eigenständige iOS-Version gibt es (noch) nicht. Auf dem iPad macht Ulysses eine gute Figur, das Handling gefällt mir bisher etwas besser als bei Editorial. Weniger gut finde ich die Art und Weise, wie Ulysses Dateien speichert. Im Grund liegt alles in einer Datenbank, Zugriff auf einzelnen Dateien hat man nicht. Die Synchronisation zwischen Desktop und mobiler App erfolgt via iCloud, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt.

Vermutlich morgen, wenn ich Ulysses dann seit drei Tagen im Einsatz habe, wird es Zeit für ein erstes Resümee. Wie immer das ausfallen wird, eins steht für mich fest: ich warte weiterhin auf die iOS Version von Scrivener.

One Reply to “Irrwege beim mobilen Schreiben”

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren