Was ist Glück

Was ist Glück

Es war ein völlig anderer Zusammenhang, als ich vor wenigen Tagen auf die Frage stieß, was denn eigentlich Glück sei. Vorher bereits gingen mit schon viele unterschiedliche Sachen durch den Kopf.

Ausgangspunkt war wohl, so denke ich, ein Artikel Anfang März in der Süddeutsche Zeitung über eine Studie, bei welcher der Zusammenhang zwischen Reichtum und Glück untersucht worden war. Mehr Geld, so das Fazit, mache nicht unbedingt glücklich. Es gäbe eine Schwelle von etwa 50.000 Euro Jahreseinkommen, bis zu der eine Steigerung des Einkommens Hand in Hand gehen würde mit einer Vermehrung des empfundenen Glücks. Dann, wenn alle Grundbedürfnisse befriedigt seien, führt mehr Geld nicht unbedingt auch zu mehr Glück.

Geld macht nicht glücklich,
aber es beruhigt die Nerven.

Zunehmend entkoppelt sich das Glücksempfinden von der Menge des Geldes, über die ein Mensch verfüge. In gewisser Weise ist da nachvollziehbar. Für mich ist einer der schönsten Freuden die Vorfreude. Man hat ein Ziel vor Augen, spart (Geld, Zeit oder etwas anderes) drauf hin und malt sich in den schönsten Farben den Moment aus, wenn man es endlich geschafft hat. Der Moment ist dann manchmal viel zu schnell verflogen.

Ein einfaches Beispiel. Bisher haben wir im Wohnzimmer nur eine SONOS Play:1. Seit dem wir diese Anfang Dezember gekauft haben, war meiner Frau und mir klar, dass wir gerne eine zweite für Stereo-Sound hätten. Entsprechend lange freuen wir uns darauf, uns endlich die zweite kaufen zu können.

Im Leben haben oft andere Dinge Vorrang und die Zahnarztrechnungen der letzten drei Monate waren auch nicht ohne. Anfang der Woche bekamen wir Post von unserer Vermieterin, ein Überschuss bei der Nebenkostenabrechnung. Zufällig in genau der Höhe, die wir für eine zweite SONSO Play:1 benötigen. Seit Montag planen wir schon, heute Abend in einem Elektromarkt in Köln einzukaufen. Das ist für mich Vorfreude. Hätten wir die Box einfach aus der Portokasse bezahlen können, gäbe es diese Vorfreude nicht.

Oder anders. Wenn ich mir jederzeit gute Restaurants, teure Reisen und alles andere leisten kann, wird das Besondere zum gewöhnlichen. Es langweilt und vor allem befriedigt nicht mehr.

Kommen wir wieder zurück zum Glück. Glück ist meiner Meinung nach, ganz unabhängig vom Geld etwas sehr subjektives. Für die einen besteht Glück aus der Mehrung ihres Reichtums (mit dem bereits skizzierten Nebeneffekt), für die andere ist Glück einfach ein Stück Schokoladenkuchen. Oder ein Eis in einem sehr heißen Sommer, wenn man mit den Eltern im Urlaub an der See ist.

Das was jemand als Glück ansieht, ist mit Sicherheit auch abhängig von der Kultur und Gesellschaft, in der er aufgewachsen ist und lebt. Ureinwohnern vom Stamm der Rio-Xinane haben ein ganz andere Auffassung von dem was Glück ist und was sie glücklich macht als wir. Und wir wiederum sind eigentlich kein wir, denn jeder von uns hat seine ganz persönliche Auffassung von dem, was Glück ist. Jeder wird auch auf andere Art und Weise glücklich. Gleichzeitig wird in vielen Gesellschaften ziemlich oft gelogen, wenn einem die Frage gestellt wird, ob man denn glücklich sei — möglicherweise ist es sogar fast noch einfach zu erklären, was denn Unglück ist.

Für mich hat Glück viele Gesichter. Manchmal ist es ein Sonnenstrahl morgens auf dem Weg zur Arbeit. Dann wiederum ein Stück Kuchen oder einfach nur etwas Zeit für mich zu haben, auf einem Fels zu sitzen, auf das Meer und die Wellen starren können.

Viel wichtiger als die Frage was Glück sei ist es, glücklich zu sein. In dieser Hinsicht ist es mit dem Glück wie mit der Liebe.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren