Wenn aus Spielen Ernst wird

Wenn aus Spielen Ernst wird

Die große alte Samstags-Abend Unterhaltungsshow „Wetten dass…???“ ist endgültig begraben, nach dem sei schon Jahre vorher merkwürdig gerochen hatte. Beim ZDF hinterließ das endgültige Ableben eine Lücke im Fernsehprogramm, die mit irgendwas gefüllt werden musste. Leider hatte man wirklich einfach nur irgendwas genommen. Ein Format, bei dem zwei Gruppen gegeneinander antreten und Brettspiele spielen. Das hört sich erstmal interessant an, aber beim ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender sollte man erstmal skeptisch sein. Insbesondere dann, wenn man selber leidenschaftlicher Brettspieler ist.

Die Langeweile nimmt ihren Anfang
Die Langeweile nimmt ihren Anfang

Trotz keiner vorhanden Erwartungen nahm ich es vergangen Samstag auf mich, mir die neue Sendung „Das Spiel beginnt!“ anzusehen. Nach den ersten Minuten musste ich massiv meinen natürlichen Ausschaltreflex unterdrücken, als Emma Schweiger, die 12-jährige Tochter von Til Schweiger, auf die Bühne trat. Nein, es war kein Scherz vom ZDF, Emma sollte die ganze Zeit lang an der Seite von Johannes B. Kerner durch die Show führen. Wenn man Emma so stammelte auf der Bühne erlebte, wünschte man sich wirklich Thomas Gottschalk und „Wetten dass…???“ zurück.

Viele netzaffine Zuschauer dachten ähnlich und machten ihrem Unmut via Twitter Luft:

Dennoch nahm ich es auf mich, bis zum bitteren Ende durchzuhalten — und es war wirklich bitter, aber greifen hier nicht vor. Eine Hand voll Prominente sollte gegen eine Schar Kinder antreten, das Gewinner-Team, so hieß es, bekäme seine Wünsche erfüllt. Naheliegend, dass bei so einer Konstellation der Verdacht im Raum liegt, man ließe die Kinder dann absichtlich gewinnen. Drei Stunden musste ich aushalten, in dem 11 Spiele gespielt wurden, die man zum Teil nur noch als entfernte Idee wiedererkannte. Ausgewählt hatte man nicht etwas neue Spiele, sondern Sachen, die zu Recht in Kisten auf dem Dachboden verstauben wie „Spitz pass auf“, „Vier gewinnt“, „Mikado“und „Trivial Pursuit“.

Ganz der Pappa
Ganz der Pappa

Es gibt wirklich besseres und spannenderes, ganz ehrlich. Jenseits vom „normalen“ Fernsehprogramm gibt es längst Formate, die zeigen wie unterhaltsam zum Beispiel eine Runde „Camel Up“ sein kann.

Statt immer wieder den nervigen Spruch von Kerner „und so spielt man … 2015“ hätte man direkt auf Frisches aus dem Spieleregal zurück gegriffen. Es gibt genügend neue Spiele, die sich auch schnell erklären lassen. Sowohl Kinder als  auch Erwachsene sind mit anspruchsvollerer Unterhaltung keinesfalls überfordert.

Erträglich war „Das Spiel beginnt – Die Show von 3 bis 99“ nur für Zuschauer, die aus mentalen Gründen keine Ansprüche mehr haben […]
Quelle: Spiegel Online

Wenn in anderen Länder Computerspiele wie „Star Craft“ für ein Millionen-Publikum live übertragen wird, muss man sich ernsthaft fragen, in was für einem Tal man hierzulande lebt. Argumente wie „was anderes ließe sich nicht TV kompatibel umsetzen“ sind geradezu lächerlich. Es sein denn, es wird bewusst auf Niveau-Limbo gesetzt. Die Frage nach der Zielgruppe dürfte da wohl angebracht sein. Vor allem vor dem Hintergrund einer Sendung, die bis 23 Uhr lief. Kindgerecht ist das auf keinen Fall.

Ebenso lustlos wie die Auswahl der Spiele waren die angeblichen Promis. Insbesondere Veronica Ferres wirkte so, als wenn sie überall anders gerne wäre, nur nicht bei „Das Spiel beginnt!“. Der einzige Lichtblick war dann auch der Auftritt von Nena. Weniger wegen ihres Playback-Gesangs sondern ihrer Art und Weise, locker und natürlich mit den Kindern umzugehen. Da wünschte man sich doch glatt ein Gesangsduo von Kerner und Schweiger, während Nena dann den Rest der Sendung moderiert.

Die größte, wenn man so will, Verlade, war jedoch die Art und Weise, wie das Sieger-Team gekürt wurde. Für 10 Spiele gab es jeweils Punkte in Höhe eines Würfelwurfs für das Team, welches das jeweilige Spiel für sich entscheiden konnte. Am Ende stand dann damit nicht das Team mit den meisten Punkten als Sieger fest, sondern die Punktzahl war nur die Anzahl der zur Verfügung stehenden Hütchen im 11. Spiel, „Hüpf mein Hütchen“. Ganz ehrlich, würde ich am Ende eines Spieleabends so was vorschlagen, würde man mich mit Würfeln steinigen — zu Recht. Selbst als Zuschauer fühle man sich auf den Arm genommen. Man hätte im Prinzip die ganze Zeit einsparen können wenn man gelich zum Finale übergangen wäre.

Unglücklicherweise war die Einschlatquote so passabel, dass die neue Show keine Eintagsfliege bleiben wird. Betroffen und fassungslos schau ich auf den Brief vom Beitragsservice, betreffend meine Rundfunkbeiträge.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren