Raus damit

Raus damit

Beim Lotto würde man von einer Reihe sprechen, bei mir sind es nur Zahnarzttermine. Bleiben wir in der Sprache, habe ich gestern den Jackpot geknackt. Es wird eine Exzraziehung geben, denn mindestens ein Weisheitszahn muss raus. Als Mann bin ich im Gegensatz zu meiner Frau (um hier Allgemeinplätze einzusparen) wesentlich weniger tapfer wenn es um das Thema Zähne geht. Ja, man könnte mir sogar eine gewisse Wehleidigkeit vorwerfen. Dazu stehe ich allerdings. Prophylaktisch Jammern ist besser als später in Ohnmacht zu fallen, weil man sein eigenes Heldentum überschätzt hat. Wo wir gerade beim Thema Prophylaxe sind — die Tortur, der ich mich gerade unterziehe, ist meiner Meinung nach ungerecht. Ich putze mir mindestens zweimal am Tag die Zähne, vier Minuten lang. Verwende Mundwasser und Zahnseide und trotzdem sind ein paar der Zähne von Karies befallen.  Wobei, vielleicht sollte ich das ganz nüchtern sehen. Es gibt genügend Fußgänger, die bei Grün über die Ampel gehen und trotzdem vom Auto überfahren werden. Insofern ist die Bohrerei weniger dramatisch. Allerdings betrifft sie mich und das bedeutet Stress.

Zahnarzt ist für mich eine Quälerei. Der Spruch meiner Zahnärztin am Anfang des Jahres „Wir sehen uns ja jetzt öfter“ raubt mir schon einige Stunden Schlaf. Wenn ich dann an den Termin beim Kieferchirurgen denke, sammelt sich bereits jetzt der Angstschweiß. Etwas Mut schöpfe ich noch aus dem Gespräch mit Daniel beim letzten Ironblogger-Treffen. Sich sedieren zu lassen, ist eine verdammt gute Idee. Bevor überhaupt irgendwas gezogen wird, lasse ich mich ausführlich beraten. Zudem werde ich umfangreiche Vorbereitungen für den Tag X treffen.

Einen iPod Shuffel kaufen, Playliste dafür erstellen. Hipp-Gläser für die Tage danach kaufen und vor allem genügen Taschentücher zum vollheulen zu Hause haben. Nein, es wird nicht so schlimm. Es wird viel schlimmer. Ein Strohalm der Hoffnung wäre für mich ein Tipp, welcher Kieferchirurg empfehlenswert ist. Vielleicht kann mir Daniel auch seinen empfehlen.

Um jetzt auch bei denen, die bis hier hin fleißig geschmunzelt habe, etwas Verständnis zu wecken, erkläre ich mal kurz, was die besondere Herausforderung bei meinem Weisheitszahn ist. Man stelle sich ein I als normal gewachsenen Zahn vor. Dann wäre mein Zahn das obere Teil eines C welches gegen den darauf folgenden Zahn drückt. Also ein cI — im Röntgenbild sieht das noch furchtbarer aus.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren