Ironblogger und Schreibblockaden

Ironblogger und Schreibblockaden

Gestern Abend trafen sich zum ersten Mal im neuen Jahr die Ironblogger Köln in der Schreckenskammer. Den Namen der Kölsch-Kneipe muss man in Bezug aufs bloggen mit einer gewissen Ironie sehen. Nicht wenige der Ironblogger aus der Gegend bekommen regelmäßig einen Schrecken, wenn sie sonntags abends in ihrer Kammer sitzen und feststellen, dass sie in den letzten Tagen keinen einzigen Beitrag geschrieben haben. Ihr Beitrag ist dann in der Schreckenskammer immer finanzieller Natur — zur Freude der Wenigen regelmäßig Schreibenden.

Mittlerweile hat die eigentlich freiwillige Verpflichtung, mindestens einmal die Woche zu schreiben so viele Blogger abgeschreckt, dass die Liste der Ausgeschiedenen gruselig lang geworden ist. Die Treffen finden daher in einer überschaubaren Runde, in quasi familiärer Atmosphäre statt. Frisches Blut wäre nicht verkehrt, wurde gestern unisono festgestellt — vielleicht von mir auch deshalb, weil es sonst bald keinen mehr gibt, der mein Bier bezahlt. Aber mal Scherz beiseite. Regelmäßiges schreiben scheint doch schwerer zu sein, als angenommen.

Der am häufigsten genannte Grund für die „Nichterfüllung der Pflicht“ ist Zeitmangel. Erst mit Abstand kommen fehlende Ideen und anders. Das Schlusslicht der Ausreden schließlich bildet die „Durchführung eines WordPress-Backups“. Wir alle wissen ja, das so was schon mal gut und gerne eine Woche dauern kann. Bleiben wir beim Zeitmangel und weiteren, mehr oder weniger diffusen Begründungen. Ehrlich gesagt kommt mir die alle ziemlich bekannt vor. Man muss lediglich „bloggen“ durch „schreiben“ ersetzen und statt „Blog“ den Begriff „Roman“ verwenden.

Deutlich mehr Menschen als es überhaupt Blogger gibt tragen mit sich den Gedanken herum, ein Buch zu schreiben. Viel von ihnen werden bis zu ihrem Lebensende den Traum, Autor zu werden, hegen — ohne das sie jemals ein Manuskript zu Ende bringen. Manche erzählen gerne anderen von ihren Ambitionen, ergänzen dann aber im nächsten Halbsatz, warum es bisher noch nicht geklappt hat mit dem Schreiben. Lebensumstände und Zeitmangel hört man auch hier auffällig häufig.

Bis zu meinem ersten NaNoWriMo ging es mir genau so. Irgendwas war immer und hielt als brauchbare Ausrede her. Gleichzeitig versucht man, statt kleiner Schritte immer sofort den großen Wurf — und scheitert, wie ein ungeübter Bergsteiger lange vor dem Gipfelkreuz.

Beim NaNoWriMo geht es darum, im Durchschnitt 1.670 Wörter pro Tag zu schreiben. Das sind pro Woche 11.690 Wörter. Ein meiner Meinung nach solider Blogbeitrag hat rund 400 Wörter. Um als Ironblogger zu bestehen, muss man pro Woche also nur 1/29 von dem schaffen, was sich rund um die Welt im November viele tausend Menschen freiwillig antun.

Pro Tag wäre das 57 Wörter. Zum Vergleich: der oben stehende (grün hervorgehobene) Absatz hat 58 Wörter.

Durch das Schreiben sind mir ein paar der Fallstricke bewusst geworden. Gegen Schreibblockaden gibt es zahlreiche Tipps und auch zum Thema Zeit zum schreiben finden wurde schon viel veröffentlicht. Meiner Meinung nach lässt sich das so auch auf das Bloggen übertragen. Zeit zum schreiben findet sich, wenn man sich hinsetzt und mal bewusst aufschreibt, was man die ganze Woche über neben arbeiten eigentlich alles so macht. Es ist wirklich erstaunlich, wo sich überall die kleinen Zeitfresserchen verstecken.

Da das bisher alles ziemlich theoretisch war, kam mir heute morgen eine Idee. Über Ostern werden ich darüber nachdenken, ob ich nicht zum WordCamp Köln im Sommer eine Session zum Thema „Hilfe, ich habe einen Blog!“ anbieten werden. Inhaltlich sollte es da, völlig frei von technischen Ballast, um das gehen, was einen Blog wirklich am Leben hält: die Inhalte und wie man sie schreibt. Im Übrigen war das auch mal eine Frage, die mich ganz am Anfang meines Blogs, beschäftigt hat.

5 Replies to “Ironblogger und Schreibblockaden”

    1. Warum darüber nachdenken? Weil das WordCamp ein etwas untypisches Barcamp ist. Vorträge müssen bis zum 31. März angemeldet sein und die fertige Präsentation muss bis zum 30. April vorliegen. Ähm, so kenne ich das eigentlich nicht von Barcamps. Ich dachte immer, Sessions werden spontan vorgestellt auf dem Barcamp.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren