Tatort vor die Wand gefahren

Tatort vor die Wand gefahren

Mit ziemlicher Verspätung landen Filme, die es mal im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm gab, bei meiner Frau und mir auf der Mattscheibe (eigentlich ein mittlerweile unsinniger Begriff im Zeitalter vom LCD-Bildschirmen). Am vergangenen Wochenende gab es bei uns „Die Wand“, eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Marlen Haushofer.

In „Die Wand“ geht es um eine Frau Anfang 40, die mit  Verwandten in eine Jagdhütte ins Gebirge. Während ihre Cousine mit ihm Mann noch mal ins weiter unten gelegen Dorf wollen, bleibt sie zurück. Erst am nächsten Morgen stellt sie fest, dass sie noch immer alleine ist und die beiden am Abend gar nicht zurückgekehrt sind. Als sie sich auf den Weg isn Dorf begibt, stößt sie an eine unsichtbare Grenze. Um das Berg-Areal herum existiert eine unsichtbare Wand, die sie von der Außenwelt abschirmt. Diese Außenwelt, ist eingefroren. Menschen hinter der Wand wirken wie versteinert. Mehrere Jahre versucht die Frau in den engen grenzen, die ihr geblieben sind, zu überleben. Einzig eine Hand voll Tiere stehen ihr zur Seite.

Der Film erzählt im ruhigen Ton die Handlung, getragen von einem philosophischen Grundton und der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Martina Gedeck. Man muss die Stille, die der Film heraufbeschwört, auch als Zuschauer aushalten . Zudem offen sein für die Fragen, die „Die Wand“ aufwirft. Nicht jeder wird mit dem offenen Ende zufrieden sein.

Wir saßen jedenfalls nach dem Film noch lange diskutierenden auf dem Sofa.

Gestern setzten wird unsere Reihe „Filmvorräte aufbrauchen“ fort. Mit einem Tatort, der vor etwas über einem Jahr ausgestrahlt wurde. „Todesspiel“ spielt genau so wie „Château Mort“ in Konstanz, mit den Ermitteltem Blum / Perlmann. Während ich „Château Mort“ für einen gelungenen Krimi halte, verging mir schon in der Anfangsszene von „Todesspiel“ die Lust, den Tatort weiter zu schauen. Klischee reihte sich an Klischee. Im Gegensatz zu meiner Frau hatte ich wenig Hoffnung, dass sich dies noch im weiteren Verlauf der Handlung ändern wurde, denn mir stach der Name des Drehbuchautors ins Auge. Bei Leo P. Ard hatte ich meine berechtigten Zweifel.

Nach dem ersten Drittel hielten wir den Film an, löschten ihn von der Platte und beschlossen, mit dem Rest des Abends noch etwas besseres anzufangen. Der Tatort verliert nicht nur im Vergleich zum letzten Film, „Die Wand“, den wir sahen, sondern auch insgesamt. Mich überrascht, wie vorhersehbar ein Autor die Handlung vor die Wand fahren kann. Selbst die beiden Hauptdarsteller schafften es nicht, den Krimi zu retten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren