Tanz mit den Lücken

Tanz mit den Lücken

Die heute beginnende Karnevalsasion (aus Laien-Sicht heute, für den echten Kölner beginnt die fünfte Jahreszeit selbstverständlich am 11.11. und) ist für die Einen Anlass zum feiern, die anderen, zu denen ich gehöre, verstecken sich lieber in ihrer Wohnung bei heruntergelassenen Jalousien.

Egal ob man jeck oder lieb weg ist, gibt es etwas, über das jeder von uns nachdenken sollte. In der heutigen Ausgabe der Süddeutsche Zeitung wurde über bedenkliche viele Fälle von Masern in Berlin berichtet. Ursache dafür soll, so die SZ, die hohe Anzahl an Asylsuchenden aus dem Balkan sein, die keine Impfschutz aufwiesen. Ehrlich gesagt finde ich das etwas unglücklich formuliert. Zumal die Impflücken durch die Kriegswirren in den Jahren zwischen 1992 und 1995 zurückzuführen seien.

Meine Impfpässe
Meine Impfpässe

Unabhängig vom aktuellen Fall entwickelt sich so etwas wie eine Impfmüdigkeit auf der einen und einer regelrechten Aversion gegenüber Impfungen auf der anderen Seite. So sollen Eltern tatsächlich statt ihre Kinder zu impfen diese auf so genannte „Masern-Partys“, um die Kinder durch den gewollt herbeigeführten Ausbruch der Krankheit zu immunisieren. Ein solches Verhalten lgrenzt mindestens an Körperverletzung und ist mit erheblichen Risiko von Spätfolgen für die Kinder verbunden.

Während „Masern-Partys“ mutwillig veranstaltet werden, entwickelt sich auf der anderen Seite eine Impflücke durch mangelndes Bewusstsein für die Notwendigkeit von Auffrischungen. An dieser Stelle muss ich mir selber an die Nase packen. Neben mir auf dem Schreibtisch liegen zwei Impfpässe, einer davon stammt noch aus meiner Kindheit. Die liegen hier nicht erst seit dem ich den Artikel in der SZ gelesen habe, sondern schon ein paar Wochen länger. Anlass dafür war mein Hausarzt, der mich auf das Thema Impfungen ansprach — zudem hängen in seinem Wartezimmer eindeutige Plakate.

Die letzte Auffrischung gegen Tetanus erhielt ich am 27.09.2001, im selben Jahr wurde ich auch gegen Hepatitis A und B geimpft. Mehr gibt der neue Impfpass nicht her. Die letzte Impfung im alten Impfpass (der besteht noch aus wasserabweisendem Papier!) erfolgte im Juli 1993 gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis / Hirnhautentzündung). Im Feld „Bescheinigung über gesetzliche Pockenschutz-Wiederimpfung“ findet sich kein Eintrag.

Die ganze Latte Impfungen gegen TBC, Diphtherie, Wundstarkrampf, Keuchhusten und Polio erfolgte während meiner Kindheit. Unschwer erkenne ich an den Einträgen, dass ich zeitnah und ohne weitere Aufschübe zum Hausarzt gehen sollte, um über Auffrischungen zu sprechen. „Es wird schon nichts passieren“ ist nämlich der denkbar dümmste Satz in Bezug auf den Impfschutz.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet auf der Webseite impfen-info.de Informationen zum Thema, gerade auch was Empfehlungen für Erwachsene angeht. Demnach sollte ich auf jeden Fall die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie auffrischen lassen (alle 10 Jahre). Der Rest muss dann mit dem Arzt noch mal abgeklärt werden. Was die Impfung gegen Grippe angeht, bin ich zudem unsicher.

Im Übrigen: wer sich nicht impfen lässt, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren