Erkunde hat Grenzen

Erkunde hat Grenzen

Sich über jemanden lustig zu machen, der sich Richtung untergeht, ist nicht nur recht einfach, sondern auch ziemlich billig. Wobei zumindest ich für meinen Teil PEGIDA und deren Ablegern keine Träne nachweinen werde. Mitleid ist auch bei der „Direkte Demokratie für Europa“ (DDfE), jener neuen Bewegung (verwendet man eigentlich den historisch nicht unbelasteten Begriff absichtlich oder aus Unkenntnis?) der ehemaligen PEGIDA-Frontfrau Kathrin Oertel, nicht angebracht.

3,w=650,c=0.bild

Vor allem bietet sich bei der DDfE Häme geradezu an. Auf einem jüngst vorgestellten Logo war Deutschland auf einer Europakarte grau hervorgehoben. Mehr oder weniger ganz auffällig fehlte Schleswig Holstein. Rügen hatte man auch gleich unterschlagen. Auf der gesamten Karte fehlten dann auch noch mehre Inseln und Staaten, wie die Süddeutsche Zeitung feststellte. An sich kann man ja eigentlich schon froh sein, dass Deutschland nicht in den Grenzen von 1942 angedeutet wurde.

Die Frage an der Stelle ist weniger, wie so was passieren konnte, sondern wem das denn alles aufgefallen ist oder aufgefallen wäre. Von mir weiss ich, dass Erdkunde damals in der Schule nicht zum meinen Traum-Fächern gehörte. Ebenfalls kenne ich die lustigen Experimente von Fernsehsendern, die Jugendliche bitten, auf einer Blanko-Deutschlandkarte mit einem Pin Berlin die Lage von Berlin zu markieren. Den Schwierigkeitsgrad kann man dann noch steigern, wenn man nur die Umrisse von Europa nimmt. So einfach ist das nämlich gar nicht mit Erdkunde. Manche Lehrkräfte sind schon froh, wenn die Schülerinnen und Schüler wissen, das es Atlanten gibt aber keine Atlasse. Was Geographie angeht, haben vermutlich noch viele andere Menschen in unserem Land erheblichen Nachholbedarf.

Gut, im Prinzip hätte das mit dem Logo so nicht passieren dürfen. Vielleicht wurde auch nur die falschen Leute gefragt — wobei, wer in dieser komischen „Bewegung“ der Richtige ist, wäre noch ein ganz anderes Thema. Sympathisch angesichts solcher Fehler wird mir DDfE genau so wenig wie PEGIDA. Immerhin, in Bezug auf PR hat man etwas verstanden. DDfE-Logo wäre mit korrekter Grenzziehung nicht so weit verbreitet worden.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren