Vorsicht, Feind hört mit!

Vorsicht, Feind hört mit!

In Deutschland wurde zur Zeit des Nationalsozialimus, genauer gesagt zwischen 1939 und 1945 vor all zu großer Redseligkeit gewarnt. „Feind hört mit!“ hieß es. Als Sender von Informationen sollte man sich damals bewusst machen, wer alles mithört und entsprechend vorsichtig sein. Dabei waren die Nazis nicht die Einzigen, die Angst vor Spionage hatte, denn, so ist bei Wikipedia zu lesen, auch in anderen Ländern gab es vergleichbare Kampagnen.

Was das Schild „Vorsicht bei Gesprächen! Feind hört mit!“ angeht, bin ich mir allerdings nicht sicher, ob es sich dabei nicht um eine Fälschung handelt. Irgendwo mein ich mal darüber etwas gelesen zu haben.

Wie dem auch sei, keine Fälschung ist die Meldung, dass ein Empfänger von Informationen zu einem Horchposten wird. Smart-TVs von Samsung, die auf Stimmeingabe reagieren, können private Gespräche aufzeichnen. Das behauptet nicht irgendein Paranoiker, sondern es ist der Hersteller selber, der davor warnt.

Ziemlich deutlich kann man folgendes in den Nutzungsbedingungen zum Gerät folgendes lesen:

In addition, Samsung may collect and your device may capture voice commands and associated texts so that we can provide you with Voice Recognition features and evaluate and improve the features. Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party through your use of Voice Recognition.

In der Regel liest natürlich sowas niemand. Erst wenn jemand anderes die Katze aus dem Sack lässt, ist die Aufregung plötzlich groß. Wobei mindestens die Hälfte der Aufregung der Peinlichkeit, selber nicht darauf gekommen zu sein, geschuldet ist.

Man kann, was das Mithören angeht, unterschiedliche Standpunkte einnehmen. Bestimmte technische Feature funktionieren selbstverständlich nur, wenn Daten gesammelt und verbreitet werden. Genau so verhält es sich bei der Sprachsteuerung, für die Samsung auf einen Drittanbieter zurück greift. Ähnlich arbeiten Echo / Alexa von amazon und auch die Xbox one. Viel Lärm um nichts? das ist nur die eine Sichtweise.

Die andere ist die, dass immer mehr Gerät im Alltag auftauchen, die uns untergejubelt werden wie ein trojanisches Pferd. Was zunächst sogar nützlich aussieht, dient in Wahrheit einem ganz anderen Zweck. Das muss man wirklich nicht gut finden, man hat sogar das Recht, sich darüber aufzuregen.

Die Beschwichtigungsversuche, es sei alles völlig harmlos, gar vorbildlich gelöst und umgesetzt, sind nett gemeint. Möglicherweise ist es derzeit wirklich auch eher unbedenklich. Allerdings ist das Lauschen im Wohnzimmer, aus welchen Gründen auch immer, eine Grenzüberschreitung. Keine mit riesigen Schritten, sondern nur um ein paar Zentimeter.

Beim nächsten Mal geht es dann wieder ein paar Zentimeter weiter und so fort. Wir merken gar nicht, wie um uns herum das Wasser immer wärmer wird. Dabei sind wir dümmer als der berühmte Frosch, denn der würde in Wirklichkeit aus dem Topf springen, statt sich langsam weich kochen zu lassen.

2 Replies to “Vorsicht, Feind hört mit!”

  1. „Wir merken gar nicht, wie um uns herum das Wasser immer wärmer wird. Dabei sind wir dümmer als der berühmte Frosch, denn der würde in Wirklichkeit aus dem Topf springen, statt sich langsam weich kochen zu lassen.“

    Wer ist denn „wir“? Pluralis Majestatis, nehme ich mal an. Alles andere wäre nämlich (viel zu billige!) Anmaßung.
    Henning

    1. Es ist das „wir“ des linken Weltverbessereers, der in Sackleinen herumläuft und sich selbstkasteiend mit einem „wir“ immer mit einschließt ;-)

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren