Neues vom Prügel-Papst

Neues vom Prügel-Papst

Derzeit ist die Formel „Irgendetwas gehört zu X“ ziemlich beliebt in Politik in Gesellschaft. So heisst es, „Der Islam gehört zu Deutschland“ genauso wie „Rechts zu sein gehört zur Demokratie“. Oder eben „Prügeln gehört zur Erziehung“. Wobei letzteres der derzeitige Papst nicht so genau gesagt hat. Je nach dem, welcher Übersetzung seiner Worte man Glauben (eigentlich passend beim Thema Religion und Kirche) schenkt, heisst es, er habe bei der Generalaudienz am Mittwoch folgende Anekdote erzählt:

Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘.“

„Wie schön!“, erklärte Franziskus. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“
Quelle: Zeit.de

Prügel, so die Auslegung, soll beim Wachsen und Reifen helfen. Selbstverständlich nur, wenn in Würde geprügelt wird. Fragt sich allerdings, um wessen Würde es geht. Um die des Kindes wohl kaum. Vermutlich reicht es der Auslegung folgend, wenn man im Rahmen der Prügel den herzzerreißenden Satz „Das tut mir doch auch weh, wenn ich dich schlage“ verwendet.

Bei Facebock brachte ein Kommentar es treffend auf den Punkt:

Es gibt nur Schlagen oder Nichtschlagen. Auch ein würdevolles Schlagen ist für Kinder verletzend und entwürdigend. Das benötigt keiner weiteren Differenzierung.
ah

Genau so sehe ich das auch. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gilt uneingeschränkt. Wer als Vater oder Mutter prügelt, bringt seine eigene Hilflosigkeit zum Ausdruck. Prügel als „Ultima Ratio“, wenn alles andere versagt hat. Oder auch, weil man auf das zurück greift, was man aus der eigenen Kindheit kennt. Die Begleitmusik dazu ist dann oft „das hat uns damals auch nicht geschadet“. Gerne auch in Kombination mit „die Jugend von heute, der tätet mal so ein anständiger Klaps gut“.

Es ist beschämend, wenn Menschen, Eltern solche Ansichten haben. Es ist entsetzlich, wenn der Papst so eine Überzeugung nach außen trägt (obwohl, zumindest weiss man jetzt hinter all der Freundlichkeit, woran man ist). Insbesondere die katholische Kirche in die von ihnen geleitet Heime und Schulen blicken auf eine lange Tradition zurück, wenn es um die Prügelstrafe geht. Von Papst Franziskus haben die meisten von uns wohl mehr, insbesondere eine reflektierte Sichtweise erwartet. Seine Sichtweise zeigt aber genau, welche Gewaltspirale durch Prügel in Gang gesetzt wird. Erlebte Gewalt traumatisiert. Kinder die Gewalt als Lösungsweg erfahren, greifen unter Umständen selber zu Gewalt als Option, um Konflikte zu lösen. Rückblickend erklärt man die Prügel, welche man einstecken muss, für im Grunde harmlos.

Kinder haben ein Anrecht darauf, gewaltfrei erzogen zu werden. Davon gibt es keine Ausnahme. Selbst das Oberhaupt der katholischen Kirche muss das akzeptieren.

2 Replies to “Neues vom Prügel-Papst”

  1. „Kinder haben ein Anrecht darauf, gewaltfrei erzogen zu werden. Davon gibt es keine Ausnahme.“

    Gilt das auch für seelische, verbale und geistige Gewalt: „ich habe dich nicht mehr lieb“, „dein Vater liebt dich nicht mehr, deswegen ist er weg“, „du kleiner Trottel“, „wenn du das nicht machst werde ich traurig“ etc. oder nur für die körperliche?

    Zum Papst: das was er tut und sagt muss den Katholiken schmecken, er ist deren Anführer. Wem der Papst nicht gefällt ist in der heutigen Zeit frei auszutreten. Verstehe das Problem nicht.

    1. Ja, das sollte auch für seelische, verbale und geistige Gewalt gelten. Damit kann man nämlich auch grausames anrichten.

      Und zum Papst sage ich ganz gerne: Gott sei Dank bin ich evangelisch.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren