Mind the gap

Mind the gap

Ein Hauch von London wehte mir Anfang der Woche um die Ohren. Der ICE hielt in Essen, kurz bevor die Türe auf gingen, tönte „Mind the gap“ aus den Lautsprechern. Ich hielt es für ein Versehen. War es aber wohl nicht, denn anscheinend hat die Bahn ihre Informationspolitik geändert. Sensibilisiert für die Durchsage habe ich jetzt mehrmals genau hingehört. Tatsächlich gibt es eine neue, zweisprachige Durchsage bei der Bahn, zumindest im ICE:

Bitte achten Sie beim Aussteigen auf die Lücke zwischen Zug und Bahnsteig. Please mind the gap.

Beim Aussteigen — bisher hatte ich mir da nie Gedanken zu gemacht — auch ich jetzt genauer hin. Tatsächlich, es gibt da eine Lücke, selbst wenn der Zug sauber „geparkt“ wurde. Um da reinzufallen, müsste ich mir zumindest etwas Mühe geben. Aber ich bin da kein Maßstab, denn es gibt ja auch in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, die mit dem Zug unterwegs sein sollen. Oder Menschen, die aus Altersgründen nicht mehr so ganz sicher auf den Beinen sind.

Vermutlich aber gibt es die Durchsage hauptsächlich für eine ganz andere Zielgruppe. Das ewig gestresste mittlere Management von diversen Unternehmen, welches selbst beim Aussteigen aus dem Zug noch mit dem Mobiltelefon telefoniert. Gerade wenn man etwas erregt ist, weil man einen Mitarbeiter zur Sau macht, kann man schon mal in eine Lücke fallen.

Durch die Durchsagen werden die restlichen Reisenden aber um ihre Schadenfreude gebracht, denn bei unsympathischen Mitmenschen ist meistens die spontane Reaktion: Das hat der jetzt aber verdient.

Wie auch immer, wirklich auflösen konnte ich leider nicht, warum es dieses Durchsagen bei der Bahn seit Anfang des Jahres gibt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren