Getretener Quark

Getretener Quark

Aus der Zeit, als ich noch für die Fachschaft Primarstufe in diversen Gremien saß, ist mir noch ein Spruch in Ernennung geblieben. Ein Professor für Chemie, schon recht nah an der Pensionsgrenzen, pflegte bei Dinge, die er für Unfug hielt, immer folgendes zu sagen:

Quark wird getreten auch nicht stark.

Genau dieser Spruch ging mir wieder durch den Kopf, als ich nach den Weihnachtstagen las, was SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi vorschlug. Angesichts der immer weiter absinkenden Wahlbeteiligung in Deutschland wäre es angebracht, künftig die Wahllokale wochenlang zu öffnen, damit wieder mehr Menschen wählen gehen. In Ländern wie Schweden würde es so was auch geben. Gleichzeitig solle auch die Möglichkeit bestehen, an anderen Orten als im Wahllokal wählen können, zum Beispiel in Bahnhöfen oder Bibliotheken.

Aus mehren Gründen halte ich diesen Vorschlag für Unfug. Bereits jetzt ist niemand, der wählen möchte, genau auf diesen einen Tag festgelegt. Es gibt die Möglichkeit der Briefwahl (bequemer geht es wohl kaum) und die Option der Direktwahl in Rathäusern und Bürgerämtern, lange vor dem offiziellen Wahltermin.

Bei einer Ausweitung des Wahltermins stellt sich mir zudem die Frage, welche Funktion künftig dann noch die ehrenamtlichen Wahlvorstände erfüllen können und sollen. Nur die wenigsten werden ehrenamtlich unter der Woche Zeit haben, sich neben die Urne zu setzen. Wahlvorstände sind auch ein Granat für die Öffentlichkeit einer Wahl. Meiner Meinung nach ist aber gerade diese Öffentlichkeit etwas, was bei der Durchführung einer Wahl gestärkt statt geschwächt werden sollte. Ginge die Wahl über Woche, wäre sie ein Verwaltungsakt.

Wenn Politikverdrossenheit zu Wahlmüdigkeit führt, dann hilft hier auch keine längere Öffnungszeit bei den Wahllokalen. Man muss sich grundsätzlich Gedanken machen, wie man die Menschen im Land wieder erreicht und einbindet. Das aber ist deutlich unbequemer als solch einen Vorschlag zu unterbreiten. Man muss sich nämlich, auch als Partei, fragen, was man selber falsch gemacht hat.

Vereinfacht auf den Punkt gebracht: Wenn jemand keinen Fisch mag, wir er auch keinen kaufen, wenn dieser besonders günstig ist. Eine wochenlange Wahlperiode zu fordern, ist vor allen Dingen phantasielos.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren