Letzte Weihnachten, Szene VII

Letzte Weihnachten, Szene VII

Sie saßen zu zweit am Küchentisch, immer noch. Längst wollte Lars schon wieder zu Hause sein, doch die Begeisterung von Frau M. über ihren neuen Begleiter hielt ihn zurück. Den angebotenen Likör konnte er aus Höflichkeit nicht zurückweisen. Immer wieder betonte M., wie ähnlich doch der neue Hund ihrem verstorbenen sah.

Lars war sich sicher, eine gute Entscheidung getroffen zu haben. Auch der Hund schien sich wohl zu fühlen. Als Lars im Begriff war endlich aufzustehen, hielt ihn Frau M. zurück.

„Meine Erno werde ich wohl nicht mehr beerdigen können.“
Lars antwortet nicht.

„Heute morgen bekam ich einen Anruf aus der Tierarztpraxis. Es sei eingebrochen worden. Stellen sie sich mal vor, ausgerechnet meinen toten Erno haben sie geklaut. Wer tut den so was?“

„Solche Menschen soll es geben.“ Viel mehr viel Lars nicht ein, obwohl er genau wusste, wer solche Menschen waren.

Höflich verabschiedete er sich von Frau M und lief die Strecke zurück zum Wagen. Unbeschadet wartet das Auto auf ihn. Wenn er die Mietgebühren abzog, blieb von dem Auftrag wenig über. Dafür hatte er einen Menschen glücklich gemacht, wenn auch zwei andere sehr traurig sein würden.

Mit der Hoffnung auf einen wirklich lukrativen Kunden fuhr Lars zurück in die Innenstadt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren