Die Illusion von sicheren Lebensmitteln

Die Illusion von sicheren Lebensmitteln

Weihnachten ist auch jene Zeit, in der große Geschenke unter Weihnachtsbaum liegen, bei deren Auspacken sich die Packung größer als der Inhalt erweist. Viel Luft für den guten Eindruck. In der Politik spricht man bei sowas von inhaltsleeren Versprechungen. Ganz soweit ist es bei einer Beschluss des SPD-Parteivorstandes zum Thema Lebensmittel nicht. Allerdings muss ernsthaft gefragt werden, ob überhaupt eine ernstzunehmende Absicht hinter der Forderung „Sichere Lebensmittel dürfen keine Frage des Geldbeutels sein“ steckt.

Quelle: SPD / Facebook
Quelle: SPD / Facebook

Es klingt nach Effekthascherei, wenn folgendes gefordert wird:

Gesunde Lebensmittel müssen für alle Menschen in unserem Land verfügbar und auch erschwinglich sein. Diese Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit gesunder Lebensmittel ist ein soziales Grundrecht!

Kein Recht auf Billig

Warum Effekthascherei? Weil das Thema Lebensmittel erheblich komplexer und vielschichtiger ist. Vor allem wenn es um Lebensmittelpreise und die Ausgaben von Privathaushalten für Nahrungsmittel betrachte. Im europäischen Vergleich verhält es sich nämlich so, dass in Deutschland unterdurchschnittlich wenig Geld für Lebensmittel ausgegeben wird. Essen hat hierzulande weniger mit Genuss als mit Muss zu tun. Man isst, weil es eben sein muss. Nahrung erfüllt eine Funktion, eine nüchterne Betrachtung. Die Ausgaben für Lebensmittel haben sich in Deutschland zudem inflationsbereinigt gesunken. Wäre der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel am Gesamteinkommen im Vergleich zu etwa den 1950er Jahren gleich geblieben, würden wir heute die fünffache Menge von dem essen, was früher auf den Tisch kam.

Lebensmittel sind also in Deutschland günstiger denn je, bei gleichzeitiger Zunahme der Verfügbarkeit und des Angebotes. Anders gesagt, wir leben in einer Überflussgesellschaft. Gerade bei Fleisch ist das deutlich zu spüren. Es viel und zu billig angeboten und teilweise zu Bedingungen „produziert“, die jeglichen Respekt vor den Lebewesen vermissen lassen. Immer noch scheint es so, als würde viel Wert auf ein Grundrecht auf billige Lebensmittel gelegt — das es so nicht geben sollte. Industrielle Massentierhaltung zieht, wie die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, immer wieder Skandale hinter sich her. Letztendlich auch eine Folge der Preisentwicklung. Konsumenten sind hier Opfer und Ursache in einem.

Mit dem Essen spielt man nicht

Erschwinglich sind Lebensmittel also bereits jetzt, die Frage danach, ob diese auch gesund sind, hat sich bereist von alleine beantwortet. Erschwinglich schließt derzeit in den meisten Fällen gesund aus — oder ist es nur eine Frage der Gewichtung und des falschen Konsumverhaltens? So wird es zumindest von einigen Befürwortung ökologisch produzierter Nahrungsmittel behauptet. Die SPD will unbedenkliche Lebensmittel, die gleichzeitig erschwinglich sein sollen, spricht aber davon dass „Tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier wertvolle Lebensmittel“ seien. Das passt nicht zusammen. Wasch mich, mach mich aber nicht nass, fällt mir dazu ein. Forderungen nach sicheren Lebensmittel kann man nur stellen, wenn man auch bereits ist, auf eine Bewusstseinsänderung bei den Verbrauchern einzuwirken. Und genau das vermisse ich beim Beschluss des SPD-Parteivorstands. Der schwarze Peter wird ausschließlich den Herstellern und Händlern zugeteilt. Vielleicht auch wohlwissend, wie unbeliebt man sich mit einer Forderung wie dem „Veggieday“ macht.

Genau das ist aber der springende Punkt. Erschwingliche und sichere Lebensmittel haben ihren Preis. Entweder subventioniert man die Lebensmittel (was bereits jetzt im geringen Umfang durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz passiert) oder aber man sorgt für einen gesamtgesellschaftlichen Wandel. Die skizzierten Einzelmaßnahmen sind dabei eben nur Einzelmaßnahmen, die allenfalls zu einem temporären Erfolg führen würden. Faire Preise wird es nur geben, wenn man auf allen Seiten fair miteinander umgeht — was auch die Tiere mit einschließt. Je früher wir uns von unserem täglichen Stück Fleisch dabei verabschieden, desto besser wäre das.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren