Die geheime Zutat

Die geheime Zutat

Bestimmte Gerichte, vor denen man früher schreiend davon gelaufen ist, entwickeln sich später im Erwachsenenalter zu waren Lieblingsgerichten. Zumindest mir geht das so. Allein der Gedanke an Erbsensuppe hatte beim mir als Kind Brechreiz ausgelöst. Über Stunden Gekochtes, mit einer Brei-ähnlichen Konsistenz und einem Geschmack, der mit frischen Erbsen nicht das Geringste zu tun hat. Damals war ich fest davon überzeugt, Erbsensuppe wäre erfunden worden, um damit Kinder zu quälen. Auf die Idee, ich würde das Gericht später mal gerne und freiwillig essen, wäre ich nie gekommen. Aber genau so ist das mittlerweile. Erbsensuppe gehört, wie viele Eintöpfe, zu den Gerichten, die ich ziemlich mag. Allerdings mit leichter Einschränkung, denn Erbsensuppe ist wie viel Hausmannskost Vertrauenssache. Am meisten traue ich mir selber, daher bin auch ich es, der sieben Tage die Woche zu Hause kocht — aber das nur am Rande.

erbsensuppe photo
Photo by tacker

Banal und einfach, zwei Adjektive, die in Bezug auf Hausmannskost in der Regel fehl am Platz sind. Denn auch wenn Hausmannskost mit wenigen Zutaten auskommt und einfach aussieht sind viele Gerichte mitunter das genaue Gegenteil. Überlieferte Zubereitungen und kleine Kniffe, die sich in den wenigsten Rezepten und Kochbüchern finden, sind essentiell für eine gelungene Zubereitung. Wer sich selber mal an eine Mehlschwitze oder Hefeteig gewagt hat, weiss was ich meine. Bei der einleitenden erwähnten Erbsensuppe ist es auch ein kleiner Kniff, eine Art geheime Zutat, die für das Gelingen enorm wichtig.

Nehmen wir zur Verdeutlichung ein handelsübliches Rezept für

Erbsensuppe

Zutaten

100 g durchwachsener Speck
2 Zwiebeln
1 Bund Suppengrün, (500 g)
500 g geschälte, getrocknete grüne Erbsen
2 El Öl
Salz
3 Lorbeerblätter
Pfeffer
1 Tl getrockneter Oregano

Zubereitung

Speck und Zwiebeln würfeln. Suppengrün putzen und 1⁄2 cm groß würfeln. Erbsen in ein Sieb geben und mit kaltem Wasser abspülen.

Öl in einem großen Topf erhitzen und den Speck darin hellbraun braten. Zwiebeln und Suppengrün zugeben, 5 Min. dünsten und mit einer Prise Salz würzen. Erbsen und Lorbeerblätter zugeben. 1,5 l Wasser zugießen, aufkochen und den Eintopf zugedeckt bei mittlerer Hitze 1–1 1⁄2 Std. garen, bis die Erbsen weich sind.

Den Erbseneintopf mit Salz, Pfeffer, Liebstöckel und Oregano würzen. (Fleischbeilage nach Wahl…)

Als erstes wäre hier wichtig zu erwähnen, dass man auch geschälte Erbsen über Nacht in reichlich Wasser einweichen sollte. Alles andere erhöht nur die Kochzeit oder führt zu einem sehr „crunchy“ Eintopf. Das mit dem Einweichen wusste ich, hatte ich schließlich aus meiner Kindheit noch in Erringung. Trotzdem kam ich auf eine Kochzeit von fast drei Stunden, bis die Konsistenz einigermaßen überzeugend war. Das schafft gleich zwei Probleme auf einmal. Der Hunger wird während der langen Kochzeit größer (und man stopft irgendetwas aus der Küche in sich rein, um ihn zu stillen) und das Wasser verdampft. Passt man nicht auf, brennt die Erbsensuppe übel an. Wie das riecht, spare ich mir hier zu beschreiben.

Leidgeprüft durch eigene Fehlschläge fragt man sich dir die Verwandtschaft oder greift auf eine virtuelle Mutti zurück, um sich Hilfe zu holen. Bei mir dauert etwas, bis ich den entscheidenden Fehler im Rezept oben fand. Er liegt im zweiten Schritt: „mit einer Prise Salz würzen“

Salz in der Suppe ist zwar essentiell, im Fall der Erbsensuppe sollte es aber auf jeden Fall erst dann hinzugefügt werden, wenn die Erbsen weich und matschig sind. Andernfalls erhöht sich nämlich die Kochzeit deutlich. Und wenn man Pech hat, werden die Erbsen nie weich (ist mir auch schon mal passiert, entsprechend groß war die Enttäuschung).

Ein ähnliches Phänomen hatte ich bei einem anderen Eintopfgericht, bei dem ich Kartoffeln und Sauerkraut gleichzeitig in die Suppe gab. Durch das Sauerkraut wurden die Kartoffeln nicht gar. Diese lebensmittelchemischen Zusammenhänge sind es wohl, die Anfänger ziemlich zusetzen können.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren