Unreif sucht sich die Bühne

Unreif sucht sich die Bühne

Lehrer kennen diesen Typus zu ihrem Leidwesen: der Klassenclown. Oftmals auch mit den zusätzlichen Bezeichnungen wie Störer und Schwätzer belegt. Sie der Sand im Getriebe des Schulunterrichts. Regelkonformes Verhalten kann man von ihnen nicht erwarten. Die Ursachen für ihr Verhalten sind vielfältig. Mangelnde geistige Reife, Überforderung, Unterforderung oder einfach die Unfähigkeit, sich in einer Gemeinschaft einzupassen. So ungefähr wie die Bayern. In dem Bundesland gibt nicht nur Weißwürste, sondern vor allem Extrawürste. Tief im Süden gibt es keine CDU, dafür die CSU, jene bajuwarische Partei, die bundesweit bei den Wahlen nur unter „Sonstiges“ firmieren würde, wenn man sie nicht vor Urzeiten unter Artenschutz gestellt hätte. Vergleichbar wäre das in der Schule wie wenn der Lehrer dem Klassenclown auch noch Geld für sein Verhalten bezahlen würde.

Den neustes Streich der CSU kann eigentlich kein vernunftbegabtes Wesen ernst nehmen. Allen Ernstes fordert die CSU, Zuwanderer sollen doch gefälligst auch am eigenen Küchentisch Deutsch sprechen. Viele von uns, die deutlich weiter nördlich aufgewachsen sind, könnten in einer spontanen Reaktion zu Applaus und Zustimmung neigen, vorausgesetzt unter Deutsch wird „Hochdeutsch“ verstanden. In dem Fall müsste sich die gesamte CSU an die eigene Nase packen. Ein Oberbayer, der sich nicht zumindest etwas Mühe gibt, es schwer zu verstehen. Und, wenn man die CSU richtig versteht, somit ja eigentlich nur schwer integrierbar.

Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen.
Leitantrag der CSU

Mittlerweile, nach Beschuss von Medien, aufgebrachten Bürger und aus dem Internet, ruderte die Führungsspitze moderat zurück. Jetzt heisst es, man wolle „motivieren“ Deutsch zu sprechen. Ohne freilich auszuführen, welcher Art die Motivation sein wird.

Unabhängig von, ob jemand motiviert wurde oder aber zu etwas angehalten wird, ohne Kontrolle ist so eine Forderung sinnfrei. Die CSU müsste daher auch so was wie eine Sprachpolizei aufstellen, die sich um richtiges Deutsch am Küchentisch kümmert und aufpasst, dass niemand aus der Reihe tanzt und den Suppenkasper gibt.

Formulierung wie „je länger man über die Forderung der CSU nachdenkt“ verbieten sich im Grund genommen von selbst. Warum sollte man über etwas nachdenken, worüber sich andere keine Gedanken gemacht haben? Am Ende würde man auch noch Gefahr laufen, Verständnis für den Vorschlag aus Bayern zu entwickeln.

Beim Klassenclown trägt sich der Pädagoge immer mit der Hoffnung, es würde sich mit der Zeit herauswachsen. Und wenn nicht das, dann ist seine Perspektive das neue Schuljahr, wo er den Störer mit einer gewissen Chance los sein wird. So viel Glück haben wir in Deutschland leider nicht. Sowohl Bayern als auch die CSU bleiben uns auf absehbare Zeit erhalten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren