Plitsch platsch Planspiele — alles nur Quatsch

Plitsch platsch Planspiele — alles nur Quatsch

Das Jahr nähert unaufhaltsam wie ein ICE dem Ende, da erhellt eine Meldung die Gemüter der Reisenden. Künftig sollen die Züge der Bahn sauberer sein, es soll deutlich mehr Platz für jeden geben und zusätzlich wird auch noch die Pünktlichkeit erheblich erhöht. All das mit einer simplen Maßnahme, die effektiv dafür sorgt, tausenden von Bahnfahrern so ordentlich vor den Kopf zu stoßen, dass sie künftig mit besten Grüßen auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen. Weniger Fahrgäste machen weniger Schmutz, verstopfen die Züge nicht und halten auch diese nicht durch langsames Einsteigen von der Weiterfahrt ab.

Der Masterplan der Bahn tickert gestern morgen getarnt als Agenturmeldung durchs Internet. „Die Bahn will die BahnCard abschaffen“ hieß es. Mich erreichte die Meldung kurz vor Essen, quasi noch im Halbschlaf befindlich, als ich von Hirnrinde (aka Stefan Evertz) um 08:52 Uhr folgenden Tweet las:

Es gibt Pläne, die #BahnCard abzuschaffen? Was wäre das für ein Mist!
Quelle: twitter.com

So was gehört zu den wenigen Dingen, wodurch schlagartig genügend Adrenalin in meinen Körper gepumpt wird, um mich hellwach werden zu lassen. Für mich als Pendler wäre eine Abschaffung der BahnCard, besonders der von mir intensiv genutzten BahnCard 100, so etwas wie ein Supergau. Entsprechend mies gelaunte machte ich meinem Unmut auf Twitter Luft, wohl wissend, dass ich auf Grund einer „Klausurtagung“ zeitlich nicht in der Lage sein würde, über den Tag hinweg das Thema weiter zu verfolgen.

Erst gegen Abend konnte ich dann sehen, was aus der Meldung geworden war. Es hieß zunächst seitens des Bahn-Managements, der Bericht vom Hessischen Rundfunk (der als Quelle der ursprünglichen Meldung ausgemacht werden konnte), sei, so Bahnvorstand Rüdiger Grube „Quatsch“. Die BahnCard würde es weiter geben, lediglich über sinnvolle Ergänzungen würde man nachdenken.

Kurz bevor ich am Abend dann zu Hause war, wurde aus dem Quatsch dann ein „Planspiel“, tagesschau.de berichtete. Rabatte nach Kundenumsatz und Auslastung der Züge würde man als Option für die Zukunft betrachten. Aus der bisherigen BahnCard sollte dann, laut der immer wieder zitierten Tischvorlage, ein Kundenkonto werden. Was denn bei der Bahn am 10. Dezember tatsächlich als Strategie diskutiert wird, kann der normale Zugreisende durch lauter Nebelkerzen nicht mehr erkenne. Ihn genauso wie mich persönlich beschleicht jedoch das Gefühl, wenn sich etwas verändern wird bei der Bahn, dann auf jeden Fall nicht zum besseren.

Der Bahn müsste eigentlich klar sein, dass sie ihren enormen Vertrauensvorschuss in den letzten Jahren restlos verspielt hat. Mit der jüngsten Meldung, wo immer sie auch herstammen mag, hat das Image der Bahn auf jeden Fall weiteren schweren Schaden genommen. Für mich wird es auch immer klarer, wie die Zukunft der Bahn eigentlich aussehen müsste. Das Angebot der Bahn ist eine wichtige Säule im Hinblick auf umweltschonenden Personenverkehr. Die Bahn erfüllt aus meiner Sicht eine quasi staatstragende Aufgabe. Und damit gehört sich auch in die Hände des Staates. Sie muss kein Gewinn abwerfen, der sich in kurzfristigen Zahle messen lässt, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfüllen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren