Unentdeckte Hirnschäden bei Männern

Unentdeckte Hirnschäden bei Männern

Ein Tweet heute Morgen erinnert mich an etwas, bei dem mir gestern schon der Kragen platzte. So viel männlicher Chauvinismus in einer Person konzentriert lässt sich weder mit anderer Kultur noch Glauben erklären. Eher mit totaler Rückständigkeit, völliger Verbohrtheit und einem patriarchalistischen Weltbild.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach bei einer Rede im Rahmen einer Konferenz einer Frauenorganisation in Istanbul. Die Gleichberechtigung, so Erdogan, sei „gegen die Natur. Im Islam sei die Frau lediglich als Mutter vorgesehen, sie könne daher nicht die gleiche Position wie ein Mann einnehmen. Schließlich habe sie auch andere körperliche Voraussetzungen und eine eher zierliches Wesen.

Daran sieht man mal wieder, das ein Überdosis Hormone bei Männer zu schweren Hirnschäden führt.
Quelle: Tweet

Soweit mir bekannt ist, gibt es für Männer kein explizites Recht auf Dummheit, die Äußerungen wie die von Erdogan entschuldigen würden. Solche Ausfälle ließen sich allenfalls noch mit einer schweren Hirnschädigung oder ernsthaften Wahrnehmungsstörungen erklären. Es wäre auf jeden Fall etwas, man dem man dringend einen Arzt aufsuchen sollte. Von alleine geht so was nicht mehr weg, im Gegenteil, es wird eher noch schlimmer.

Im Ernst, das Frauenbild von Erdogan lässt tief blicken. Gleichzeitig verwundert es aber niemanden, der sich bereits in der Vergangenheit mit Recep Tayyip Erdogan auseinander gesetzt hat. Sein Frauenbild passt in das Weltbild, welches er hat. Die besondere Tragik entsteht nicht nur dadurch, dass Erdogan mittlerweile Präsident der Türkei ist, sondern dieser auch sein Weltbild aufdrücken will.

Für modernes, demokratische Land, welches die Türkei vorgibt zu sein, sollte die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern selbstverständlich sein. Für mich gehört zu einem Grundkonsens, der notwendig ist, wenn man Mitglied in der Europäischen Gemeinschaft werden möchte. Chauvinisten haben wir in Europa schon genug, da müssen nicht noch mehr hinzu kommen.

Hört man genau hin und liesst sich durch die Kommentare auf Webseiten wie Spiegel Online und Zeit, dann lässt sich bei einer zum Glück kleineren Menge der durchweg männlichen Kommentatoren Sympathie für die Äußerungen von Erdogan feststellen. Urängste kommen zum Vorschein, Männer machen sich Luft, die ihre eigene Position und Macht bedroht wähnen. Meiner Meinung nach und damit bin ich dann wieder beim Titel, muss das an bisher unentdeckten Hirnschäden liegen, keinesfalls am Geschlecht selber. Es gibt nämlich durchaus aus auch Männer, die Artikel 3, Absatz 2 unseres Grundgesetztes für etwas halten, für das man kämpfen sollte — und leider auch nach wie vor muss, denn Gleichberechtigung ist auch in Deutschland längst nicht überall der Normalfall.

3 Replies to “Unentdeckte Hirnschäden bei Männern”

  1. Darf ich ein bisserl zynisch sein: Dieser Herr Erdogan ist nun gewählter Präsident eines Landes, dem sich die EU ja so unbedingt anschliessen muß – weil wirtschafltich wichtig und strategischer Partner. Na Gottseidank (ganz ohne religiös-christlichen Hintergedanken) hat der Herr Erdogan nun selbst öffentlich gesagt, was ihm bisher nur unterstellt werden konnte: Rückständig im Frauenbild, rückständig im Familienbild, rückständig in der politischen Entwicklung.

    Es gibt sicher wieder ein paar Entschuldigungs-Lobhudler, die alles nur als „Missverständnis“ verstanden wissen wollen.

    Hier gibt es nichts mehr mißzuverstehen.

    Wenn sich die die Europäische Union als modernes, demokratisches und offenes Gebilde begreifen würde, dann bliebe nur mehr eine Reaktion der Ächtung solcher Äußerungen zur Verfügung. So aber werden sich wieder die „wirtschaftlichen“ Rücksichten durchsetzen und es wird sich wahrscheinlich wieder jemand finden, der einen „lupenreinen Demokraten“ zu erkennen glaubt.

    Ende des Zynismus.

    Die islamische Zeitrechnung ist derzeit etwa im Februar 1436 angelangt, der iranische Kalender hält im Jahr Azar 1393 – mit und ohne Christoph Kolumbus.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren