Zwischenzeugnis für den Kölner Stadt-Anzeiger

Zwischenzeugnis für den Kölner Stadt-Anzeiger

Für die rot-grünen Koalition in Nordrhein-Westfalen wurde heute im Kölner Stadt-Anzeiger eine Halbzeit-Billanz veröffentlicht. „Die Strahlkraft lässt nach“ (blödes Wortspiel) lautet der Titel des Artikels. An der Diskussion über Sein und Schein der Landesregierung möchte ich mich an dieser Stelle nicht beteiligen. Es wäre nämlich notwendig, jeden einzelnen aufgeführten Punkt genau unter die Lupe zu nehmen und dazu auch noch die Projekte aufzuführen, die wider erwarten gelangen. Das was der KSTA betreibt ließe sich mit etwas Böswilligkeit auch als Kraft-Bashing bezeichnen.

Wenn man aber drauf brennt, ein Zwischenzeugnis auszustellen, ist es nur legitim, wenn man selber eins ausgestellt bekommt. Weniger für den KSTA selber, sondern für seine digitale Ausgabe. Ja, an der Stelle höre ich bereits das Aufstöhnen der Leserinnen und Leser, die häufiger mal hier vorbeischauen. Jeder braucht halt ein Thema, über das er sich besonders aufregen kann. Richtig, bei mir sind es mindestens zwei, den ich lese nicht nur den KSTA sondern fahre auch noch mit der Bahn. Zusammen mit meiner SPD-Mitgliedschaft könnte man dann in der Summe die Frage stellen, ob ich einen gewissen masochistisch Hang habe. Das erörtern wir aber lieber jetzt nicht weiter.

Der KSTA auf dem iPad. Vor ein paar Tagen gab es ein Update, wohl auch, um die App an iOS 8 anzupassen. Ruft man den KSTA dann zum ersten Mal nach dem Update auf, stechen die Änderung kaum ins Auge. Genau gesagt muss man sie mit der Lupe suchen. Einer meiner Kritikpunkte an der App war immer wieder die fehlende Möglichkeit, Texte aus einem Artikel zu markieren und in die Zwischenablage zu kopieren. Das geht mittlerweile. Auch ist, was aber nichts mit der App zu tun hat, die Auswahl von Texten im PDF wieder möglich.

Dennoch bleibt der KSTA digital deutlich unter seinen Möglichkeiten. Er hat sich „stets bemüht“, würde man ihm gerne attestieren. Das setzt aber etwas Einsatzbereitschaft voraus. Die mittlerweile berüchtigte Nachlässigkeit bei den Texten hat sich aber sogar noch weiter ausgeprägt. Schaut man sich an, was aus der einst hochgelobten App geworden ist, kommen einem wirklich die Tränen. Die Bewertungen im Appstore sprechen Bände.

Im Nachgang der Frankfurter Buchmesse hatte ich mir die Süddeutsche Zeitung App noch mal angeschaut. Sie hat sich ziemlich weiterentwickelt. Zitate kopieren, einen Artikel vollständig per E-Mail verschicken oder aber sich ein eigenes Archiv mit Artikel auf dem iPad innerhalb der App erstellen — alles möglich.

Für die KSTA App hätte ich gerne die Funktionen der SZ. Die digitale Ausgabe des KSTA entspricht in keiner Weise dem PDF beziehungsweise der Print-Ausgabe. Man soll aber nicht immer nur meckern, sondern auch konstruktive Vorschläge machen. Die hätte ich reichlich.

Eine Ausgabe sollte sich wirklich vollständig (abzüglich Videos) auf das iPad laden lassen, so das eine echte Offline-Nutzung möglich ist. Weiterhin sollte jede Ausgabe als einzelne Ausgabe behandelt werde, also nicht immer wieder um 20 Uhr komplett überschrieben werden. Der Nutzer sollte selber entscheiden, wann er was löschen will.

Artikel, die als Favoriten abgespeichert werden, sollten so lange im Archiv drin bleiben, bis der Benutzer sie löscht. Zudem sollten diese einzelnen Artikel unabhängig von der Ausgabe behandelt werden, also auch erhalten bleiben, wenn die Ausgabe gelöscht wurde.

Artikel sollten sich im Volltext per E-Mail teilen lassen.

Die PDF-Ausgaben, die man sich auf dem iPad laden kann, sind nur dann brauchbar, wenn der Leser nach dem Laden über die App selber entscheiden kann, in welcher anderen App er das PDF lesen will. Andere Verlage zeigen, wie so was umgesetzt wird. Hier kann auch ein sichtbares Wasserzeichen verwendet werden, schließlich nutzt es keinem, wenn das PDF wild verteilt wird.

Der Ticker auf der Startseite der iPad App sollte sich am Ticker der iPhone App orientieren. Die bisherige Textwüste ist kaum schön und bietet keinen Mehrwert. Ab pro pro Mehrwert. Leserbriefe gehören zum klassischen Feedback für eine Zeitung. Es hat sich in dieser Hinsicht allerdings einiges getan. Man ist gewohnt, zeitnah auf etwas zu antworten. Eine Kommentarfunktion für die Artikel in der App wäre eine Bereicherung. Eine moderne Zeitung lebt, wenn sie Information und Kommunikation nicht nur als einen Kanal betrachtet, über den man selber in eine Richtung sendet.

Der Kölner Stadt-Anzeiger hat neben der Zeitung viele Produkte rund um Köln in seinem Shop. Auf dem iPad über die App kann ich davon nichts kaufen. Auch hier liegt Potential brach. Veranstaltungen und Leserreisen, die mit Video beworben werden über die App buchen — grandios.

Eine Universal-App gehört zu den weiteren Wünschen. Wenn ich einen Artikel anfange zu lesen auf dem iPad, würde ich diesen möglichst genau an der Stelle, wo ich aufgehört habe, auf dem iPhone weiter lesen, während ich auf die S-Bahn warte.

Technisch ist alles möglich, zahlreiche Beispiele andere Verlage und Apps belegen das. Geld kann ebenso wenig eine Rolle spielen wie die Suche nach einer Firma, die eine vernünftige App programmieren kann.

Fazit: Bei der KSTA-App gibt es noch viel, extrem viel Luft nach oben. Bisher habe ich mich für meine Verhältnisse als äußerst geduldiger Leser gezeigt — andere sind schon längst abgesprungen. Diese Treue ist aber eher begründet in den fehlenden Alternativen als im Glauben und der Hoffnung, DuMont würde bestrebt sein, die App weiter zu entwickeln. Mein Eindruck ist hier, dass die App Scheitern als Zielvorgabe hat — nur damit man wie bisher mit dem Printprodukt weiter machen kann.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren