Der verdiente Tod des Einzelhandels

Der verdiente Tod des Einzelhandels

Bevor ich hinterher an den Pranger gestellt werden, weil ich falsch verstanden wurde, möchte ich zunächst mit ein paar klaren Worten beginnen. Mir liegt der Einzelhandel durchaus am Herzen. Ich liebe es, lokal einzukaufen statt im Internet zu bestellen. Die Arbeit der Verkäuferinnen und Verkäufer weiß ich durchaus zu schätzen. Ebenso merke ich, wenn jemand brennt für seinen Beruf, wenn die Begeisterung für das, was man verkauft sich auf den Kunden überträgt.

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Meistens sieht man nur seine eigene Sicht, nämlich die des Kunden. Zu behaupten, ich würde die andere Seite gut kennen, wäre übertrieben. Aber ich meine mich gut in mein gegenüber hineinversetzen zu können. Verhandlungen führe ich auf Augenhöhe, statt den Mitarbeitern im Verkauf mit Herablassung zu begegnen. Und schließlich, was ich an dieser Stelle auch explizit noch mal erwähnen möchte, habe ich während meines Studiums als Verkäufer in einem Laden für Brett- und Gesellschaftsspiele gearbeitet — allerdings zu einer Zeit, als Onlinebestellung noch kein so großes Thema waren (eher eine Randerscheinung).

Zu guter letzt möchte ich den Titel dieses Artikels nicht pauschal auf alles Einzelhändler verwendet sehen. Genauer gesagt, wenn ein paar der großen Filialisten von der Bildfläche verschwinden, werde ich ihnen keine Träne nachweinen. Einer einer davon ist Thalia. Hört sich zunächst merkwürdig an, aber nach der Erfahrung vom gestrigen Samstag halte ich das für verdient.

Mehr oder weniger spontan hatte ich mich dazu entschlossen, das Spiel des Jahres Camel Up zu kaufen. Für spontane Einkäufe eignet sich das Online-Bestellen eher nicht, denn die Ware ist nicht in kurzer Zeit im Besitz des Kunden. Schon gar nicht, wenn man an einem Samstag Mittag auf die Idee kommt, etwas käuflich zu erwerben. Über die Preisunterschiede zwischen stationärem Handel und Internethandel bin ich lange aufgeklärt, gerne zahle ich auch mehr, wenn ich etwas im Laden kaufe. Im besonderen Maße gilt das für Brettspiel, aus den oben bereits erwähnten biographischen Gründen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man mir mit einer Dachlatte den Verstand rausgeprügelt hat. Rechnen kann ich schon noch. Beim Spiel des Jahres lohnt sich der Preisvergleich, man kann auch gut und gerne das Internet befragen. Aber ich wollte ja eigentlich nicht online bestellen.

Den besten Preis hatte Amazon, wird kaum einen wundern bei solchen Aktionsartikel. Beim Preis von 14,98 Euro für das Spiel wären allerdings 3 Euro Versandkosten hinzu gekommen. Daher suchte ich erstmal weiter. Der nächste Treffer war dann Thalia.de, dort gab es das Spiel für 15,99 Euro. Hätte ich das Spiel online bestellt, was ja nicht wollte, wären auch dort Versandkosten hinzu gekommen. Es sei denn, ich hätte mir die Bestellung an eine Filiale vor Ort liefern lassen. Das im Hinterkopf machte ich mich gegen 14 Uhr auf Richtung Köln-Arcaden, um der dortigen Thalia-Filiale einen Besuch abzustatten — aus der Kölner Innenstadt hat sich der Händler bereits zurückgezogen.

Das Spiel stand im Regal, allerdings ausgezeichnet mit 24,95 Euro. Daher sprach ich eine Verkäuferin auf den Preis an und den Unterschied auf der Webseite von Thalia. Sie schaute im Internet nach, sah den Preis. Dann kam der Satz, der mich völlig überrascht. Das Spiel würde in der Filiale eben genau so viel kosten wie ausgezeichnet, als 24,95 Euro. Da könne man nichts machen. Würde ich online bestellen, wäre das ein andere Lieferant, wurde mein Hinweis auf die absurde Situation abgebügelt. Ich hatte nämlich angemerkt, dass ich hier vor Ort das Spiel online bestellen könnte und es Anfang der kommenden Woche genau in dieser Filiale abholen könnte. Zum Preis von 15,99 Euro. Nein, man ließ nicht mit sicher verhandeln. So verzichtet ich auf den Kauf und das Personal auf Umsatz. Ganz ehrlich, für so ein Verhalten fehlt mir jedes Verständnis. Mir ist klar, das ein Online-Shop einen anderen Preis kalkulieren kann. Aber wenn es für mich als Laien ein und das selbe Unternehmen ist und ich mir die Ware sogar in die gleiche Filiale versandkostenfrei liefern lassen kann, wirkt das wie ein Schildbürgerstreich.

Für mich war das Thema allerdings noch nicht abgeschlossen, schließlich wollte ich Camel Up kaufen und am Samstag Abend auch ausprobieren. Als fuhr ich wieder rüber auf die linke Seite des Rheins, zu Kaufhof. Im Internet (das wiederholt sich jetzt etwas) hatte ich einen mir immer noch sympathischen Preis gefunden. Dort stand 17,99 Euro, also bis auf einen Cent Unterschied der Betrag, den ich auch bei einer Amazon-Bestellung bezahlt hätte. Vertretbar, wie ich fand (Thalia ist für mich durch, dort werde ich wohl nie wieder Kunde werden).

Angekommen in der Filiale auf der Hohenstraße fand ich das Spiel in der Fachabteilung ausgezeichnet mit 21,95 Euro. So hatte ich mir den Aktionspreis nicht vorgestellt. Mit dem Spiel ging ich zur Kasse und teilte dort, nach dem ich an der Reihe war, dem Verkäufer mit, dass ich ein kleines Problem mit dem Produkt hätte. Ich nannte ihn den Preis auf der Webseite von Galeria Kaufhof. Der junge Mann sagte nicht, man können nichts machen, sondern machte sich auf die Suche nach dem Bereichsleiter. Das dauerte etwas und ich zog den Unmut der hinter mir wartenden auf mich — war mir aber egal, mittlerweile ging es mir auch einfach ums Prinzip. Um es an dieser Stelle etwas abzukürzen: der Bereichsleiter fand sich ein, es stellte sich heraus, dass das Spiel lediglich falsch ausgezeichnet war und ganz regulär für 17,99 Euro verkauft wurde. Allerdings, und hier kommen wir zum Unterschied zwischen Kaufhof und Thalia, hätte ich das Spiel selbst für den Fall, dass der Preis ein anderer gewesen wäre, Camel Up für den Internet-Preis bekommen. Kundenfreundlichkeit nennt man das bei Kaufhof. Ein zufriedenen Kunde kommt wieder. Sollte man sich merken (und Kaufhof hat aus anderen Gründen auch meine Sympathie).

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren