Einkaufen mit dem spacken Wolf

Einkaufen mit dem spacken Wolf

Als ich mir den Titel des heutigen Artikels überlegte, hatte ich eine ganz andere Bedeutung im Kopf. Die muss ich wohl erstmal erklären und dann den Titel neu deuten. Anschließend dann den Dreh finden um meinen Text an der richtigen Bedeutung auszurichten. Ein ungewöhnlicher Anfang heute, was mir durchaus bewusst ist. Aber die Wortbedeutung ist wichtig, zumal ich vermute, nicht der Einzige zu sein, der das Wort „spack“ falsch verwendet (hat).

Wenn etwas spack sitzt, so meine Annahme, dann ist es zu eng. Ist eine Person dagegen spack, dann ist sie nicht eng, sondern etwas zu dick für ihre Größe — um es mal so auszudrücken. Als ich den Titel für den heutigen Eintrag gefunden hatte, schlug ich zur Sicherheit noch mal im Duden nach. Eigentlich ging es mir dabei gar nicht um die Bedeutung, denn die glaubte ich zu kennen, sondern um die richtige Schreibweise. So staunte ich also entsprechend, als ich auf folgende Definition des vornehmlich in Norddeutschland gebräuchlichen Wortes stieß:

  1. mager, dünn und schmal
  2. straff, eng

Quelle: Duden

Die zweite Bedeutung kannte ich ja schon. Aber die erste ist genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich mit dem Wort verbunden hatte. Jemand der spack ist, ist also nicht dick, sondern genau das Gegenteil davon. Hätten wir das also schon mal geklärt. Und jetzt muss ich schauen, wie ich die Kurve zu meinem eigentlichen Thema bekomme.

Bedingt durch das Tragen von Umhängetaschen auf dem Weg zur Arbeit ist der Verschleiß bei meinen Jacken höher als gewöhnlich. Sogar bei Ausrüstungsjacken, die quasi per Definition mehr aushalten sollten. Jedoch, machen wir uns nichts vor, die meisten Markenhersteller produzieren trotz anderer Marketingstrategien vornehmlich für das Abenteuer Großstadt und Alltag. Unter Expeditionsbedingungen würde die so genannten Ausrüstungsbekleidung, zumindest in dem unteren Preissegment, schnell versagen.

Jedenfalls, für mich steht wieder eine neue Winterjacke auf dem Plan, da meine bisherige Lieblingsjacke an den problematischen Stellen schon Auflösungserscheinungen hat. Gestern war ich dann mit meiner besseren Hälfte im lokalen Ausrüstungsladen (mehr oder weniger zufällig) und probierte Jacken der Marke an, die im Logo eine Tatze hat. Optisch und preislich haben mich einige Modelle angesprochen, nur saßen die — ja, spack halt. Als besonders unanangenehm empfand ich das Abstehen vorne. Gut fünf Zentimeter vor Bauchbeginn wölbte sich die Jacke am Abschluss, da wo sonst das Gewicht des Materials den Stoff nach unten zieht. So was sieht alles andere als Vorteilhaft aus. Eine Nummer größer fiel die Jacke dann korrekt, nur hatte ich das Gefühl, einen Sack zu tragen, der an allen Stellen zu weit war.

Mal ganz ehrlich, ich habe einen kleine (wirklich nur einen vom guten Essen stammenden) Bauch. Übergewichtig bin ich nicht. Man sollte meinen, eine Jacke in L müsste mir passen. Tat sie aber nicht mal im Schulterbereich. Der ist bei mir nicht schmal, sondern stabil. Bei mir stellte sich der Eindruck ein, ein schlacksiger Wolf hätte Modell gestanden. Nach einem langen, harten Winter. Menschen mit normaler Größe sehen in den Jacken unvorteilhaft aus. Selbst wenn jemand wirklich durchtrainiert ist, dürfte die Jacke mehr wie eine Zwangsjacke eng sitzen und auch den Extremsportler darin zur Witzfigur verkommen lassen.

Sicher, es zirkuliert auf diese Weise keine kalte Luft. Allerdings friere ich lieber ein ganz kleines Bisschen, als das ich aussehe wie eine Wurst in der Pelle — in einer sehr teuren Pelle.

Für mich geht die Suche nach einer Winterjacke weiter. Mit ziemlicher Sicherheit aber bei Modellen anderer Marken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren