Karla wird vermisst

Karla wird vermisst

Vielleicht steckte ein Stück von Karla in der Bratwurst, die ich an gleichen Abend aß, an dem ich auch über den Aushang in Nippes stolperte. Zunächst dachte ich, es würde tatsächlich um diese eine auf dem Foto abgebildet Kuh gehen.

Man benötigt etwas Zeit und einen Internetzugang, um herauszufinden, dass hier für einen Film geworben wird. Dieser ist tatsächlich kostenlos und in voller Länge auf der Webseite earthlings.de absehbar. Was auf den ersten Blick nicht klar wird ist die Absicht des Films. Erst wenn man auf der Webseite bei den Links stöbern, bemerkt man den veganen Bezug. Soweit alles in Ordnung — zumindest abhängig vom eigene Standpunkt.

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Was die Aussage auf dem Flyer angeht, werde natürlich jede Minuten weltweit nicht nur Kühe getötet, um daraus Nahrungsmittel zu machen. Viele Lebewesen leiden und sterben, damit wird essen. Das kann man verwerflich finden. Es gab auch eine Zeit, in der ich es für verwerflich hielt. Mittlerweile sehe ich es erheblich differenzierte.

Fest steht für mich, dass zu viel Fleisch auf dem Markt ist, was zu einem nicht zu vertretenen Preis verkauft wird. Fleisch sollte kein industrielles Massenprodukt sein, sondern eher die Wertigkeit besitzen, die es früher hatte. Insofern finde ich Projekte wie Meine kleine Farm absolut begrüßenswert. Die Bedingungen, die im Film gezeigt werden, benötigen keine Diskussion. Sie sind verabscheuungswürdig. Dennoch werde ich auch künftig nicht auf Fleisch, Geflügel und Fisch verzichten. Die so genannten vegetarischen und vergangenen Alternativen sind in Wirklichkeit keine. Sie sind entweder hoch komplexe Industrieprodukte, mit fragwürdiger chemischer Zusammensetzung (so ist veganer Käse nichts anderes als „analog Käse“) oder aber es würde zu einer ähnlichen Monokultur führen, wie sie bereits für die Massentierhaltung benötigt wird.

Nicht kein Fleisch ist die Lösung, sondern weniger und bewusster. Vor allem sollte man wissen, woher das Fleisch stammt, was man isst.

Was mich persönlich bei den ganzen Tierliebhabern auf die Palme treibt, ist die Blindheit für die eigene Art. Für mich haben Menschen Vorrang. Bevor ich mich für die Kuh Karla einsetze, helfe ich dem Obdachlosen, der zu verhungern droht. Notfalls auch mit einer Bratwurst.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren