Nicht Xtra breit, sondern nur eine dünne Suppe

Nicht Xtra breit, sondern nur eine dünne Suppe

Der Werbung nach ist das erste Extra des Tages eine Marmelade, die man sich auf sein Brot schmiert. Etwas süß, etwas klebrig und wenig belastend.Weitere Extras folgen dann, wenn sie sich im Verlauf des Tages gönnt. Eines davon möchte offensichtlich XTRA sein, das neue Printprodukt aus dem Hause DuMont (als Ableger vom Express). Ausgerichtet an ein Publikum bis maximal 30 erscheint die Zeitung (wenn man das so nennen möchte) um halb vier am Nachmittag zum Preis von 50 Cent seit einigen Tagen.

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Momentan wird die Zeitung kostenlos verteilt, am vergangene Freitag drückte man mir in der Nähe vom Rudolfplatz ein Exemplar in die Hand, so dass auch ich mir ein Bild vom dem Produkt machen konnte. Kaufen würde ich mir das Ding nämlich nicht (alleine schon weil Express draufsteht). Die für den Verlag spannende Frage dürfte wohl sein, ob Xtra das Blatt von der Zielgruppe (zu der ich ja nicht mehr gehöre) soweit angenommen wird, dass sich genügen zahlende Leser finden.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, und wenn man Extra zum Frühstück mit Xtra vergleicht, ist letzteres deutlich klebriger und noch weniger belastend. Aber gut, Xtra will schließlich keine Süddeutsche Zeitung am Nachmittag sein. Vermutlich zielgruppengerecht kündigte die Titelseite der Freitagsausgabe wichtige Themen an wie „Trinken nach Fahrplan“, „Der ‚Tinder‘-Check: Was taugt die Dating-App?“ sowie die politisch brisante Meldung „Wie konnte sie nur?! Merkel ließ Lenny Kravitz stehen“. Man merkt Xtra deutlich seine Herkunft an — ein Art Express für Einsteiger, sogar jugendfrei ohne halbnackten Frauen.

Neben so genannten Köln-News geht ist im Innenteil unter der Rubrik Liebe um „Herz gebrochen: Tipps gegen Liebeskummer“. Also will Xtra auch so eine Art Großstadt-Bravo sein (wenn man denn den Anspruch hat, Köln als Großstadt anzusehen). Was den Trinkfahrplan in der Mitte angeht, da kommt Xtra gefühlt einen Monat zu spät, denn die Karte kursierte bereits lange vorher bei facebook. Aber es extrem günstig, Gratis-Inhalte aus dem Netz zu recyceln. Schließlich ist ja nicht jeder aus der Zielgruppe bei facebook.

Sport gibt es im Xtra genauso wie die höchst wichtige Information, wo man zwischen Aachener und Zülpicher denn überall Xtra kaufen kann. Ich für meinen Teil fände eine Auflistung der öffentlichen Mülleimer relevanter, denn Xtra möchte man schließlich umweltschonend wieder entsorgen. Ob vor oder nach dem lesen, macht dabei einen gefühlten Unterschied von fünf Minuten. Das lediglich die letzte Seite mit „Gossip“ beschriftet wurde, ist wohl eher ein euphemistischer Versuch, vom Gesamtinhalt abzulenken.

Für Köln hätte ich mir mit Blick auf ein neues Printprodukt zwei Dinge gewünscht. Eine ernstzunehmende Zeitung am Nachmittag und vor allem ein Produkt, welches ausnahmsweise mal nicht aus dem Hause DuMont kommt — in der Klüngel-Stadt Köln wäre etwas mehr Pressevielfalt durchaus angebracht.

2 Replies to “Nicht Xtra breit, sondern nur eine dünne Suppe”

  1. Also ich finde die Zeitung eigentlich nicht schlecht – da bin ich von den anderen Orten, an denen ich zeitweise immer mal wieder wohne, leider anderes gewohnt. Ich glaube in Köln sind wir manchmal auch Meister des Meckerns auf hohem Niveau ;)

    1. Von hohem Niveau würde ich bei Köln allerdings wirklich nicht sprechen. Schließlich liegt die Stadt in einer Senke ;-)
      Schlimmer, da stimme ich zu, geht es immer. Aber man muss das Schlechte ja nicht zum Maßstab machen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren