Mogelpackungen

Mogelpackungen

Bereits als Kinder werden wir an den Unterschied zwischen Verpackung und Inhalt gewöhnt. Es fängt mit so harmlosen Dinge wie dem Osterkörbchen mit Süßigkeiten an. Zuerst glaubt man, einen Berg voll Süßigkeiten vom Osterhasen bekommen zu haben, bis man dann realisiert, das mehr als die Hälfte im Korb aus Kunstgras besteht. Bis zu Schultüte, deren Inhalt im unterer Bereich ungenießbares Füllmaterial enthält, hat man schon mehr Enttäuschungen erlebt, als man in dem Alter zählen kann.

Mehr Schein als Sein
Mehr Schein als Sein

Mogelpackungen werden zu unserem Begleiter im Alltag, im Berufsleben und auch in der Freizeit. Wenn man wie ich Brettspiele sammelt, ist man wirklich überrascht, wenn es mal eine Spieleschachtel gibt, die mehr Inhalt als Luft umschließt. Meistens ist das Training in der Kindheit jedoch so erfolgreich verlaufen, dass man keine Gedanken mehr daran verschwendet, wie häufig man übers Ohr gehauen wird. Die pfiffigeren von uns schauen permanent auf den Grundpreis, den sie mit anderen baugleichen Produkten vergleichen können — sind dann aber ganz überrascht, wenn sie einen solchen nicht am künftigen Lebenspartner ausmachen können. Auch wir selber neigen nämlich gerne dazu, mehr vorzutäuschen als wir wirklich sind. Im Zug oder während einer Party muss man einfach nur zuhören, es ist wirklich erstaunlich, wie schnelle da Dinge größer werden.

Gelernt haben wir mit den Jahren aber auch, uns nicht nur mit Mogelpackungen abzufinden, sondern zum Teil ihre Notwendigkeit zu akzeptieren. Wenn schon nicht wir, so profitiert dennoch zumindest jemand anders, wenn wir übers Ohr gehauen werden. Eine solche Vorstellung spendet Trost und lässt einen schnell wieder vergessen, dass die Tafel Schokolade tatsächlich nur 80 g hatte. Bei Süßigkeiten haben wir sowieso die allergrößte Toleranz in Bezug auf Verpackungen. Jährlich kaufen meine Frau und ich zum Beispiel Adventskalender, wohl wissend, dass die Ungetüme aus Pappe und Papier, nur einen Bruchteil dessen Wert sind, wenn man die Schokolade eines bekannten Herstellers aus der Schweiz so kaufen würde.

Es gibt allerdings auch Mogelpackungen, die einem erst gar nicht auffallen. Die so geschickt sind, dass man erst gar nicht auf die Idee kommen würde, eine solche in der Hand zu halten. So offenbarte sich mir nur durch puren Zufall die Mogelpackung von Balea Men Hydro fresh. Beim putzen im Badezimmer fiel mir der Behälter mit Hydro fresh runter, knallte auf den Boden. Keine große Höhe, es hätte nichts passieren können. Es ist auch tatsächlich nichts kaputt gegangen. Nur etwas abgesprungen, wie ich nach einer kurzen Schrecksekunde erkannte. Vom Boden des Behälters hatte sich ein Deckel gelöst, der sich unproblematisch wieder drauf setzen ließ. Allerdings schaute ich mir vorher an, was er denn eigentlich abgedeckt hatte. Vier Zentimeter Hohlraum lagen unter dem Bodendeckel verborgen. Der Behälter mit seinen 75 ml währe also deutlich kleiner.

Man fragt sich in so einem Fall, warum man eine Mogelpackung in der Hand hält. Gerade bei dm ist so etwas schwer zu verstehen, denn die Eigenprodukte des Händlers sind im unteren Preissegment angesiedelt und müssen nicht nach mehr oder teurer aussehen. Eine richtige Antwort wäre schön, auch wenn ich mir momentan einbilde, der Behälter wäre deshalb so hoch und unten mit Luft gefüllt, damit er besser in der Hand liegt.

3 Replies to “Mogelpackungen”

  1. Bist du sicher, dass sich das nicht bei Entnahme langsam durch den Druckausgleich hochzieht?
    Ein bisschen so, wie bei einer Silikon-Kartusche…
    Oder ist das Ding noch ungenutzt?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren