Kaffee für 1,20 Euro

Kaffee für 1,20 Euro

Für Kaffee Geld auszugeben, fällt gerade Menschen in Deutschland besonders schwer. Hierzulande ist man gewohnt, für 500 g Kaffee weniger als 5 Euro zu zahlen. Durch den Vormarsch der Pad-Maschinen und Kapsel-Machinen ist diese Preislinie nur leicht ins Wanken geraten. Die Mehrheit will ihren Kaffee um jeden Preis günstiger. Neu ist das nicht, denn schon vor über 20 Jahren musste man sich für Freunden, Verwandten und Bekannten rechtfertigen, wenn man 250 g fair gehandelten Kaffee aus dem Eine-Welt-Laden kaufte, der preislich mehr als das doppelte kostet — und noch mehr, wenn man Angebotskaffee vom Discounter als Vergleich heranzieht.

Maragogype

Wer aktuell 8 Euro oder mehr für 250 g Kaffee-Bohnen zahlt, diese zu Hause selber mahlt und von Hand filtert, gilt mindestens als Kaffee-Nerd. Für mich ist das auch nichts neues, denn in meiner Jugend galten zumindest am Niederrhein Teetrinker ebenfalls als Sonderlinge. Insbesondere dann, wenn sie nicht mit dem handelsüblichen Teebeuteln zufrieden waren, ja sogar Anspruch darauf erhoben, richtig kochendes Wasser verwenden zu wollen.

Damals hatte ich damit genauso wenig Probleme wie heute, für Tee und Kaffee in entsprechender Qualität auch mehr als der Durchschnitt zu zahlen. Das Getränk ist ein Genussmittel, und schlechte Brühe kann ich zumindest nicht genießen. Beiden Getränken kann man ziemlich viel antun, wobei die Bandbreite bei Kaffee zugenommen hat. Kaffee hat sich gerade in den letzten Jahren vom Omas Heißgetränk zur Szene-Brühe entwickelt. Die kleine Kaffee-Läden schießen auch in Städten wie Köln wie Pilze aus dem Boden.

Kommen wir zurück zur Überschrift. Das ich neben ganzen Bohnen, die ich selber male und aufbrühe, auch Freund des Nespresso-Systems bin, ist kein Geheimnis. Die Kapsel schätze ich im Alltag, gerade wenn es etwas schnell gehen soll oder muss, als beste Alternative. Man kann über die Alu-Kapsel jammern, aber es einfach so, dass sie den besten Schutz für den gemahlenen Kaffee bieten. Pad-Kaffee, ebenfalls bequem, ist dagegen ziemlich offen für Aromaverlust. Auf der gesamten Fläche des Pads kann der Sauerstoff frei eindringen. Metall- und andere Dosen bringe da herzlich wenig.

Gejammert wird bei Nespresso-Gegner gerne auch über den Preis einer einzelnen Kapsel. Der sei, so die Argumentation, mit 37 Cent (für einen Lungo), viel zu teuer. Für mich ist das eine Milchmädchenrechnung, jedenfalls wenn man guten Kaffee als Maßstab nimmt. Eine Kapsel für 37 Cent enthält 6 g Kaffee, was eine normale Kaffee-Tasse ergibt. Wenn ich von Hand aufbrühe, benötige ich für 4 Tassen Kaffee 36 g Bohnen. Hin und her gerechnet bekomme ich rund 27 Tassen aus 250 g Kaffeebohnen heraus. Nehme ich Kaffee von einer der Kölner Röstereien, liege ich bei 8 Euro für 250 g. Also, etwa 29 Cent pro Tasse. Gut 6 Cent mehr pro Tasse für meine morgendliche Bequemlichkeit finde ich nicht zu teuer, ganz im Gegenteil. Vergleicht man den Preis mit einer Tasse Kaffee aus einem durchschnittlichem Restaurant — ich glaube, es klar worauf es hinausläuft.

Wer sich, wie ich, durch unterschiedliche Sorten getrunken, verschieden Zubereitungsmethoden ausprobiert hat, erwirbt sich ein kleines Stückchen Kennerschaft. Man kann nie Nuancen herausschmecken, wird empfindlich für Fehltöne aber eben auch anspruchsvoller.

Diese Woche stellte Nespresso eine neue limitierte Edition vor: Maragogype

Die „legendäre Kaffeebohne“, genannt Elefantenbohne, ist eine „natürliche Mutation der Arabica Sorte“ mit geringem Ertragsvolumen. Man muss kein Genie sein, um zu ahnen, dass geringes Ertragsvolumen selbstverständlich auch Auswirkungen auf dem Preis der „Limited Special Reserve Maragogype von Nespresso“ hat. Eine Kapsel kostet hier die bereits im Titel des Beitrags erwähnten 1,20 Euro. Natürlich konnte ich einfach nicht widerstehen und habe gestern eine Stange (entspricht 10 Kapseln) davon gekauft.

Maragogype hat eine glatte Crema, ist extrem weich, verlangt weder nach Milch oder Zucker. Sahnig ausgewogen und ausgesprochen rund gleitet jeder Schluck über die Zunge. Den Kaffee trinkt man am besten aus einer Porzellantasse (keinesfalls aus einer Metall-Tasse, das gefällt dem feinen Geschmack nicht). Ob das spezielle Verkostungsglas, welches Nespresso dazu anbietet, notwendig ist kommt wahrscheinlich auf einen Versuch an. Der Preis hat seine Berechtigung, wie ich finde, denn der Geschmack ist tatsächlich etwas besonderes. Es wird aber niemand gezwungen, die Kapseln zu kaufen — oder Kaffee für 37 Cent pro Kapsel zu trinken. Da verhält sich Kaffee ganz genauso wie Wein. Die einen sind mit 1 Liter aus dem Tetrapack zufrieden, andere suchen schon etwas bewusster aus während es eine kleine Gruppe Menschen gibt, die bereit ist Spitzenpreise für bestimmte Jahrgänge einer Region und eines Erzeugers aus einer Traube zu zahlen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren