Dellbrücker brauchen keine Brille

Dellbrücker brauchen keine Brille

Es gibt Lücken im Leben, die sollte man schließen, selbst wenn sie auf unerklärliche Weise entstanden zu sein scheinen. Den Kölnpfad haben meine Frau und ich bereits im Sommer abgeschlossen. Dennoch gab es eine Lücke, genau gesagt eine Bildlücke. Für Etappe 7 fehlten mir vollständig die Fotos. Da ich gerne eine Art „Best of“-Album erstellen möchte, ist das irgendwie unpraktisch.

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Für Lücken gibt es Feiertage und besonders der 3. Oktober mit fantastischen Herbstwetter erschien uns geeignet, die Lücke endlich zu schließen. Auch als Einstieg in die Herbstferien versprach der Tag ein guter Auftakt zu sein. So machten wir uns also auf mit der KVB, zum Startpunkt der 12 Kilometer langen Strecke zu kommen, die Endstation „Schlebusch“ der Linie 4.

Ziemlich schnell wurde mir klar, dass es entgegen meiner Vermutungen vom 5. Januar diesen Jahres nicht das Wetter war, welches tolle Bilder von der Etappe verhinderte. Vor Gericht würde es heißen, „er hatte kein Motiv“. Auch bei herrlichstem Sonnenschein bietet die Etappe 7 des Kölnpfads keine wirklich umwerfenden Eindrücke, die es sich lohnen würde festzuhalten. Es wird wohl dauerhaft die Strecke mit den wenigsten Fotos bleiben. Ein paar Bilder konnte ich der Landschaft noch abringen, darunter auch ein völlig sinnfreies Foto vom Ortseingangsschild „Dellbrück“. Eine Erinnerung für mich, vor dem Fragen die Augen auf zu machen.

Unterwegs hatte ich meiner Frau nämlich vom gestrigen Ironblogger Treffen erzählt, bei dem unter anderem in meiner Ecke Dellbrück vertreten war. Geographisch konnte ich heute den Ortsteil nicht zuordnen, also fragte ich meine Frau, die ja schließlich rechtsrheinisch an einem Gymnasium in der Nähe unterrichtet, wo denn Dellbrück in etwa sei. Unglücklicherweise zu einem Zeitpunkt, wo das besagte Ortseingangsschild etwa 15 Meter von mir entfernt am Straßenrand stand. Herr Doktor, ich wäre dann jetzt soweit für eine Brille.

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Wirklicher Tiefpunkt der Wanderung war jedoch unser Versuch, eine Rast in der Diepeschrather Mühle einzulegen und ein kühles Bier zu genießen. Es war genügend Platz draußen, dennoch ein etwas merkwürdige Mischung von Gästen. Es wirkte sehr homogen. Daher fragte meine Frau den Kellern, ob es denn eine geschlossene Gesellschaft sei oder ob wir uns irgendwo hinsetzen könnten. Eine konkrete Antwort auf ihre Frage bekam sie nicht. Man ließ sich nur dazu herab uns mitzuteilen, das man gerade etwas überlastet sei. Deutlich kann man uns wohl nicht klar machen, dass wir nicht erwünscht sind als Gäste — ob es an der Wanderschuhen lag oder an unseren Nasen, vermag ich nicht zu sagen. Dem Kölner Eifelverein würde ich jedenfalls empfehlen, die Diepeschrather Mühle als Empfehlung zur Einkehr bei einer Neuauflage des Wanderführers zu streichen.

Wir verzichten für den Rest der Strecke auch auf weitere Versuche, irgendwo doch noch Rast zu machen und belohnten uns auf dem Rückweg mit Kaffee und Kuchen im Café Elefant. Dort ist man freundlich und zu vorkommend und gute Kuchen bekommt man da auch — egal wie man angezogen ist.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren