Ein ungehörtes Klopfen an der Tür — der NaNoWriMo 2014

Ein ungehörtes Klopfen an der Tür — der NaNoWriMo 2014

Langsam neigt sich der September dem Ende zu. Nicht plötzlich, sondern erwartet ist es dann Oktober, vier Wochen bis zum Start des NaNoWriMo 2014. Nach vier Jahren in Folge, in denen ich am NaNoWriMo teilgenommen habe, werde ich dieses Jahr aussetzen. Das hat eine Vielzahl von Gründen.

By: Rocky LubbersCC BY 2.0

In meiner Schublade liegen derzeit drei Entwürfe, ein viertes Manuskript ist zur Hälfte fertig. Allen gemeinsam ist die fehlende Überarbeitung, also der größte Teil der Arbeit. Würde ich mich erneut im November in das Abenteuer NaNoWriMo stürzen wollen und ein neues Projekt anfangen? Mit dieser Frage beschäftigte ich mich in den letzten Wochen.

An Ideen mangelt es mir nicht. Mit dem, was ich in meinen Notizbüchern skizziert habe, könnte ich noch locker drei weitere Krimi-Mansukripte anfertigen. Nur würde es mir nichts bringen. Davon bin ich mittlerweile fest überzeugt. Statt ständig neues zu produzieren, was dann unfertig auf Halde liegt, muss ich ein Schreiprojekt zu Ende bringen. Und wirklich zu Ende bringen heisst, es verlagsfertig zu bekommen. So weit zu sein, dass ich es zusammen mit dem dazugehörigen Exposé anbieten kann.

Nach einem sehr lehrreichen professionellen Feedback für meinen allerersten Niederrhein-Krimi ist mir über den Sommer hinweg deutlich geworden, wie die Route für die nächsten Monate aussehen wird. Entgegen aller bisherigen Pläne und Hoffnungen werde ich mich vollständig auf den ersten Eifelkrimi konzentrieren, den ich zu Ende schreiben muss. Dann geht es an die Überarbeitung, bei der ich auch noch abwägen werde, ob ich aus meinem Polizisten einen Privatdetektiv mache. Das alles wird nicht in 30 Tagen passieren, die der NaNoWriMo umfasst. Es ist ein Vorhaben für die nächsten Monate.

Ich bin an den Punkt angelangt, wo ich in Frage stellen, ob mich der NaNoWriMo weiter bringt. Als Anlass, überhaupt erst mit dem Schreiben zu beginnen, die eigenen Grenzen auszuloten, ist der NaNoWriMo hervorragend geeignet. Davon bin ich nach wie vor überzeugt, genau so wie vom Community-Gedanken. Letzten Endes ist es aber so, dass jeder Autor selber und vor allem alleine schreiben muss. Die Arbeit nimmt einem keiner ab. Der Austausch ist schön im November, aber auch zeitintensiv.

Nach dem letzten NaNoWriMo 2013 gelangte ich an einen Punkt, wo meine Batterien ziemlich erschöpft waren. Es dauerte sehr lange, bis ich mir dies selber zugestehen konnte. Von dieser Erschöpfung habe ich mich monatelang nicht mehr erholt, so dass 2014 zu einem meiner unproduktivsten Jahre wurde — und das, obwohl ich mich nur an meinen Szenenkärtchen hätte entlanghangeln müssen.

Der NaNoWriMo wird dieses Jahr anklopfen an meiner Tür und ich werde sie zulassen, weiter am Schreibtisch sitzen und an meinem Manuskript arbeiten. Mich nur dem Druck aussetzen, den ich mir selber machen. Keine Word-Wars, keine Counter und andere Vergleiche. Für mich gibt es ein festes Ziel beim schreiben. Es ist kein „nur so für mich“, sondern ich habe den festen Wunsch, veröffentlicht zu werden. Klassisch im Verlag, einen Krimi, den man in jeder Bahnhofsbuchhandlung bekommen kann. Alles darunter ist für mich Selbstbeschäftigung. Da kann ich auch direkt beim bloggen bleiben. Das macht weniger Arbeit.

Ein wichtiges Element beim NaNoWriMo ist der Austausch mit anderen. Viele von denen, die ich im November getroffen habe, war eher sporadisch anwesend — und im Folgejahr dann gar nicht mehr. Für einen Austausch, der einen weiterbringt, ist Kontinuität erforderlich. Und auch, wenn ich ein sehr netzaffiner Mensch bin, mag ich für das Schreiben keine Foren, besonders nicht, wenn sich User dort hinter der Anonymität verstecken können. Texte, gerade in Rohform, sind empfindliche Pflänzchen, die einen Schonraum benötigen. Mit Kritik kann ich umgehen, aber ich möchte demjenigen, der sie äußert, dabei in die Augen sehen können.

Im Oktober werde ich Frankfurt auf der Buchmesse sein. Auch, um dort Kraft zu sammeln, Anlauf zu nehmen für meinen Eifelkrimi. Genau so, wie es bei meinem ersten Besuch der Frankfurter Buchmesse war, welches dann zur Teilnahme am ersten NaNoWriMo führte. Das Herz wird dann schwer werden im November, ganz sicher. In diesem Fall ist es jedoch besser, auf seinen Verstand zu hören. Die Tür bleibt also zu.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren