DHL — der Houdini für Lieferungen

DHL — der Houdini für Lieferungen

Grundsätzlich bin ich ein geduldiger Mensch — zumindest wenn man mir sagt, wie lange ich auf etwas warten soll. Oder wenn man mir zumindest mitteilt, es könnte etwas länger dauern. Wie die meisten Menschen wohl auch hasse ich es, enttäuscht zu werden. Genauso wenig schätze ich es, wenn man mich belügt. In beiden Punkten hat sich DHL innerhalb der letzten 24 Stunden besonders ausgezeichnet.

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An ein besonderes Gefühl der Enttäuschung aus Kindertagen kann ich mich noch gut erinnern. Es war Weihnachten. Gewünscht hatte ich mir die Feuerwehrstation von LEGO. Als Bescherung war, lag unter dem Baum nur ein kleines Paket für mich. Eine Feuerwehrauto von LEGO. Mich hat das ziemlich getroffen. Erst als ich es auspackt und zusammengebaut hatte, führte mich meine Eltern ins Wohnzimmer, wo hinter einem Sessel die zusammengebaut Feuerwehrstation stand. Die eine Grausamkeit wurde durch eine andere ersetzt, denn für mich bestand der größte Reiz darin, die Sachen selber auszupacken und zusammen zu bauen.

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Auf mein neues iPhone 6 habe ich mich, wenn ich ehrlich bin, nicht so gefreut wie auf die Feuerwehrstation — ist meistens so, wenn man sich Sachen fast jederzeit selber kaufen könnte. Der Fluch der Erwachsenen halt. Dennoch ging ein Strahlen über mein Gesicht, als mir am Donnerstag Abend von der Telekom die Lieferung angekündigt wurde. Per Tracking-App, wann das Paket in den Versand ging. Am Freitag in aller Frühe kam das iPhone in Köln im Paketzentrum an. Die App (und auch die Webseite von DHL) meldete: Lieferung heute, zwischen 15 und 18 Uhr

Ich wartete zu Hause. Sogar nach 18 Uhr hatte ich noch Hoffnung. Irgendwann nach 19 Uhr stand dann beim Status nur noch „Lieferung und Status unbekannt“. Also kein iPhone an diesem Tag für mich. Da war es wieder, diese Gefühl der Enttäuschung. Wie am 1. Weihnachtsfeiertag, wenn man noch in der Nacht zum Tannenbaum läuft und schaut, ob die Geschenke wirklich noch da sind, stand ich in der Nacht auf und aktualisierte die Statusabfrage: „Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet“

Mein Paket war also innerhalb von Köln bereits über 24 Stunden unterwegs. Eine Glanzleistung. Morgens hieß es dann, das Paket sei in das Zustellfahrzeug geladen worden. Ohne Zeitangabe, wann die Lieferung erfolgen würde. Entsprechend verschoben meine Frau und ich den Wochenendeinkauf nach hinten.

Um 14:15 Uhr war immer noch kein Paketbote aufgetaucht. Mittlerweile saß ich auf dem Sofa. Nur kurz vielen mir die Augen zu, es war 14:30 Uhr, als ich wieder den Status meiner Lieferung abfragte.

Die Sendung konnte nicht zugestellt werden? Wie das, wenn ich doch die ganze Zeit zu Hause war. Das Klingel hätte ich sicher gehört, zudem saß meine Frau am Schreibtisch mit Unterrichtsvorbereitungen. Es hieß, ich sei benachrichtigt worden. Nun, selbst wenn keiner von uns die Klingel gehört hätte oder diese defekt ist, hier weichen dann Realität und Aussage erheblich voneinander ab. Im Briefkasten war definitiv keine Karte.

Es ist erstaunlich, wie schnell ein Mensch in Hausschuhen laufen kann, wenn er richtig wütend ist. Am Wendekreis, der sich am Ende der autofreien Siedlung befindet, sah ich den DHL-Wagen gerade wegfahren. Ein kurzen Moment später hielt er wieder an, um ein Paket abzuliefern. Den Paketboten erwischte ich auf dem Rückweg zu seinem Wagen. Er behauptete steif und fest, niemanden angetroffen zu haben. Gute Miene zum bösen Spiel, mehr blieb mir nicht als Reaktion über schließlich wollte ich mein Paket. Das bekam ich dann auch. Selbstverständlich fing es zu regnen an, als ich mich auf dem Rückweg nach Hause befand. Selbst auf einem an sich kurzen Stück Strecke kann man ziemlich nass werden. Insbesondere dann, wenn man falsch gekleidet ist.

Offensichtlich sind meine Erfahrungen mit der Zustellung durch DHL, gerade beim iPhone gestern und heute, kein Einzelfall. Die Telekom sollte meiner Meinung nach daraus Konsequenzen ziehen. Mich würde auch nicht wundern, wenn einige der Pakete „vom Lastwagen fallen“.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren