Nach den ersten fünfzehn Jahren

Nach den ersten fünfzehn Jahren

Alles fing mit einem einzelnen Wort an. Ja. Genau gesagt, war es eigentlich ein Satz: „Ja, ich will.“ Das weiß ich noch ziemlich genau, obwohl es heute auf den Tag genau 15 Jahre her ist.

By: Paul VanDerWerfCC BY 2.0

Bei einem geschätzten Scheidungsrisiko von mittlerweile 50 Prozent ist das schon etwas, auf das man (in dem Fall meine Frau und ich) stolz sein kann. Traut man (diesmal wieder alle) der Statistik, dann besteht das höchste Risiko nicht im verflixten siebten Jahr, sondern in der Zeit zwischen 12 und 14 Jahren. Das hätten wir dann damit auch hinter uns gelassen.

Ein Wort, ein Satz mag zwar am Anfang einer Ehe stehen, danach folgenden viele Worte, viele Sätze — und lange Diskussionen. Hüten sollte man sich dabei gerade vor dem, was nicht ausgesprochen wird, auch wenn ich an dieser Stelle vorsichtig bin mit allem, was auch nur annähenden den Verdacht, ein Patentrezept zu sein, erweckt. Eine gute Ehe ist wie eine gute Freundschaft. Etwas was Arbeit und Zeit erfordert, gepflegt werden will.

Manchmal klappt es, dass man denselben Gedanken hat — trotzdem hat jeder seinen eigene Kopf. Gedankenlesen kann niemand, es hilft auch hier, über Wünsche und Dinge, die einen ärgern zu sprechen.

Ähnliche Vorstellungen, Werte und Dinge zu haben, die man mag, die einem Spaß macht, empfinde ich (und meine Frau ebenfalls) als Bereicherung. Den Spruch „Gegensätze ziehen sich an“ können wir nicht unterschreiben. Gegensätze machen das Zusammenleben anstrengen. Das fängt schon beim Essen an und ändert längst nicht bei der Frage, ob man selber eher „Lerche“ oder doch „Nachtigall“ ist.

Verheiratet sein und keine Kinder zu haben, noch immer muss man sich ein Stück weit dafür rechtfertigen. Wir haben uns gemeinsam dagegen entschieden, haben das Für und Wider abgewägt und unsere Lebensplanung entsprechend ausgerichtet. Positive in Bezug auf die Partnerschaft ist eben die Einigkeit. Nichts ist schlimmer, als wenn der eine irgendwann feststellt, er hätte doch gerne Kinder (gehabt), während der andere nach wie vor allein in der Zweisamkeit die Glückseligkeit sieht.

Unserer Hochzeitstag vor 15 Jahre gehört sicherlich zu den Tagen meines Lebens, den ich in Erinnerung behalten werden. „Der schönste Tag meines Lebens“ — auch so ein Spruch, den ich persönlich für ziemlich daneben halten. Wenn die Hochzeit wirklich der schönste Tag in einem Leben ist, kann es danach ja nur noch bergab gehen. Stellt sich dann die Frage , warum man überhaupt geheiratet hat. Erst nach einer Scheidung würde so ein Satz Sinn ergeben.

Der Hochzeitstag, jedenfalls, war sicherlich ungewöhnlich, passte aber zu uns. Vom Standesamt mit Fahrradanhänger autofrei mit Freunden und Familie durch die Fußgängerzone zu einem vegetarischen Vollwertrestaurant. Bei schönstem Herbstwetter. Den Nachmittag hatten wir dann frei und ganz für uns. Einfach und unkompliziert und für unsere damaligen studentischen Verhältnisse auch bezahlbar. Nur eine Kleinigkeit würde ich aus heutiger Sicht anders machen: einen Anzug anziehen. Immerhin, wir haben die Möglichkeit das bei einer kirchlichen Hochzeit nachzubessern, sollten wir eines Tages auf diesen Gedanken kommen.

3 Replies to “Nach den ersten fünfzehn Jahren”

  1. Meinen Glückwunsch!
    Ich meine sogar, dass ich mal irgendwo gelesen habe, dass Ehen, die an einem Schnapszahl-Datum geschlossen wurden, noch häufiger früh geschieden, aber aus der Phase seid ihr ja raus. :)

    Zu dem Datum hab ich auch einen Bezug. Meine Eltern hatten am 07.09.99 Silberhochzeit und meine Mutter meinte damals noch zu mir, dass sie das wohl nicht erlebt hätten, wenn sie 74 schon sowas berücksichtigt und zwei Tage später geheiratet hätten. Ist vielleicht was dran. Sonntag haben sie die 40 vollgemacht. :)

    Zum Anzug: Ich hatte beide Male einen an, aber eine Krawatte kam mir nicht um den Hals. ;) Wir haben nur drauf geachtet, dass wir 2013 und 2014 am selben Tag heiraten, damit es später keine Diskussionen um den Hochzeitstag gibt, da wir schon nicht wirklich sagen können, ab wann wir eigentlich ein Paar sind. :D

    Macht euch einen schönen Tag!

  2. Ich bin ja noch etwas länger mit dem Weibchen zusammen, aber wenn ich mir so den Freundes- und Bekanntenkreis anschaue, dann gibt es da nur wenige, die nicht mindestens einmal geschieden sind. Die Ehe fürs Leben ist scheinbar die Ausnahme…
    Meinen Glückwunsch zum Hochzeitstag.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren