uber — mehr als nur eine Vertrauensfrage

uber — mehr als nur eine Vertrauensfrage

Als ich noch bei einer Firma angestellt war, die zu einer großen Bergbauunternehmen in Nordrhein-Westfalen gehört, bin ich berufsbedingt häufig mit dem Taxi unterwegs gewesen. Als Fahrgast habe ich quer durch die Republik Taxis und ihre Fahrer erlebt und kennengelernt. Über die Jahre sind einige Fahrten zusammengekommen, dazu auch noch private, zum Beispiel in Bielefeld, wenn der IKEA-Einkauf doch zu schwer war. An wirklich negative Erfahrungen kann ich mich nicht erinnern.

By: GörlitzPhotographyCC BY 2.0

Manchmal waren die Fahrer brummelig (was ich schätze, wenn ich morgens noch müde bin) manchmal redselig (was angenehm ist, wenn man vor dem Kundentermin nervös ist). Es gab nie Problem mit den Quittungen, der Fahrpreis hielt sich auch immer im Rahmen und sauber waren die Fahrzeuge grundsätzlich. Für mich als Mensch ohne eigenes Auto und mit zu wenig Fahrpraxis, um sich mittels Car-sharing fortzubewegen, sind Taxis eine gute Alternative.

Wenn ich im Auto Beifahrer bin, kann mir mitunter schlecht werden (hinten im Wagen passiert das ehedem). Das hängt jedoch mit der Fahrweise des Fahrers zusammen. Bisher ist mir in keinem Taxi schlecht geworden, was für sämtliche Fahrer spricht, mit denen ich unterwegs war. Stets hatte ich auch Vertrauen darauf, dort anzukommen, wo ich hin wollte. Unfälle gab es nie.

Das alles sind lediglich meine persönlichen Erfahrungen als Kunde. Es wird viele andere Erfahrungen geben, wobei einige Menschen auch zu einem ganz anderem Urteil über Taxifahrer kommen werden. Ich für meinen Teil bin froh, dass es Taxis gibt.

Wenn man zu einem fremden ins Auto steigt (also das macht, wo vor uns unsere Eltern immer gewarnt haben), benötigt man Vertrauen. Als Kunde baue ich darauf, dass Fahrer und Fahrzeug versichert sind, dass das Auto registriert ist (und verkehrstauglich ist) und der Fahrer im Besitz eines Personenbeförderungsschein ist.

Der Personenbeförderungsschein belegt, dass müssen die Gewähr dafür bieten, dass sie der besonderen Verantwortung bei der Beförderung von Fahrgästen gerecht werden, Ortskunde besitzen sowie gesundheitlich geeignet sind
Quelle: wikipedia.de

Derzeit ließ man viel über Uber, eine Plattform die Fahrgästen Fahrer vermittelt. Die Fahrer sind dabei Privatpersonen mit eigenem Fahrzeug und sollen angeblich in der Mehrheit über keinen Personenbeförderungsschein verfügen. Wie es mit allen anderen Dingen aussieht, die Taxis für mich ausmachen, kann ich nicht beurteilen — und werde es wohl auch nie beurteilen können, da ich wohl kaum Kunde bei Uber werde. Weder gefällt mir das Geschäftsmodell noch das Gebaren. Trotz einstweiliger Verfügung, private Fahrer und Fahrgäste zusammen zu bringen, macht das Unternehmen in Deutschland einfach weiter. Gerichtsurteile? Scheren eine US-amerikanische Firma nicht. Ein kleiner Vorgeschmack von dem, was uns nach TTIP erwartet.

Für mich geht es bei Uber mittlerweile nicht nur um die Zukunft des Taxi-Gewerbes in Deutschland, sondern darum, was sich eine Firma aller herausnehmen kann — ohne mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen zu müssen. Uber Expansionspolitik ist nichts anderes als Landnahme — Inbesitznahme unabhängig von Eigentumsverhältnissen, Zustimmung bzw. Duldung. Eroberung nennt man so was auch. Wer Kunde bei Uber wird, sollte sich gut überlegen, welchem Verständnis von Gesellschaft er damit Vorschub leistet.

3 Replies to “uber — mehr als nur eine Vertrauensfrage”

  1. So kritisch ich das auch sehe, so sollte man aber schon sehen, dass Uber nicht gleich Uber ist. Denn die Geschichte mit den Privatfahrzeugen (Uber Pop) ist nur eines der Angebote.

    1. Je länger ich darüber nachdenke, desto schwerer liegt mir das TTIP-Argument im Magen — und das gilt ganz unabhängig von den Angeboten.

Kommentar verfassen

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren