Mein erstes kindle

Mein erstes kindle

Bei Buchstaben muss man immer etwas vorsichtig sein. Kaum fehlt ein ‚e‘, schon sieht die Sache ganz anders aus. Kindl kenne ich noch von früher (wie früh, sag ich nicht), als Berliner Weiße mit Schuss — nach wie vor mag ich den Geschmack von Waldmeister. Hier geht es aber nicht um das erste Bier aus Berlin, sondern und da sind wir dann beim fehlenden Buchstaben, um den kindle von amazon. Genau gesagt um die kindle-App für iOS.

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Magere Oberfläche, knappe Einführung.

Was ich von amazon grundsätzlich halte, habe ich bereits an der einen oder anderen Stelle hier im Blog deutlich gemacht. Leider gibt es Momente, wo man um amazon nicht drumherum kommt, wenn man das Buch einer bestimmten Autorin oder eines bestimmten Autors lesen will. Im Gegensatz zum Rest der Angebote verwendet amazon sein eigenes Buchformat, welches sich nur auf den eigenen Geräten lesen lässt. Für ein zwei Bücher im Jahr, selbst wenn es mehr wäre, kauf eich mir keinen kindle eReader. Dafür reicht die App, die es für iOS gibt.

Anfang der Woche habe ich diese installiert, um damit ein bei amazon gekauftes Buch zu lesen, einen Lokalkrimi — sobald ich den durchgelesen habe, wird der hier auch erwähnt, ich will nur nicht meinen Unmut über die kindle App mit einer Rezension vermischen, es wäre schade um den Krimi.

Um diesen Unmut nachvollziehen zu können, hole ich etwas weiter aus. Bisher lese ich primär über iBooks unter iOS, freie Bücher auch gerne mit Marvin (ebenfalls iOS), gelegentlich schon mal mit dem Tolino — da aber dann wirklich nur zur reinen Entspannung. Der Punkt „reine Entspannung“ ist wesentlich, denn wenn ich lese, dann mache ich mir auch gerne Notizen. Notizen, die ich später weiter verarbeite, wenn ich eine Rezension über das Buch schreibe. Oder aber, wenn mir Passagen des Buches gefallen haben, gute Beispiel sind für die eigene Schreibentwicklung. Sowohl bei iBooks als auch bei Marvin kann ich nicht nur Notizen machen, sondern die auch einfach exportieren, zum Beispiel, in dem ich sie mir per E-Mail zusenden. Ich bin gewohnt, Lesezeichen zu setzen und in einer Übersicht diese nicht nur angezeigt zu bekommen, sondern auch bequem an die entsprechende Stelle im Text zu springen. Ich finde es toll, das Layout und Schriftart an meine Lesegewohnheiten anzupassen, was unter Marvin sogar noch besser geht als unter iBooks — leider versteht sich Marvin (noch) nicht auf DRM geschützte Bücher. Wen ich einen Namen nachschlagen will, was bei mir häufiger vorkommt, markiere ich diesen und wähle dann die Lupe aus. Und, zu guter letzt, wenn mir unter iBooks der Lesestoff ausgeht, kann ich innerhalb der App Nachschub kaufen.

Notizen bleiben eingesperrt.
Notizen bleiben eingesperrt.

Kommen wir nun zur kindle App. Bei der kindle App gibt es allen Anschein nach keine Möglichkeit, innerhalb der App Bücher zu kaufen. Dazu brauche ich die Webseite von amazon. Wenn ich dort ein Buch kaufe, muss ich sagen, an welches Gerät ich es schicken möchte. Mich verwirrt so was.Beim Nachschlagen eines Namens muss ich diesen selber in das Suchfeld eintippen. Ansonsten bekomme ich nur eine Definition über Wikipedia oder das eingebaute Wörterbuch. Textgröße und Layout kann ich zwar verändern, das war es dann aber auch schon. Lesezeichen kann ich setzen, aber eine Übersicht aller Lesezeichen, so wie ich es von Marvin und iBooks kenne, fehlt offensichtlich. Das alles lässt sich noch verschmerzen, bei der für mich wichtigsten Funktion eines Readers scheitert die kindle App auf ganzer Linie

Notizen lassen sich in der App anlegen. Mehr aber auch nicht. Es ist nicht mal möglich, sich diese per Mail selber zuzusenden. Damit bricht mein ganzer Worklflow zusammen. Was soll ich mit Notizen, die ich nicht aus der App heraus bekomme? Möglicherweise ist das auf dem eReader anders, aber da ich ihn niemals kaufen werde, werde ich es selber nie erfahren. Wie immer sich die App ausgedacht hat, vom lesen versteht er verdammt wenig. Wer denkt, es könnte nicht schlimmer kommen, der irrt sich leider. Übel, wirklich ziemlich übel, ist die Angewohnheit der App, Seiten neu zu berechnen, auch ohne dass man Schriftgröße oder Layout verändert hat. Einfaches Beispiel. Ich lese ein Kapitel zu Ende, der letzte Satz steht im Querformat links, das neue Kapitel fängt rechts an. Ich lese zwei Seiten im neuen Kapitel, bis mir etwas einfällt, was mir entgangen ist. Daher blättere ich wieder zurück. Dabei stelle ich dann immer wieder fest, dass das aktuelle Kapitel plötzlich links anfängt. Das vorherige Kapitel endet dann unten rechts. So was geht nicht, selbst ein E-book braucht ein gewisses Maß an statischen Elementen. Marvin und iBooks können das, ebenso einige andere iOS Reader Apps.

Lesen mit der kindle App macht kein Spaß, sondern ist eine Qual. Sollte gerade der Punkt mit den Notizen auf den eReader genau so sein, kann ich für meinen Teil nicht nachvollziehen, war sich so was wie geschnitten Brot verkauft.

3 Replies to “Mein erstes kindle”

  1. Vielleicht solltest Du mal den Gedanken zulassen, dass es ganz viele Menschen gibt die einfach lesen…..ohne sich dabei Notizen zu machen. Und daher auch eine solche Funktion überhaupt nicht vermissen.

  2. Ich sehe das wie Tanja. Geh mal davon aus, dass 99% der Leser nicht im Traum darauf kommen, sich Notizen zu machen, weil sie einfach ein Buch, ja, konsumieren.

    Und was die fehlenden In-App-Käufe angeht, so liegt das ja schlicht und ergreifend darin begründet, dass Amazon nicht einsieht, Apple 30% der Umsätze abzutreten, was man auch als Kritiker Amazons kaufmännisch nachvollziehen können sollte. Elegant ist anders, aber so ist das, wenn zwei verschiedene Systeme mit Totalitätsanspruch aufeinander treffen.

  3. Natürlich gibt es unterschiedliche Nutzerverhalten — aber das man eine, wenn auch kleine (wobei ich glaube, die Gruppe der Notizen-Macher ist größer, als ihr denkt) Gruppe einfach aussperrt, befremdet mich einfach. Technisch gibt es da keinen Grund. Und was den Rest angeht, brauche ich zu amazon nun wirklich nichts mehr zu sagen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren