Fernbus nur mit Tüte

Fernbus nur mit Tüte

Letzte Woche berichtete die Zeit, immer mehr Menschen in Deutschland würden mit Fernbus fahren. Als konkurrenzlos billige Alternative zur Bahn. Auch wenn es für andere möglicherweise hip ist, mit dem Bus statt mit der Bahn übers Land zu fahren, für mich persönlich wäre es keine Alternative. Unabhängig vom Preis und dem Umstand, dass ich als autofreie Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bin.

By: PaleontourCC BY 2.0

In Bussen, selbst wenn sie nur im Stadtgebiet unterwegs sind, wird mir regelmäßig und ziemlich heftig schlecht. Allein die Vorstellung, mit einem Reisebus von Köln nach Bielefeld fahren zu müssen, treibt mir die Schweißtropfen auf die Stirn — was nicht am Ziel der Reise liegt, sondern wirklich am Verkehrsmittel. Das war früher schon so und ist auch mit den Jahren nicht besser geworden. Gleiches gilt auch für das Autofahren, aber dort spielen noch andere Faktoren mit rein, zum Beispiel ob ich selber fahre oder vorne sitze (beides bei einem Fernbus eher schwierig).

Auch unabhängig davon ruft diese Lust auf Fernbus bei mir ein Stirnrunzeln hervor. Die Begeisterung kann ich nicht teilen. Als Kind eines Eisenbahners bin ich halt Züge gewohnt. Fahrpläne sind Geheimnis, selbst Kursbücher nichts mit sieben Siegeln. Anders gesagt: ich mag Bahn fahren nicht nur, es ist meine bevorzugte Reiseart. Selbst in einer S-Bahn finde ich es bequemer zu sitzen als in einem Fernbus.

Bei der Bahn habe ich auch immer das Gefühl der (relativen) Unabhängigkeit. Ich kann an jedem Bahnhof wieder aussteigen und den nächsten Zug in die Gegenrichtung nehmen. Ich weiß, wann ein Zug abfährt und kann sehen, wann er sein Ziel erreicht haben sollte — Verspätungen lassen wir hier einfach mal außen vor, denn auf der Autobahn kann es genauso gut einen Stau geben.

Aufstehen während der Fahrt ist kein Problem. Das Geräusch eines Zuges unterwegs auf der Schiene wirkt beruhigend auf mich. Dabei einschlafen ist kein Problem. Geht im Bus nicht, weil ich meistens zu sehr darauf konzentriert bin, mich nicht zu erbrechen. Reisetabletten helfen da nur sehr begrenzt. Ein spannendes Phänomen an dieser Stelle ist meine völlige Kompatibilität mit Flugzeugen und Schiffen. Luftlöcher machen mir ebenso wenig etwas aus wie hoher Seegang, bei dem 80 Prozent der Passagier grün an der Reling hängen.

Zurück aber zu den Fernbussen. Die Benutzung dieses Reismittels soll weiter zunehmen. Ob das nur am Preis liegt? Der Unabhängigkeit des Anbieters von einem Schienennetz? Für die Bahn sind die Fernbusse mittlerweile eine ernstzunehmende Konkurrenz geworden, denn die Anzahl der Menschen, die so wie ich gestrickt sind, dürfte eher verschwinden gering sein. Private Fernbusse als Konkurrenz zur Bahn. Mit einem Bus kann man auf jeden Fall mehr Menschen transportieren als mit einem Auto, aber aus ökologischer Sicht ist die Bahn die beste Wahl. Tief in meiner Herz trage ich auch die Überzeugung mit mir herum, dass öffentliche Verkehrsanbindungen grundsätzlich in staatliche Hand gehören. Das Reisen ohne Auto gehört für mich zur Grundversorgung — das aber wäre jetzt eine ganz andere Debatte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren