Zu blöd für arte

Zu blöd für arte

Ich mag das Programm von arte, auch wenn ich es in der Regel nicht schaffe, auch nur einen Bruchteil aus dem Fernsehangebot dort zu sehen. Mit etwas Glück nehme ich interessante Sendungen auf oder erwische sie in der Mediathek des Senders. Manche Aufnahmen liegen dann sehr lange auf der Festplatte des Recorders. Wie ein guter Whiskey, der gelagert wird — man merkt noch die Nachwirkungen des vergangenen Samstags.

By: matze_ottCC BY 2.0

Wie dem auch sei, letzten Freitag haben sich meine Frau und ich uns die Dokumentation „Die geheimen Deals der Rohstoffhändler“ angesehen. Ausgestrahlt wurde der Beitrag am 14. Januar diesen Jahres — nur mal so erwähnt, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie lange bei uns Aufgezeichnetes ungesehen rumliegt. Im Beitrag ging es, wie der Titel zugespitzt zum Ausdruck bringt, um die Geschäfte der Rohstoffhändler. Dabei ist der Beitrag selber zweigeteilt. Zuerst lernt man Händler kennen, tatsächlich mit Rohstoffen handeln. Händler, die in die Erzeugerländer fahren, sich mit dem was handeln, wie zum Beispiel Kaffee, Reis oder Baumwolle, verdammt gut auskennen. Die eine, wenn man so will, Leidenschaft für ihren Beruf und auch für die Handelsware haben.

Diese Händler im klassischen Sinne sorgen dafür, dass die Ware aus den Erzeugerländern in die Verbraucherländer gelangen. Sie organisieren die Transporte (die andere Unternehmen für sie durchführen) und bieten die Waren dann den Verkäufern an. Über die Verkäufer schließlich landet die Ware in den Einzelhandel (bei Kaffee zum Beispiel) oder wird Herstellern zum verkauf angeboten, die den Rohstoff weiter verarbeiten (wie bei Baumwolle).

Soweit verstand ich die Dokumentation. Die Händler fand ich auch wenig geheimnisvoll oder gar bedrohlich. Dann ging es jedoch um eine ganz andere Art, der Typus „Trader“ wurde vorgestellt. Dieser Trader macht (Waren-)Termingeschäfte. Er handelt selber weder mit den Rohstoffen direkt noch muss er Ahnung von den Rohstoffen selber haben. Das konnte ich zumindest noch verstehen, wenn auch nicht nachvollziehen. Im Film selber wurde mir bis zum Ende nicht deutlich, wozu Termingeschäfte dienen. Irgendwie sollen sie eine Art Versicherung für den Rohstoffhändler sein, der lange bevor die Rohstoffe produziert sind, diese bereits zum einem festen Preis verkauft hat. Glaube ich zumindest.

Wenig schlau und mit dem Gefühl, doch etwas zu blöd zu sein für arte, schlug ich bei Wikipedia nach. Dort steht unter dem Stichwort „Termingeschäft“ zunächst folgendes:

Termingeschäfte (auch Zeitgeschäfte genannt) sind der Kauf, Tausch oder anderweitig ausgestaltete Festgeschäfte oder Optionsgeschäfte, die zeitlich verzögert zu erfüllen sind, auf einem organisierten Markt oder in einem multilateralen Handelssystem geschlossen werden, keine Kassageschäfte darstellen und deren Wert sich unmittelbar oder mittelbar vom Preis oder Maß eines Basiswerts ableitet.
Quelle: Wikipedi.de

Das muss man erstmal sacken lassen. Ich habe mir das mehrfach durchgelesen, immer mit dem gleichen Ergebnis. Der Satz (es ist wirklich nur ein Satz) erschließt sich mir nicht. Und immerhin hatte ich SoWi-Leistungskurs. Aber es gibt im Internet neben Wikipedia noch andere Quellen.

Die Definition im Gabler Wirtschaftslexikon führte bei mir auch nicht zu einer Erhellung. Geschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Kurs erfolgt.

Im Beitrag von arte wurde erwähnt, dass es für Verkäufer und Käufer der realen Rohstoffe um Absicherung gehen würde. Daher kämen die virtuelle Optionen im Rahmen von Termingeschäften ins Spiel. Man wolle sich auf diese Weise gegen Preisschwankungen versichern. Der Verkäufer will ebenso wie der Käufer sein Risiko minimieren und den Gewinn hoch halten sowie Verluste vermeiden. Soweit verstehe ich das auch alles. Um sich zu versichern, gibt es Versicherungen — denke ich als Laie. Warum man dann daraus etwas macht, was andere Menschen an der Börse handeln, habe ich immer noch nicht richtig verstanden. Vermutlich ist das aber auch im Interesse der agierenden Personen, dass wir, die normal sterblichen Bürger, gar nicht wirklich wissen, was hinter unserem Rücken alles passiert.

Was ich allerdings gegen Ende verstanden habe, sind die Auswirkungen der Spekulationen bei Warentermingeschäften. Die Spekulanten müssen keine Ahnung von den Rohstoffen haben, sondern sich auf Zahlen verstehen. Die Kursentwicklungen voraussagen so wie erklären können, warum sie richtig lagen. Mit Spekulationen, so ein Fazit der Dokumentation, können im schlimmsten Fall Preise nach oben getrieben und ein Mangel eines Rohstoffs suggeriert werden, obwohl dieser im Überfluss vorhanden ist. Etwas ist also doch bei mir angekommen. Aber vielleicht hat ja jemand eine richtig gute und verständlich Erklärung für mich — gerne als Kommentar.

3 Replies to “Zu blöd für arte”

  1. Bauer A produziert Weizen, Mehlfabrikant B benötigt Weizen um daraus Mehl herstellen zu können.
    Glücklicherweise hat B ein recht großes Weizenlager.
    B möchte sicherstellen dass er sein Lager immer kostengünstig und planbar füllen kann und macht A ein Angebot:
    „verkauf mir deinen Weizen doch vor der Ernte und wir handeln jetzt schon den Preis dafür aus“.
    A geht darauf ein; er könnte zwar später verkaufen und evtl. mehr verdienen aber mit diesem *Warentermingeschäft* bekommt er die Sicherheit seine Ware zum festgesetzten Preis abzusetzen.

    Immer mehr Bauern und Mehlfabrikanten machen mit und das lockt auch Leute an die den Weizen gar nicht selbst produzieren oder konsumieren.
    Jemand mit einem Lager könnte Weizen zum best. Termin einkaufen, einlagern und später zum höheren Preis verkaufen.
    Diese Verhaltensweise stabilisiert sogar den Weizenpreis weil es immer genug Käufer und Verkäufer gibt und die Lager puffern Angebot und Nachfrage.
    Der Lagerist ist zwar ein Spekulant und er verdient im Durchschnitt am Weizen mit, aber er hat einen positiven Effekt auf den Markt.

    Und dann gibt es da noch die Banker, Trader und Zocker die noch nie einen Sack Weizen gesehen haben aber Warentermingeschäfte über Tausende Tonnen abschliesen.
    Diese Parasiten dürften eigentlich gar nicht am Handel teilnehmen.
    Richtig krank wird es mit Optionen: eine Option berechtigt zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft Weizen zu einem best. Preis kaufen oder verkaufen zu dürfen.
    Mit wenig Geld kann man hohe Gewinne oder einen Totalverlust machen. Diese Option wird aber nie ausgeübt sondern der Emittent zahlt entweder in Geld aus oder die Option wird wertlos.

    1. Die Antwort von Thomas B. (das bin nicht ich!): bringt mich auf jeden Fall ein deutliches Stück weiter Richtung Verständnis. Danke dafür!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren