Dicke Pendler kennen deinen Namen

Dicke Pendler kennen deinen Namen

„Bahnfahren macht schlank“, titelte es heute auf der ersten Seite des Kölner Stadt-Anzeigers. Britische Wissenschaftler hätten, so hieß es, herausgefunden, dass Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel schlanker seien als ihre Mitbürger, die mit dem eigenen Auto unterwegs seien.

By: AndreyCC BY 2.0

Grundsätzlich bin ich bei Studien und Statistiken immer schon skeptisch gewesen — wir alle kennen diesen berühmten Ausspruch von Winston Churchill zu diesem Thema. Geht es um ein Thema, mit dem ich mich aus dem einen oder anderen Grund auskennen, so führt die Grundskepsis schnell zu einem „So ein Blödsinn“. Schlanke Bahnfahrer ist so ein Thema. Vielleicht, ich will ja fair bleiben, bezieht sich die Untersuchung auf Menschen, die es ehedem nicht weit zu ihrem Arbeitsplatz haben. Pendler, insbesondere solche, die unter der Woche längere Strecken (50 Kilometer und mehr pro einfache Strecke), können nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen sein.

Greifen wir noch mal auf Churchill zurück. Von ihm soll auch der Ausspruch „No Sports“ stammen. Genau das ist nämlich eines der Hauptprobleme bei Pendlern. Wer täglich lange in der Bahn unterwegs ist, dem fehlt die Zeit, „nebenbei“ noch Sport zu machen. Zusätzlich sitzt er ziemlich viel. In der Bahn und wahrscheinlich auch in seinem Beruf. Wie man dabei schlank bleiben oder gar werden soll, ist mir ein Rätsel. Auf jeden Fall sind es erschwerte Bedingungen. Kommt dazu dann noch ein Job, der so herausfordernd ist, dass man über die häufige Zuhilfenahme von Nahrungsmitteln (sehr ungünstig: Süßigkeiten) kompensiert, wird man nicht schlank, sondern das genau Gegenteil davon.

Besitzer einer BahnCard trifft man häufiger von einem Fitnessstudio in der Bahn träumend im Zug an. Selbstverständlich nimmt man sich trotz der Pendelei immer vor, in der Freizeit zum Ausgleich Sport zu treiben. Es bleibt in der Regel jedoch bei diesen Vorsätzen. Die radikale Lösung wären hier, seine Ernährung umzustellen — gelingt bis zum nächsten stressigen Projekt.

Ein Trost ist wie immer, sich in einer Schicksalsgemeinschaft zu befinden. Anderen geht es ähnlich. Vielleicht hätte man besser Autofahrer im Vergleich zu Fahrradfahrern untersuchen sollen. Die wäre, so meine Vermutung, wirklich schlanker. Wobei mir persönlich keiner bekannt ist, der morgens 100 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt. Fit wäre der auf jeden Fall. Und garantiert schlank.

2 Replies to “Dicke Pendler kennen deinen Namen”

  1. Ich war schon ewig nicht beim Sport, weil die Pendelei (du kennst die Strecke ja bestens) einen einfach schlaucht. Wenn man dann endlich zuhause ist, kann man sich, also ich, nicht mehr wirklich aufraffen. Ich werde demnächst mal ausprobieren, die Sporttasche morgens schon mitzunehmen und auf dem Heimweg dann zum Sport zu gehen. Vielleicht funktioniert das ja…

    Ich hab beim Kunden einen Kollegen sitzen, der jeden Tag 40 Kilometer auf dem Fahrrad sitzt, um zur Arbeit und wieder heim zu kommen. Der hatte vor ein paar Monaten einen Herzinfarkt. Mit 54. Irgendwie hilft alles nix. :/

    1. Sport ist für sich auch keine Lösung – es sollte Ausgleich, kein Dogma sein. 40 Kilometer täglich würde ich mir auch nicht antun. Sporttasche, ist glaube ich für mich auch keine Lösung. Schleppe zudem auch schon so viel zu viel mit rum.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren