Isranenser — eine neuer Staat

Isranenser — eine neuer Staat

Der Konflikt im Gazastreifen führt zu Toten auf beiden Seiten. Sowohl die Israelis als auch die Palästinenser zahlen einen hohen Preis. Die Opfer der Auseinandersetzung gegeneinander aufzurechnen, führt dabei lediglich in eine Sackgasse. Erschreckend sind manche Formen des Protestes hierzulande. Es beschämt, wenn vor dem Kölner Dom Israel mit Nazi-Deutschland auf Plakaten gleichgesetzt wird. Links sein und Antisemit, so lernte ich heute, schließt sich nicht aus.

By: RonAlmogCC BY 2.0

Selbstverständlich kann und muss man nicht mit der Vorgehensweise Israels einverstanden sein. Bei aller berechtigter Kritik darf jedoch niemals vergessen werden, in welchem Kontext wir uns befinden — die Gründung des Staates Israels war eine zwingende Notwendigkeit gewesen. Das gleiche Existenzrechte fordern die Palästinenser jedoch zurecht ein.

Betrachtet man die Art der Auseinandersetzung, ist die Asymmetrie unübersehbar. Auf der einen Seite steht ein hochmoderne reguläre Armee, auf der anderen Seite Untergrundkämpfer der Hamas. Es gibt Raketenlager in zwei UN-Schulen im Gaza-Streifen, die Hamas-Kämpfer suchen sich Lager und Abschussmöglichkeiten für ihre Raketen in der Nähe von zivilen Einrichtungen. Man kann es verdammen. Es folgt aber der Logik der asymmetrischen Kriegsführung. Einen „regulären“ Krieg kann die Hamas auf keinen Fall gewinnen. Die „Feigheit“ ist Resultat der Überlegenheit der anderen Seite.

Nachvollziehbar ist es gleichfalls, dass die israelische Armee zivile Verlust auf Seiten der Palästinenser billigend in Kauf nimmt. Hier gibt es nur zwei Möglichkeiten. Verzicht auf den Einsatz von Waffen und Gewalt oder aber genau das, was derzeit passiert. Dabei kann keine der beiden Seiten gewinnen. Weder geht die Kalkulation der Hamas auf noch die von Israel. Der Konflikt im nahen Osten ist nicht zu gewinnen, seit Jahrzehnten schon (hier besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu den Auseinandersetzungen in Nordirland).

Damit eine Seite gewinnt, muss die andere verlieren. In Falle von Israel und den Palästinensern reicht keine „einfache“ Niederlage aus, bei welcher die unterlegene Partei ihre Niederlage eingesteht. Es kann nur durch eine vollständige Vernichtung gelöst werden. Das hört sich hart an, wäre aber die bittere und einzige Möglichkeit, sofern man den Konflikt auf militärische Art und Weise lösen würden. Und selbst dann ist der Sieger ein so hohes Risiko eingegangen, dass er am Ende selber alles verlieren würde — durch Racheakte, Strafmaßnahmen oder Angriffe von anderen Staaten. Eine Lose-Lose Situation. Eine klassische Win-Lose Situation ist bei solchen Konflikten grundsätzlich nicht möglich.

Frieden jedoch kann es nur mit einer Win-Win Situation geben. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis lässt sich nur friedlich am Verhandlungstisch lösen. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern wird ein schwieriger und langwieriger Prozess sein. In meiner Naivität stelle ich mir vor, dass beiden Seite erkennen, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind. Das die Lösung nur in einem gemeinsamen Staat liegen kann. Die Trennung in Israeli und Palästinenser ist möglicherweise falsch. Indien und Pakistan zeigen als Beispiel, wie wenig eine Aufteilung zu einem dauerhaften friedfertigen Nebeneinander geeignet ist. Beiden Staaten belauern sich, rüsten hoch und suchen nach Schwächen beim jeweils anderen, aus dem sie Vorteil schlagen können.

One Reply to “Isranenser — eine neuer Staat”

  1. „Nachvollziehbar ist es gleichfalls, dass die israelische Armee zivile Verlust auf Seiten der Palästinenser billigend in Kauf nimmt.“

    Bitte, erkläre das mal im Detail!

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren