Schmelzende Brücken im sommerlichen Köln

Schmelzende Brücken im sommerlichen Köln

Es ist heiß in Köln. Endlich heiß, müsste man eigentlich sagen, nach dem wir wochenlang auf so etwas wie richtigen Sommer gewartet haben. Man könnte sich nur etwas über die Schwankungen beklagen. Zwischen den heißen Phasen wird gerne mal der Regler für die Außentemperatur um einige Grade herunter gedreht.

Früher (wann wird es wieder richtig Sommer ohne schreckliches Playback) haben wir als Kinder fasziniert beobachtet, wie bei sehr sommerlichen Temperaturen der Asphalt flüssig wurde. In Wesel gab es eine Nebenstraße und Wege, die aus einer Kombination von Teer und Rollsplitt bestanden. Der Untergrund war deutlich rauer als regulär asphaltierte Straßen. Für den landwirtschaftlichen Betrieb aber wohl auch besser geeignet, denn auch stark verschmutzt hatten solche Strecken noch ordentlich Haftung.

By: Mike PowellCC BY 2.0

Ordentlich ist ein gutes Stichwort, um wieder gedanklich zurück nach Köln zu finden. Wieder einmal mehr hat sich heute mein Bild über den kölnischen Schlendrian bestätigt. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet heute über den Zustand der Leverkusener Brücke (ja ich weiß, das Foto zeigt die Brücke in Deutz), in der, man glaubt es kaum, minderwertiger Stahl in den 60er Jahren verbaut wurde. Auf diese Weise hat man teures Material gespart — mich würde nicht wundern, wenn die Auftragnehmer gleichzeitig den richtigen Stahl berechnet hätten. Kontrolliert wurde das damals wohl auch eher weniger. Erst jetzt, bei der Sanierung der Brücke fallen diese eklatanten Mängel auf. Pfusch am Bau. In Köln wohl eher der Regel- denn der Ausnahmefall.

Bei der Leverkusener-Brücke stellt sich die Frage, ob die derzeitigen Reparaturen überhaupt noch sinnvoll sind oder ob ein Abriss und vollständiger Neubau nicht besser wäre. Auch im Hinblick auf die damit verbundenen Kosten. Natürlich ruft so ein Vorschlag direkt Bedenkenträger auf den Plan (verfügbar in handelsüblichen Großpackungen). Eine so wichtige Brücke wie die Leverkusener-Brücke abreißen? Wo soll denn dann der ganze Verkehr hin, bis die neue Brücke wieder steht? Dafür gibt es kostenlosen Pro-Tipp: man kann die bisherige Brücke stehen lassen und eingeschränkt zur Nutzung freigeben, während man daneben eine neue Brücke baut. Wie das geht, zeigt Wesel, meine alte Heimatstadt. Die dortige neue Niederrheinbrücke wurde auf diese Weise errichtet.

Über die Leverkusener-Brücke wird sich jedoch zunächst der Sommer in Köln senken. Träge durch die Hitze staut sich die Arbeit an der Brücke und der Verkehr darauf. „Et hätt noch emmer joot jejange“, heißt es in der Domstadt typisch rheinländisch. Alles bleibt wie es ist, und die LKW-Fahrer, die trotz des Fahrverbotes über die marode Brücke fahren, kommen mit einr Strafe so mild wie eine laue Sommernacht davon.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren