Kein Fußballfreund

Kein Fußballfreund

Nein, ich bin kein Fußballfreund. Auch nicht zur Weltmeisterschaft. Oder, um es in Frageform zu Ausdruck zu bringen „Nicht mal zur WM?“ Outet man sich als jemand, der wirklich kein Fußball schaut, kommt diese Frag unter Garantie. Beziehungsweise kam, denn seit gestern Abend ist der Spuk ja glücklicherweise wieder vorbei.

By: quatro.sinkoCC BY 2.0

Für Deutschland-Fans im Übrigen die Gelegenheit, sich günstig mit Fahnen einzudecken, die es jetzt nach der WM als Restposten geben dürfte. Vorm dem Final-Spiel, welches ich natürlich nicht gesehen habe, fragte ich mich, was „echte“ Fans im Falle einer Niederlage machen würden. Möglicherweise aus Wut die Fahne verbrennen? Das aber wäre, soweit mir bekannt ist, strafbar.

Aus Außenstehender verwundern mich nach einem Sieg immer wieder die Sprüche. Da heisst es im ganzen Land „Wir sind Weltmeister“, obwohl eine Fußballmannschaft doch nur aus 11 Spielern besteht. Das erinnert mich an folgendes Zitat:

Der Erfolg hat viele Väter. Der Mißerfolg ist ein Waisenkind.
Richard Cobden

Hätte die deutsche Mannschaft verloren, dann garantiert deswegen, weil sie zu wenig von den Zuschauern daheim vorm Fernseher angefeuert wurde. Auch einer der Gründe mit, warum Freude über gefallene Tor unbedingt in einer Lautstärke zum Ausdruck gebracht werden muss, die noch in zwei Kilometer Entfernung gut zu hören ist.

Von Fußball kenne ich weder die Regeln noch erschließt es sich mir, warum ein Spiel ausgerechnet die Länge von zwei Schulstunden hat. Wohl möglich steckt da ein tiefer Sinn dahinter. Hat man den erkannt, weiß man wohl auch, warum zwar regelmäßig vor den Schulferien die Benzinpreise steigen, das Bier während der WM aber genau so viel kostet wie danach.

Zum Glück blieben mir in der Nacht die obligatorischen Autokorsos erspart. Einer der Vorteile, wenn man in einer autofreien Siedlung wohnt. Wobei es anderen Möglichkeiten des Terrors gibt, zum Beispiel extra für die WM aufgehobenen Silvesterböller. nach dem Spiel ist vor dem Spiel — für mich hört sich das immer wie eine Drohung an. In vier findet die nächste Fußballweltmeisterschaft in Russland statt. Mit Sicherheit wird die Ukraine, sofern es sie dann noch geben sollte, dort nicht mitspielen. Wobei das ein ganz anderes Thema ist und Fußball nichts, aber auch gar nichts mit Politik zu tun hat. Daher kann man auch sich auch ruhigen Gewissen zu einer WM treffen, während nebenan Regimekritiker gefoltert werden.

Natürlich gönnen anderen ihren Spaß — solange sie mir meine Ruhe gönnen. Ist doch ein fairer Deal, oder?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren