Der Schlaf der Gerechten hört kein lautes Wasser

Der Schlaf der Gerechten hört kein lautes Wasser

Mit einer Verspätung von gut 14 Stunden ist mir heute der richtig schlecht vor Angst geworden. Vor der Angst, was alles hätte passieren können. Aber fangen wir von vorne an. Wobei, es ist nicht wirklich von vorne, sondern mitten drin, aber das wussten meine Frau heute morgen beim Frühstück noch gar nicht.

By: Niels HeidenreichCC BY 2.0

Dank digitaler Zeitung musste keiner von uns beiden zum Briefkasten. Wir saßen daher, unwissend in gewisser Hinsicht, beim Frühstück und wundert und lediglich über Feuerwehr und THW. Zwei Fahrzeuge standen in der Straße, es sah für uns danach aus, als ob bei einem der Reihenhäuser der Keller unter Wasser gestanden hat. Rohrbruch, kann mal passieren, war unsere Vermutung.

Während meine Frau sich nach dem Frühstück dem Buch „Silo“ zuwendete (hoch spannend, ich las es vor ihr), ließ ich mich an meinem Schreibtisch nieder. Ein anspruchsvolles Projekt nahm mich völlig gefangen, so dass ich erst gegen Nachmittag zum ersten Mal richtig Luft holen konnte. Mittlerweile sah es draußen aus, als ob ein Sperrmüllsondertag ausgerufen worden wäre. Das konnte, so mein Eindruck, unmöglich nur von dem einen Nachbarn sein. Kurz nach vier brachte ich Altpapier nach draußen. Die Pflastersteine sahen so aus, als ob da jemand eine Menge Waschpulver ausgekippt hätte. Auf dem Rückweg ins Haus ärgerte ich mich darüber, dass unten im Keller alle Türen offen standen. Selbst die, welche nach draußen führte.

Im Keller selber sah ich dann zum ersten Mal feuchte Pfützen. Mir kam ein merkwürdiger Verdacht. Bei uns im Keller war der Boden noch feucht, die Kartons, die direkt auf ihm standen, hatten Wasser gezogen. „Na toll, da ist Wasser in den Keller gelaufen und keiner hat und Bescheid gesagt!“ Empört sprach ich mit meiner Frau darüber. Dann kam uns eine Nachbarin aus dem Haus entgegen und wir erfuhren die ganze Geschichte.

In der Nacht ist die Überschwemmung von Mitbewohnern bemerkt worden. Der größte Teil der Nachbarn lief alarmiert in den Keller, um das Schlimmste zu verhindern. Auch bei uns hatte man mehrmals geklingelt, sogar gegen die Tür geklopft. So lange, bis man davon überzeugt war, wir seien nicht zu Hause. Waren wir aber. Tief und fest mit Ohropax haben wir in unserem Bett geschlafen, während die Nachbarn im Schweiße ihres Angesichts Wasser abschöpfte.

Besonders viel Regen ist in der Nacht nicht gefallen, aber der Grundwasserspiegel war durch die Regenfälle der letzten Tage bereist so gestiegen, dass der Regen dann ausreichte, um das Fass im wahrsten Sinne des Wortes zum überlaufen zu bringen.

Bei uns sind vier Kartons von außen nass geworden, am schlimmsten hat es die Transportkartonage für den Waterrower erwischt (der aber wohlbehalten in der Wohnung steht). Mehr ist nicht passiert. Da das unsere dritte Überschwemmung insgesamt war (eine bereits in Bielefeld, die andere in Köln in der ersten Wohnung), nahmen wir es gelassen hin — auch wenn mehr nass geworden wäre, hätte mich das wenig aufgeregt.

Das wirklich Schlimme und der Grund, warum mir schlecht geworden ist, liegt woanders. Zu wissen, wie tief man schläft, weder klingeln noch klopfen mitbekommt. Es war nur Wasser im Keller. Genauso gut hätte es aber Feuer im Haus sein können. In dem Fall würde diese Zeilen wohl nicht mehr schrieben können. Die nächsten Tage werden meine Frau und ich uns überlegen, wie wir so einer „Überraschung“ vorbeugen können.

7 Replies to “Der Schlaf der Gerechten hört kein lautes Wasser”

    1. Aus Gewohnheit. Die letzten Wohnung waren etwas lauter. Und irgendwann gewöhnt man sich daran. Das Gefühl, einfach nichts zu hören, lässt einen einfacher nachts einschlafen.

    1. Selber basteln wollte ich die Rauchmelder aber nicht ;-) Wenn es welche bei uns gibt, dann vermutlich auch eine Sorte, die man an die Decke klebt statt zu bohren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren