Bio macht schön

Bio macht schön

Zum „Tag ohne Plastiktüten“ gab es von den Grünen ein Foto mit Anton Hofreiter und Agnieszka Brugge. Die beiden hielte eine Baumwolltasche mit dem Aufdruck „Bio macht schön“ in den Händen. Das Motiv, so muss man zugestehen, ist nicht wirklich besonders gelungen. Über den Aufdruck auf der Tasche kann man ebenso streiten. Allerdings provozierte das Foto einige Menschen in den Sozialen Netzwerken so, dass die Botschaft dahinter völlig unterging. Das Plastiktüten nach wie vor in Deutschland dermaßen dominant sind, mit all ihren negativen Auswirkungen für die Umwelt. Eindrucksvoll zeigt das ein Artikel vom WDR aus dem letzten Jahr.

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Quelle: facebook / Anton Hofreiter

Bio ist für nicht wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger nach wie vor ein Reizwort. All zu gerne wird schnell zu alten Vorurteilen gegriffen. Wer sich zum Beispiel bei facebook umsieht, liest dort Kommentare, die in ihrer Art erschrecken. Besonders peinlich, wenn SPD-Mitglieder die Kampagne der Grünen nutzen, um Seitenhiebe auszuteilen — wobei einige der Seitenhiebe deutlich unter die Gürtellinie gingen. Statt Ressentiment und sich mit dem Thema zu beschäftigen, wird alt bekanntes Lied angestimmt:

Bio macht uninteressant, es kostet den Biobauern die Grundlage des Einkommens.
[…]
Weil Bio kein Mensch bezahlen kann, deswegen.
[…]
Bio ist was für Reiche, nix fürs Volk!
[…]
Bio macht arm. Der kleine Mann kann sich kein Bio leisten bei den Preisen!!!

Quelle: facebook

Ein industrialisierte Landwirtschaft, die um den Preis höherer Erträge die Umwelt nachhaltig schädigt, die macht arm. Und zwar uns alle. Zur Nachhaltigen Landwirtschaft gibt es keine Alternative. Gerade im Hinblick auf kommende Generationen sollten wir uns damit abfinden, dass die tägliche Portion Fleisch kein Grundrecht ist. Ebenso wenig ist das Überangebot in Supermärkten bei Obst und Gemüse ein unhaltbarer Luxus. Sowohl der Transport exotische Früchte als auch die Wegwerfmentalität sind menschenverachtend im Hinblick auf Nahrungsmittelknappheit an anderen Stellen.

Niemand wird bestreiten, dass Bio-Lebensmittel tatsächlich etwas teurerer sind. Bei geringeren Einkommen ist es wirklich eine Frage, wo man Prioritäten setzt. Niemand muss 100% Bio kaufen — jeder kleine Schritt Richtung Bio ist ein Schritt in die richtige Richtung. „Teuer“ ist Bio, weil zum Beispiel faire Löhne gezahlt werden. Weil anderswo konventionell in größeren Mengen günstiger produziert werden kann. Wobei günstiger relative ist. Würde man die gesellschaftlichen Folgekosten ehrlich berücksichtigen, wäre die bisherige „konventionelle“ Produktion von Lebensmittel erheblich teurer.

Bio macht nicht arm. Schaut man sich um in Europa, stellt man erstaunt fest, wie verdammt günstig in Deutschland Lebensmittel sind. Wir wollen viel und billig und haben verspüren keine Gewissensbisse, Lebensmittel wegzuwerfen.

Ob Bio schön macht oder nicht, lässt sich schwer beantwortet. Ignoranz auf der anderen Seite, macht hässlich.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren