Kölner Stadt-Anzeiger Unleashed

Kölner Stadt-Anzeiger Unleashed

Ursprünglich wollte ich heute über meine letzte gedruckte Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger schreiben. Dazu ein Foto von der Papierausgabe. Ein leicht wehmütiger Text wäre es geworden, vermutlich.

Daraus wird jetzt nichts. Statt wehmütig bin ich über alle Maßen wütend. Wunschgemäß wurde meine Abo heute umgestellt auf die digitale Ausgabe. Kein Papier mehr im Kasten, keine Finger voll Druckerschwärze.

Verwirrung durch Vielfalt und unklare Leistungen
Verwirrung durch Vielfalt und unklare Leistungen

Blicken wir kurz zurück. Gewollte, wirklich aus tiefsten Herzen gewollt, hatte ich diesen Wechsel nicht. Es verhielt sich jedoch so, dass der KSTA für die gleiche bisherige Leistung von mir mehr Geld haben wollte, nur damit ich neben der Printausgabe künftig auch weiterhin Zugriff auf die PDF-Datei haben würde. Darüber ließ ich mich bereits zur Genügen aus. Es ist wie es ist, wie der Kölner sagt. Darüber würde ich auch nicht erneut meckern. Wohl aber darüber, dass ich seit heute eben genau das nicht mehr kann, weshalb ich eigentlich wechselt.

Ein Zugriff auf die PDF-Ausgabe über den PC beziehungsweise die Weboberfläche vom KSTA ist nicht mehr möglich. Kein gültiges Abo, heißt es lapidar. Lediglich die Tablet-Ausgabe steht mir zur Verfügung. Darin ist zwar dadurch das PDF, aber eingesperrt. Es lässt sich weder außerhalb der App lesen noch archivieren. Nach Ablauf von 30 Tagen verschwindet dann das älteste PDF komplett. Die digitale Ausgabe selber aktualisiert sich werktags um 20 Uhr. Archivieren kann man auf diese Weise keine Artikel. Bei der Printausgabe konnte ich zumindest noch die Seiten aufheben. Derzeit stehe ich also noch schlechter dar als vorher. Die digitale Ausgabe des KSTA ist, so wie ich das sehe, kein Produkt, welches ich kaufen kann. Ich erhalte für mein Geld lediglich eine eingeschränkte Nutzungslizenz.

Komplett noch teurer als im Juli 2014 angekündigt
Komplett noch teurer als im Juli 2014 angekündigt

Um weiterhin vollen Zugriff auf das PDF zu haben, benötige ich das Digital komplett Paket Abo. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es dieses zum Zeitpunkt meiner Änderungskümdigung geben hätte. Mindestens der höhere Preis dafür wäre mir aufgefallen. Verwundert bin ich auch darüber, dass das komplette Pakt nicht wie von mir vor ein paar Tagen geschrieben 41,15 Euro kosten soll, sondern jetzt 46,10 Euro. Das sind 14,40 Euro mehr. Im Vergleich zu vorher, wo ich für 31,70 Euro bei der Printausgabe Zugriff auf das PDF hatte, ist das eine Preissteigerung von fast 50 Prozent für die gleiche Leistung. Und machen wir uns nichts vor, wir reden hier nicht über die renommierte Süddeutsche Zeitung, sondern über den Kölner Stadt-Anzeiger.

Für mich ist diese Preissteigerung ein guter Beleg dafür, wie schädlich Monopole sind – insbesondere im Medienbereich. Als jemand, der auf lokale Nachrichten nicht verzichten will, habe ich keine andere Wahl. Von M. DuMont Schauberg stammt sowohl der Express, der Kölner Stadt-Anzeiger als auch die Kölnische Rundschau. Mit anderen Worten: in einer Stadt mit über 1 Millionen Einwohner gibt es nur einen einzigen Zeitungsverlag und keine von ihm unabhängig Tageszeitung. Vergleichen wir das einmal mit Wesel, der Stadt am Niederrhein, in der ich geboren wurde und 20 Jahre lang gelebt habe. Bei gerade einmal 60.000 Einwohner gibt es in der Stadt zwei lokale Tageszeitung (Rheinische Post und NRZ), die unterschiedlichen Eigentümern (Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH, WAZ NewMedia GmbH & Co. KG) gehören. Da macht man sich schon so seine Gedanken, warum das in Köln anders ist.

So wie ich das sehe, hätte die Übernahme der Kölnische Rundschau im Jahre 1999 durch M. DuMont Schauberg nie genehmigt werden dürfen. Das dadurch entstandene Monopol gefährdet nicht nur die Meinungsvielfalt in Köln, sondern hat bereits großen Schaden angerichtet. Was Köln fehlt, ist eine neue, unabhängige Tageszeitung. Die kann sogar rein digital sein.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren